Kälte

Guten Abend!

Es ist kalt. Draußen. Und drinnen. In mir drinnen. Die Kälte umgibt alles, sie vergiftet alle Gedanken, sie erstickt alle Gefühle.
Ich bin kalt. Kalt, blass, leblos. Die Depression hat mich im Würgegriff. Alles ist dunkel, die Farben verblasst. Wer das nicht erlebt, kann es sich nicht vorstellen, wie trostlos das Leben ohne diese Farben ist. Und lasst euch eins gesagt sein, es ist sehr trostlos.

Der heutige Tag hat mich wiedermal ein bisschen mehr abgetötet, innerlich. Und ich frage mich langsam warum das Leben nicht endlich mal Nägel mit Köpfen macht, anstatt mich langsam und quälend vor mich hin sterben zu lassen… Es sind diese Gedanken an denen ich merke, dass es wieder bergab geht. Der Tag heute hat sich auch wirklich bemüht, mich in die Knie zu zwingen. Und er hat es geschafft.

Herzlichen Glückwunsch.

Ich bin morgens mit wahnsinnigen Schmerzen im unteren Bauch aufgewacht. Nach einer Schmerztablette ging es wieder, Ursache unbekannt. Das hat mich allerdings ein paar Minuten gekostet, die ich winselnd im Bett verbracht hatte. Und es war noch einiges zu tun, bis meine Mutter kam. Die Wohnung musste zumindest etwas aufgeräumt sein und ich musste sämtliche Spuren der Depression verwischen, ich durfte kein Detail vergessen. Ich habe die Unterlagen, die Tabletten und die weiteren Schachteln mit Elontril versteckt und verborgen so gut es ging.

Danach habe ich gestaubsaugt, etwas Ordnung in mein geliebtes Chaos gebracht und den Tisch abgeräumt, damit wir zusammen frühstücken konnten. Als ich schließlich kurz vor 11 ins Bad gehetzt bin, gefiel mir nicht, was ich im Spiegel sah. Ich legte Make-Up auf und machte meine Haare, ich musste gut aussehen, wenn meine Mutter kommt. Alleine um sie daran zu erinnern, dass mir mein Leben Spaß macht und sie keine Möglichkeit hat es mir zu verderben. So malte ich sorgfältig die Maske, die ich schon so lange trage.

Als ich sie nach zwei entgangenen Anrufen zurückrief, weil mein Handy lautlos war, wurde ich sofort angeschnauzt, warum ich nicht schon nach unten gekommen bin. Ich schnappte mir mit einer Hand meinen Mantel und gab bissig zurück, ob es ein Problem für sie dargestellt hätte einfach zu klingeln. Sie antwortete nicht und ich legte auf.
Danach gingen wir einkaufen und sie bezahlte. Ich habe mich sehr drüber gefreut, weil das Geld vor allem im Dezember recht knapp ist. Sie hatte mir auch zwei Bretter für die Küche mitgebracht, aus denen ich ein Regal machen konnte.
Kurz bevor sie ging, meinte sie nur, dass die Bretter und der Einkauf mir vom Weihnachtsgeld abgezogen werden.
Ich war wütend. Aber kontrolliert genug, es mir nicht anmerken zu lassen. Die Tatsache dass meine Mutter mir zu wenig Unterhalt zahlt – obwohl sie genug verdient – und mich bei jeder Gelegenheit daran erinnert, was für ein Versager ich bin weil ich noch keinen Job habe, machen diese Aussage zu einem schlechten Scherz. Sie zieht mir einen Einkauf, den ich als nette Geste empfunden hatte, von meinem Weihnachtsgeschenk ab. Diese Frau ist mindestens genauso krank wie ich. Aber eins unterscheidet sie von mir… mir kann man noch helfen.

Nach dem sehr anstrengenden Vormittag, ich empfinde die Gegenwart meiner Mutter wirklich als sehr anstrengend, habe ich mich auf der Couch eingemümmelt und später noch ein paar Plätzchen in Rentier-Form gebacken. Verziert habe ich sie mit blauen Nonpareilles als Augen, roten Zuckerplättchen als Nasen und einer braunen Zuckerglasur als Streifen auf dem Körper – stilisiertes Fell, versteht sich.
Das hat Spaß gemacht, ein bisschen zumindest. Und dass ich gefühlt die Hälfte gleich aufgegessen habe, war auch irgendwie nett ^^

Es ging mir besser. Aber nicht mehr lange, nur das wusste ich da natürlich noch nicht. Abends machte ich mich auf den Weg zu einer Freundin, derjenigen welche mir damals Mut gemacht hat wegen meiner Depression zum Arzt zu gehen, weil wir gemeinsam Plätzchen essen und quatschen wollten. Ich ging also zum Bus – früh genug um das schon mal klarzustellen – und sah wie ein Bus direkt an mir vorbeifuhr, vier Minuten zu früh an der Haltestelle hielt und wieder abdampfte. Und ich stand da auf der anderen Straßenseite und schaute ungläubig auf das Display meines Handys. 18:28 Uhr. Der Bus war Linie 6. Meine Linie war die 7 und fährt um 18:32 Uhr.
Ich war froh, dass ich meinen Bus nicht verpasst hatte. Also über die Straße gelaufen, hingesetzt und gewartet. Und gewartet. 18:35 Uhr. Immer noch kein Bus in Sicht. Langsam wurde ich wütend. Ich habe mir gesagt, dass ich bis 40 warten würde und dann zu einer anderen Linie gehen würde, die etwas später fährt. Als der Bus um 45 immer noch nicht da war, war ich wirklich wütend. Ich war halb erfroren und stapfte zur nächsten Haltestelle, froh über die Leggings unter meiner Jeans. Die zusätzliche Schicht Kleidung bewahrte mich vor dem Durchdrehen.
Ich war nämlich kurz davor, als ich gemerkt hatte, dass der Bus erst in einer halben Stunde kommen würde.
Also Handschuhe an, Smartphone raus und durch. Dummerweise war auf einer Bank an einer Straße zu sitzen, bei Temperaturen nur knapp über null, mit klammen Fingern und furchtbar genervt und wütend, nicht wirklich förderlich für meine Laune. Im Gegenteil. Ich wurde traurig… Niedergeschlagen.
Daran konnte auch die (mehr oder weniger erwachsenen) Kerle, die auf der Abbiegespur vor mir an der roten Ampel demonstrativ den Motor aufheulen ließen und losgröhlten als ich aufsah, nichts ändern. Lediglich zwei Männer Mitte Fünfzig brachten mich zum Lachen, als sie das Fenster runterließen und mir ein „Schönen Abend noch!“ zuriefen. Ich winkte huldvoll und sie fuhren lachend und mit gemäßigtem Tempo vorbei – eindeutiger Beweis, dass die beiden Individuen der Spezies Mann bereits erwachsen waren.

Als der Bus dann endlich kam, ging mein mieser Abend sofort weiter. Neben mir saßen pubertierende Teenies, die sich gegenseitig die Zunge in den Hals steckten und meine Nerven verkrochen sich fluchend in einer Ecke meines Gehirns. Wie sagt man so schön, vom Regen in die Traufe.
Wenigstens war es warm.
Als ich im Einkaufszentrum ankam, wo meine Freundin auf mich warten sollte, war sie nicht da. Ich stand fünf Minuten vor dem Geschäft rum. Ich schrieb ihr eine Nachricht. Der Kerl, der mir gegenüber stand, warf mir einen mitleidigenden Blick mit. Eventuell wollte er auch flirten, er hat mir danach nochmal zugelächelt… keine Ahnung, was weiß ich. War auch nicht mein Typ ;)
Sie war also nicht da. Und ich wollte seit einer halben Stunde eigentlich nur weinen. Und nun versetzte sie mich auch noch. Ich wurde von Minute zu Minute trauriger. Schließlich beschloss ich, nicht mehr wie ein Idiot da rumzustehen. Also ging ich los, keine Ahnung wohin und keine Ahnung warum. Aber ich fand mich an der Rolltreppe, neben dem Kerl der mich angelächelt hatte. Ich nahm das als ein kleines Zeichen und beschloss ihm einfach zu folgen, bis ich wusste, wohin ich eigentlich will. Er führte mich zu Douglas. Und welch ein Zufall, drin stand die Freundin. Und zwar mit dem Rücken zu mir. Ich wurde noch trauriger. Sie hatte schlicht und einfach den Beautyprodukten oder was weiß ich eine größere Priorität eingeräumt als mir.
Ich stellte mich neben sie. Und ich sah ihr in die Augen. Traurig. Verletzt. Enttäuscht. Sie verstand es nicht. Sie konnte nicht verstehen, wie dünnhäutig ich geworden war. Dass es mich verletzte, wenn man mich alleine irgendwo stehen lässt. Dass ich traurig darüber war. Wirklich traurig. Ich hab eine dreiviertel Stunde draußen in der Kälte gewartet, nur um zu ihr zu kommen. Und sie lässt mich da stehen. Sie hat es nicht verstanden. Hat mir gesagt, dass sie sich nicht so von mir anschnautzen lassen muss. Und wir haben uns dann getrennt. Ich habe lediglich resigniert die Schultern gezuckt. Wie hätte sie es verstehen können.

Ich lief los. Wieder hatte ich keine Ahnung wohin. Ich lief einfach gegen den Strom. Ich lief immer weiter, zur Quelle der Menschenmassen – dem Weihnachtsmarkt. Er würde bald schließen und das war auch der Grund, weshalb die Menschen mir entgegen kamen. Aber das war mir ganz recht. Ich sah in alle ihre Gesichter. Unfähig etwas anderes als diese dumpfe Leere zu empfinden. Ich lief weiter und weiter. Mit traurigen Augen. Ich lief nur weiter, weil ich zu weinen angefangen hätte, wenn ich stehen geblieben wäre.
Am Weihnachtsmarkt angekommen fing ich an, auf ein Wunder zu hoffen. Auf das Wunder, dass jemand meine traurigen Augen sehen würde, innehalten würde und mich ansprechen würde. Dass ich jemandem auffallen würde. Ich unbedeutendes Wesen. Dass jemand mich wahrnehmen würde. Grade mich, dieses traurig dreinblickende Wesen. Natürlich ist das nicht passiert.

Ich bin zurück gelaufen. Immer noch traurig. Für einen kurzen Moment wurde ich ein paar Zentimeter über die Wolkendecke gehoben, als mich ein vorbeigehender Junge anlächelte. Ich drehte mich um, aber er ging einfach weiter. Und ich fiel zurück unter die Wolken. Ins dunkle Grau.

Frustriert ging ich in den REWE und kaufte Gemüsestäbchen von Iglo und Ginger Ale. Ein Abend mit Fast-Food war das ultimative Mittel um mich wieder halbwegs auf den Damm zu bringen. Dazu Navy CIS und tadaaa – es geht mir besser. Zumindest ein bisschen. Hab trotzdem grade ein bisschen geweint. Aber naja, der ganz normale Wahnsinn eben.

Beenden will ich diesen (für meine Verhältnisse recht langen) Eintrag wiedermal mit einem Casper-Songtext-Zitat.

Nicht das ertragen müssen, Wut in sich spür’n.
Gott verfluchen, Glauben an das Gute verlier’n.
Suchen, wofür? Wieso noch leben? Wozu die Welt?
Sich selbst aufgeben… […]

Stammt aus dem Lied „Druck“ und irgendwie kam der Ausschnitt mir heute in den Sinn. Ich gebe mich manchmal auch selbst auf… Und den Glauben an das Gute habe ich schon vor langer Zeit verloren…
Wieso erkenne ich mich nur ständig in seinen Liedern wieder?…

Liebe Grüße und gute Nacht!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

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Kein Glühwein für mich…

Guten Abend allerseits!

Die letzten zwei Tage waren zwar gemischt, aber überwiegend gut.
Meine beste Freundin hat mich besucht und mit ihr zu reden hat wirklich gut getan. Außerdem hab ich, bevor sie kam, endlich ein bisschen meinen Arsch hochbekommen und die Wohnung aufgeräumt. War auch mal nötig.

Als sie dann da war, sind wir auf den Weihnachtsmarkt gegangen. Ihre Mum hat uns Glühwein spendiert, eine warme Tasse Heidelbeerglühwein war angenehm wärmend. Während wir also da standen und uns unterhalten haben, habe ich irgendwie langsam ein Schwindelgefühl gespürt. Ich fühlte mich merkwürdig betrunken. Ich konnte nicht mehr so richtig sprechen, ich hatte ernsthafte Probleme mich zu artikulieren. Ich wankte auch etwas, was mir normalerweise nie passiert – und schon gar nicht von einer Tasse Glühwein!

Als ich drüber nachdachte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Klar. Die Antidepressiva. Ich nehme sie seit fünf Tagen.
Ich erklärte meiner Freundin, dass sie mich sicher nach Hause bringen soll. Hat sie natürlich auch gemacht – und ich war froh drüber. Zuhause angekommen, habe ich als erstes die Packungsbeilage der Tabletten rausgeholt. Ich zitiere:

Einnahme von Elontril zusammen mit Alkohol

Alkohol kann die Wirkungsweise von Elontril beeinflussen und bei gleichzeitiger Einnahme in seltenen Fällen Ihre Nerven oder Ihren geistigen Zustand beeinflussen. Einige Personen haben den Eindruck, dass sie stärker auf Alkohol reagieren, wenn sie Elontril einnehmen. Ihr Arzt wird Ihnen möglicherweise empfehlen, während der Einnahme von Elontril keinen Alkohol (Bier, Wein oder Spirituosen) zu sich zu nehmen oder zu versuchen, möglichst wenig zu trinken. […]

Tja, dummerweise habe ich das vergessen. Ich habe einfach nicht dran gedacht. Und da stand ich nun, betrunken :D
Meine beste Freundin fand das mega lustig. Ich habe beschlossen, bis ich die Antidepressiva wieder absetzen kann, nichts mehr zu trinken, ich bin lieber abstinent als stockbesoffen von einem Glas Wein! :D

So kam es auch heute Abend dazu, dass ich zu einem Vorglühen bei Freunden eine Flasche Cola mitgenommen habe. Das erntete zwar ein paar skeptische Blicke, aber ich habe es auf meine „Erkältungsmedikamente“ geschoben. Ich wollte nicht in geselliger Runde so ein Wort wie ‚Depression‘ fallen lassen. Schließlich weiß ja keiner von meiner Krankheit – und so soll es auch bleiben. Viele meiner Freunden kennen mich schon länger als ich depressiv bin und die sollen das Bild von mir behalten, das sie haben.

Die Wirkung der Tabletten hat leider noch immer nicht eingesetzt und es geht mir zeitweise immer noch schlecht. Aber ich hoffe. Ich hoffe weiter, schließlich haben die Tabletten ja noch neun Tage Zeit.
Und ich bin durchaus bereit, all diese Einschränkungen (die Packungsbeilage ist einen halben Meter lang und beidseitig bedruckt) in Kauf zu nehmen, solange die Tabletten wirken und mich mir selbst zurückgeben.

Ich hab gestern mal wieder Casper gehört. Wiedermal haben mich einige Zeilen aus ‚Alaska‘ besonders berührt, weil sie meinen momentanen Zustand so gut beschreiben…

Und jetzt genau da wo du fliehst, vor’m eigenen kleinen Alaska, so weit, so weiß und leer…
Die Welt voll mit steinernen Blicken und eisigen Winden, die das Atmen im Keim schon ersticken.
Inmitten von Werden und Warten, und Entfernungen raten – bleibt die Lüge vom ‚Frei sein‘, ein Sterben auf Raten.
Der Tanz von Echolot und Puls, wenn er bebt, malt ein Herz in den Spuren im Schnee.

Ich glaube, dass Casper die Depression kennt. So wie er seine Lieder schreibt (wenn er sie denn selbst schreibt, weiß man bei Musikern ja nie genau…) kann man doch nur schreiben, wenn man weiß wovon man spricht.

Er spricht mir jedenfalls aus der Seele. Und genau deshalb höre ich seine Musik so gerne. Er spricht aus, was ich selbst nicht in Worte fassen kann.

Ach, ich würde so gerne noch mehr schreiben, aber für heute reicht’s. Ich melde mich aber bald wieder :)
Schönen Abend noch!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Glühwein und alte Freunde

Guten Abend!

Weihnachtsmarkt die zweite. Aber heute mit Glühwein!
Ging leichter. Wirklich, ein warmer Heidelbeerglühwein und zwanzig Maroni später ließ sich die vorweihnachtliche Stimmung viel besser ertragen. Ich war ja auch irgendwie Teil des ganzen Arrangements.

Aber es war schön. Ich habe eine alte Freundin wieder getroffen und wir haben viel geredet, obwohl ich mich nicht getraut habe, ihr von meinen Problemen zu erzählen. Das fällt mir immer noch sehr schwer, leider. Aber ich möchte nicht, dass Menschen, denen ich erfolgreich vorgetäuscht hatte glücklich zu sein, erfahren, dass es nicht so war.

Ich bin dummerweise grade dabei krank zu werden. Trotz Erkältungsbad und Erkältungstee und Erkältungsmedikamenten…
Ich hoffe, dass ich morgen nicht total fertig bin… schließlich ist morgen der große Tag.

Aber jetzt muss ich schlafen. Morgen muss ich mich aus dem Bett quälen, koste es was es wolle.

Gute Nacht!
Ein müdes Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Diese vorweihnachtliche Stimmung…

Guten Abend!

Bei uns in der Stadt hat der Weihnachtsmarkt begonnen. Und die ganze Stadt ist geschmückt mit Lichterketten und leuchtenden Engeln und Sternen und Tannenbäumen, die auf jedem öffentlichen Platz dunkelgrün und glitzernd in den Himmel ragen.
Es duftet nach gebrannten Mandeln, nach Zimt, Kardamom und Nelken. Nach Punsch, Glühwein und Bratäpfeln. An den Ständen werden allerlei weihnachtliche Waren feil geboten. Dutzende, duftende, gelb glänzende Kerzen aus Bienenwachs. Im Kerzenschein funkelnde, kleine und große Christbaumkugeln aus buntem Glas. Kleine handgeschnitzte Holzfigürchen, bunt bemalt, auf den Gesichtern ein seeliger Ausdruck. Betörenden Geruch verströmende Seifen, in allen Farben, kunstvoll arrangiert. Frisch aus dem Holzofen werden Flammkuchen mit Schmand, Speck und Schnittlauch serviert. Ein Grüppchen junger Leute wärmt sich, mit ihren Glühweintassen in den behandschuhten Händen, an einem Lagerfeuer.
Wunderbare Erinnerungen an Kindertage werden wach. Jetzt fehlt nur noch der glitzernde Schnee, der vom Himmel herab alles mit einer Decke aus Diamanten überzieht.

Wunderbare Weihnachtsstimmung. Und mitten drin – ich.
Traurig. Niedergeschlagen. Einsam.
Die Depression hat mich im Griff.

Ich ertrage diese Weihnachtsstimmung nicht. Es ist zuviel für mich. Die glücklichen Pärchen – und ich, einsam. Die lachenden und fröhlichen Familien – und die meine, zerrüttet und zerrissen. Die bunte und leuchtende Welt – und meine, kalt und leblos und grau.

In diesem Momenten, ich denen ich so gerne einfach unbeschwert glücklich wäre, bin ich stattdessen traurig. Und wütend, wütend auf mich selbst. Weil ich es nicht mal schaffe meine Traurigkeit in der Vorweihnachtszeit einigermaßen im Griff zu haben. Wisst ihr, auch ich würde gerne einfach unbeschwert über den Markt oder durch die Einkaufspassage schlendern, ohne die Stimme in meinem Kopf, die mir ständig vorhält, dass ich nicht mal halb so glücklich bin wie die anderen Leute da. Und dass ich es auch niemals sein werde.
Und dann würde ich am liebsten weinen. Laut schreien, dass es aufhören soll. Einfach weinen und in mir zusammensinken. Weil ich alleine bin, weil ich einsam bin. Traurig bin, traurig darüber dass es niemanden gibt, der meine Hand in seine nimmt, weil sie kalt ist. Niemanden, der mich an sich drückt und sich mit mir ans Feuer stellt.
Und wieder fühle ich in mir diese quälende Leere.

Was ist Weihnachten, das Fest der Liebe, ohne Liebe. Warum nur streut die Depression Salz in die offenen Wunden? Und wieso ich? Wieso jetzt?

Ich hoffe so sehr auf die Therapie. Durch die Konzentration auf den ersten Termin stehe ich die schwierigen Tage leichter durch.
Und durch ein paar Tassen Tee. Und durch eine Badewanne voller schaumig-warmem Wasser.

Ich fiebere auf den Tag hin, an dem meine Augen das traurige Schimmern verlieren. Ab dem ich wieder lerne glücklich zu sein… Klingt etwas theatralisch? Mag sein, aber manchmal ist das Leben schließlich großes Kino ;)

Gute Nacht und eine schöne Vorweihnachtszeit an euch alle!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl