Durststrecke…

Guten Morgen allerseits!

Momentan mache ich eine ganz schöne Durststrecke durch…

Nunja, wie schildere ich euch das am Besten.
Angefangen hat alles damit, dass ich weg von Zuhause wollte, ich will einfach ausbrechen und davonlaufen. Momentan erdrückt mich alles… Ich fühle mich gefangen in meinem Leben und eingesperrt in der Beziehung. Und deshalb wollte ich weg.
Meiner besten Freundin habe ich davon erzählt und ihr kam die Idee dass ich ja einfach abhauen könnte, ohne jemandem etwas davon zu sagen. Das kann und will ich meinem Freund aber nicht antun, er würde verrückt vor Sorge werden…  Zumindest Bescheid sagen müsste ich ihm, ich muss ihn ja nicht um Erlaubnis fragen.
Schließlich haben wir den Plan geschmiedet gemeinsam abzuhauen, nur für ein paar Tage. Und um festzustellen wo die Reise hingehen soll, haben wir uns beide ein paar Ziele ausgesucht und durch die Punkte eine mögliche Reiseroute geplant. Schließlich haben wir uns lediglich auf zwei festgelegt, die wichtigsten. In jeder Stadt wohnt jeweils ein Bekannter von uns zwei. Mein Bekannter ist ein alter – nennen wir ihn – Freund, den ich schon eine ganze Weile gerne wieder sehen würde. Uns verbindet ein Urlaub in Italien, bei dem ich ihn gewissermaßen relativ nahe kennengelernt habe. Er war noch sehr jung, seitdem bin ich irgendwie sein Mentor gewesen. Nur haben wir uns seitdem eben nicht mehr gesehen, weil ich beschäftigt war und er noch nicht volljährig :P
Und wir wollten außerdem zu ihrem Bekannten fahren weil sie mit ihm im Streit auseinander gegangen ist, obwohl sie ihn sehr gern hat. 

Ich fand den Plan gut, etwas riskant und sicher ethisch und moralisch verwerflich, aber was kümmern mich Moralvorstellungen wenn mir etwas Verbotenes wenigstens einen kleinen Funken Energie entlocken kann. Und das erste Mal seit langem spürte ich wieder einen kleinen Strahl Freude durch das Dickicht blitzen, das in meinem Inneren wuchert und mich langsam erstickt.
Ich weiß nicht ob ich es wirklich getan hätte, aber alleine es zu planen hat mir zwei Tage lang ein bisschen Nervenkitzel bereitet. Nach zwei Tagen war damit allerdings Schluss als meine Freundin sich spontan entschlossen hat alles zu canceln, weil es eine andere Lösung geben muss – haha, nur für’s Protokoll, sie war diejenige die mir vorgeschlagen hat ohne ein Wort einfach zu verschwinden… 

Danach war ich wirklich enttäuscht und traurig… Und wieder sehr deprimiert. Ich dachte wir beide hätten uns gemeinsam verschworen etwas Verbotenes zutun, weil wir miteinander Pferde stehlen können. Und dann springt sie nicht nur ab, sondern sagt mir auch noch dass ich diesen Plan auf gar keinen Fall umsetzen kann und blabla… Es ist zum kotzen. 
Wie gesagt, es war ihre Idee. Und deswegen habe ich es auch echt nicht kapiert… Ich denke dass es nicht nur an plötzlich auftretenden moralischen Bedenken ihrerseits lag – sondern daran dass sie die Konfrontation mit ihrer ehemaligen Liebschaft nicht wollte. Davon gehe ich zumindest aus… Also wenn du das liest, meine Liebe, dann warte ich immer noch auf eine Erklärung. 

Seitdem geht es rapide bergab. Ich habe die Lust verloren überhaupt irgendwas zutun… Ich wollte diesen Ausflug so sehr, ich und mein Bekannter haben auch schon geplant. Und dann das – wusch – weg war die Motivation. Und nach ihrer Nachricht haben wir uns gewissermaßen auch gestritten, auch das machte mich traurig… Dann habe ich nachts geweint, weil mich alleine der Gedanke meinen Freund irgendwann zu verlassen ziemlich traurig gemacht hat. Und dann habe ich wieder angefangen nicht mehr richtig zu schlafen… Et cetera… 

Nunja, auf jeden Fall sinke ich langsam wieder tiefer in den Sumpf. Und bisher ist ein Ende des Abwärtstrends nicht abzusehen. Wünscht mir Glück.

Alles Liebe, euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl 

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WIESO?

Ich verstehe es nicht. Ich verstehe es einfach nicht. Wieso schon wieder? Wieso er? Was habe ich diesmal falsch gemacht?

Einer meiner beiden Hamster ist gestern gestorben. Die beiden, Merry und Pippin, waren meine kleine Therapie als die Depression stärker wurde, weil sie mir eine Aufgabe gegeben haben. Jetzt ist Merry alleine. Die beiden waren Brüder, die ich als ‚Notfall‘ aufgenommen hatte.
Meine beiden Kleinen sind auch handzahm gewesen, obwohl ich nie mit ihnen gespielt habe oder so. Ich finde Hamster sind keine Kuscheltiere. Ich habe sie immer als das behandelt was sie sind – fühlende Wesen. Dass es ihnen stets gut ging muss ich ja nicht dazusagen.
Und jetzt ist Pippin tot. Einfach so. Gestorben im Schlaf. Zusammengerollt. In seinem Häuschen verborgen.
Ich habe ihn erst gestern Abend beim Ausmisten gefunden. Mir ist aufgefallen, dass ich ihn den ganzen Tag noch nicht gesehen hatte. Als mich ein mulmiges Gefühl beschlich, weil er auch bei dem Lärm den ich veranstaltete nicht rauskam, hab ich nachgesehen.
Und da lag er. Schon ganz kalt und starr. Also schon ein paar Stunden tot. Ich habe ihn aus seinem Häuschen geholt und in ein Schächtelchen auf Watte gebettet. (Und dann habe ich ihn in den Tiefkühler verfrachtet, weil ich ihn bei mir zuhause im Garten begraben möchte, wenn ich in drei Tagen heimfahre. Ist für mich nicht so makaber, wie es klingt. Leichen bewahrt man ja auch in der Kühlung auf, bis man sie beerdigt.)

Ich habe natürlich fürchterlich geweint. Mein ansonsten leeres und kaltes Herz ist gefüllt mit Trauer. Wieso? Wieso hat man mir meinen kleinen Liebling genommen? Und vor allem: Wieso schon wieder?

Fast auf den Tag genau vor einem halben Jahr, am 14. und 16. Juli, sind meine beiden geliebten Zwergkaninchen eingeschläfert worden. Die beiden waren wie meine Kinder und als ich die beiden jeweils zum Tierarzt gefahren habe und ihnen über den Kopf gestreichelt habe, bis sie eingeschlafen waren, war ich kurz davor den Verstand zu verlieren. Es tat so unfassbar weh, seine beiden Babys sterben zu sehen, während man nichts tun kann. Sich Vorwürfe zu machen, weil man ihnen nicht helfen konnte. Sie sind wegen einem furchtbaren Leiden eingeschläfert worden. Aufgrund der schwülen Sommerhitze haben Fliegen ihr Eier an ihnen abgelegt und die Maden haben sie bei lebendigem Leibe von innen aufgefressen. Es blieb mir nichts anderes übrig, als zuerst das eine, meine widerspenstige Bailey, und dann das andere, meinen kleinen Amaretto, erlösen zu lassen. Man konnte leider gar nichts mehr für sie tun und das war das schlimmste. Ich hatte versagt. Ich habe es einfach nicht früh genug bemerkt. Es war zwar nicht meine Schuld, weil der Befall wahnsinnig schnell geht, aber trotzdem kann ich es mir nicht verzeihen.

Aber vor allem kann ich es „Gott“, oder wem auch immer, nicht verzeihen. Wenn es einem ohnehin schon so schlecht geht, weil einem die Liebe seines Lebens nicht vergönnt war, dann nimmt man dieser Person doch nicht auch noch die einzigen beiden Wesen, die sie mehr liebt als alles andere auf der Welt! Man hat mir wirklich alles genommen und zu dem Zeitpunkt war ich verzweifelt. Und resigniert. Ich saß weinend und schreiend nachts auf einer Bank auf meinem Lieblingsberg. Ich verfluchte alles und jeden, der mein Schicksal in der Hand hat. Und ich tue es heute noch.
Wenn man mich unbedingt dazu bringen will aufzugeben – mein Leben wegzuwerfen, weil es keine Bedeutung mehr hat – dann ist mir die Dinge wegzunehmen die ich am meisten liebe ein verdammt effektiver Weg.

Ich fühle mich einfach wieder genau wie damals. Ich habe es damals kaum verkraftet. Ich habe mich in meiner Wohnung isoliert und bin wochenlang nicht nach Hause gefahren, weil ich dort den leeren Stall sehen hätte müssen. Auf dem Heimweg vom Tierarzt, im Auto mit meinem toten Kaninchen neben mir, war ich wirklich verdammt nah dran, einfach meine tränenverschleierten Augen zu schließen und dem Ganzen hier und jetzt ein Ende zu setzen. Ich tat es nicht, weil meine Familie es nicht ertragen hätte – und in diesem Moment fühlte ich ja selbst wie es ist, ein geliebtes Familienmitglied zu verlieren.
Und nun sitze ich hier. Unendlich traurig. Wieder voller Zorn. Und mit nur einer Frage, der, die immer bleibt… Wieso?

Ich habe das Häuschen genauer untersucht und dabei etwas gefunden, was den Tod des Kleinen vielleicht verschuldet hat – Milben.
Daraufhin habe ich den größeren Bruder in eine Transportkiste gesetzt, ihm eine Notausrüstung zusammengestellt, zwei Näpfe mit kochend heißem Wasser gewaschen und ihn ins Schlafzimmer getragen, weit weg von dem Käfig. Dann habe ich improvisiert und ihm mit einem Wattestäbchen Teebaumöl auf den Nacken getupft. Da Zeug hilft ja auch gegen Mücken und Zecken, vielleicht hilft es auch erstmal die Milben von ihm zu vertreiben und fern zu halten. Die Leben nämlich nur in seiner Umgebung und nicht direkt auf ihm. Jetzt steht er also in meinem Schlafzimmer und randaliert, weil ihm die Box natürlich viel zu klein ist. Aber es hilft nicht. Ich muss heute Nachmittag erst den Käfig grundreinigen/desinfizieren und alle Sachen abkochen/im Ofen erhitzen/einfrieren bevor er da wieder rein darf.

Dieses Mal wird es nicht wie bei den Kaninchen sein. Ich werde ihn retten. Ich werde nicht nur zusehen wie er stirbt. Ich gebe ihn nicht auf. Wenn sein kleiner Bruder (er war tatsächlich etwas kleinwüchsig) schon gestorben ist, sei es an den Milben oder aus einem anderen Grund, dann werde ich ihn nicht auch noch verlieren.
Kaninchen oder Hamster werde ich nicht mehr aufnehmen. Am besten gar keine Tiere mehr. Ich schaffe das einfach emotional nicht…

Ich war ja grade Essen… und den ganzen Abend war ich nur ein Schatten meiner selbst. Ich hatte mich nicht getraut ein Antidepressivum zu nehmen, das mich beruhigt, weil ich Angst hatte davon sehr müde zu werden… ich saß also am Tisch, mit gesenktem Blick und umgeben von einer Wolke Traurigkeit. Schien gar keinem aufgefallen zu sein. Es hat mich zumindest niemand gefragt was los ist… Wieso auch… ist ja normal, dass ich so bin. Kam in letzter Zeit ja häufiger vor.

Ja… jetzt liege ich hier und höre dem kleinen Merry zu, wie er im Einstreu scharrt. Und vergieße eine weitere Träne bei dem Gedanken, dass ich Pippin nie wieder scharren sehen werde…

Natürlich werde ich darüber hinwegkommen… Ich habe auch gelernt meine Kaninchen nicht zu vermissen… Aber wie heißt es so schön…
What doesn’t kill you, leaves you broken.

Wenn jemand eine Antwort auf mein „Wieso?“ hat, bitte fühlt euch frei sie mir mitzuteilen.
Gute Nacht noch, euer Fräulein (das euch den Tipp gibt, den Beitrag mal einzeln aufzurufen)