Durststrecke…

Guten Morgen allerseits!

Momentan mache ich eine ganz schöne Durststrecke durch…

Nunja, wie schildere ich euch das am Besten.
Angefangen hat alles damit, dass ich weg von Zuhause wollte, ich will einfach ausbrechen und davonlaufen. Momentan erdrückt mich alles… Ich fühle mich gefangen in meinem Leben und eingesperrt in der Beziehung. Und deshalb wollte ich weg.
Meiner besten Freundin habe ich davon erzählt und ihr kam die Idee dass ich ja einfach abhauen könnte, ohne jemandem etwas davon zu sagen. Das kann und will ich meinem Freund aber nicht antun, er würde verrückt vor Sorge werden…  Zumindest Bescheid sagen müsste ich ihm, ich muss ihn ja nicht um Erlaubnis fragen.
Schließlich haben wir den Plan geschmiedet gemeinsam abzuhauen, nur für ein paar Tage. Und um festzustellen wo die Reise hingehen soll, haben wir uns beide ein paar Ziele ausgesucht und durch die Punkte eine mögliche Reiseroute geplant. Schließlich haben wir uns lediglich auf zwei festgelegt, die wichtigsten. In jeder Stadt wohnt jeweils ein Bekannter von uns zwei. Mein Bekannter ist ein alter – nennen wir ihn – Freund, den ich schon eine ganze Weile gerne wieder sehen würde. Uns verbindet ein Urlaub in Italien, bei dem ich ihn gewissermaßen relativ nahe kennengelernt habe. Er war noch sehr jung, seitdem bin ich irgendwie sein Mentor gewesen. Nur haben wir uns seitdem eben nicht mehr gesehen, weil ich beschäftigt war und er noch nicht volljährig :P
Und wir wollten außerdem zu ihrem Bekannten fahren weil sie mit ihm im Streit auseinander gegangen ist, obwohl sie ihn sehr gern hat. 

Ich fand den Plan gut, etwas riskant und sicher ethisch und moralisch verwerflich, aber was kümmern mich Moralvorstellungen wenn mir etwas Verbotenes wenigstens einen kleinen Funken Energie entlocken kann. Und das erste Mal seit langem spürte ich wieder einen kleinen Strahl Freude durch das Dickicht blitzen, das in meinem Inneren wuchert und mich langsam erstickt.
Ich weiß nicht ob ich es wirklich getan hätte, aber alleine es zu planen hat mir zwei Tage lang ein bisschen Nervenkitzel bereitet. Nach zwei Tagen war damit allerdings Schluss als meine Freundin sich spontan entschlossen hat alles zu canceln, weil es eine andere Lösung geben muss – haha, nur für’s Protokoll, sie war diejenige die mir vorgeschlagen hat ohne ein Wort einfach zu verschwinden… 

Danach war ich wirklich enttäuscht und traurig… Und wieder sehr deprimiert. Ich dachte wir beide hätten uns gemeinsam verschworen etwas Verbotenes zutun, weil wir miteinander Pferde stehlen können. Und dann springt sie nicht nur ab, sondern sagt mir auch noch dass ich diesen Plan auf gar keinen Fall umsetzen kann und blabla… Es ist zum kotzen. 
Wie gesagt, es war ihre Idee. Und deswegen habe ich es auch echt nicht kapiert… Ich denke dass es nicht nur an plötzlich auftretenden moralischen Bedenken ihrerseits lag – sondern daran dass sie die Konfrontation mit ihrer ehemaligen Liebschaft nicht wollte. Davon gehe ich zumindest aus… Also wenn du das liest, meine Liebe, dann warte ich immer noch auf eine Erklärung. 

Seitdem geht es rapide bergab. Ich habe die Lust verloren überhaupt irgendwas zutun… Ich wollte diesen Ausflug so sehr, ich und mein Bekannter haben auch schon geplant. Und dann das – wusch – weg war die Motivation. Und nach ihrer Nachricht haben wir uns gewissermaßen auch gestritten, auch das machte mich traurig… Dann habe ich nachts geweint, weil mich alleine der Gedanke meinen Freund irgendwann zu verlassen ziemlich traurig gemacht hat. Und dann habe ich wieder angefangen nicht mehr richtig zu schlafen… Et cetera… 

Nunja, auf jeden Fall sinke ich langsam wieder tiefer in den Sumpf. Und bisher ist ein Ende des Abwärtstrends nicht abzusehen. Wünscht mir Glück.

Alles Liebe, euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl 

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Unverhofft kommt oft 2.0

Guten Abend meine Lieben!

Ich melde mich aus dem Badezimmer meiner besten Freundin, die mir gerade Coloration in die Haare streicht. Ihre sind schon unter dem Handtuch – sie werden blond! Insofern eine mega Neuigkeit, weil sie sie noch nie gefärbt hat :D
Ihrem Bruder hab ich auch noch die Haare gefärbt, weil Farbe übrig war… So ein verrückter Kerl.
Diesmal habe ich mich für Tiramisu entschieden :) (kleiner Spoiler – die Haare wurden schwarz. Bin mir nicht ganz sicher, was da falsch gelaufen ist… Aber sieht auch gut aus)

Nun aber zurück zu den letzten zwei Tagen. Der Bericht wird ja schon mit Spannung erwartet ;)
Der Nachbar und ich hatten am Donnerstag Abend einen ziemlichen Streit. Wenn man es Streit nennen kann. Wir haben uns wieder auf dem Volksfest gesehen, diesmal hatten wir allerdings beide Freunde dabei. Also kam eine Wiederholung der Pyjama-Party nicht in Frage.
Das wollte er allerdings nicht so ganz ausschließen, schließlich hätte ich ja eine Couch für seinen Freund. Haha. Nein.

Ich habe mich gegen halb zwölf mit meinem besten Freund Richtung zuhause aufgemacht. Er wohnt in meinem Viertel, also war ein gemeinsamer Heimweg ganz normal. Nicht so für mein Kerlchen. Der fand das gar nicht lustig und hat mir als ich auf dem Weg war eine ziemlich unverschämte Nachricht geschickt.
Ich habe nicht geantwortet. Einen Tag lang. Ich werde hier nicht ins Detail gehen. Aber so redet niemand mit mir. Niemand.

Ich war ziemlich sauer. Und ehrlich gesagt bin ich es bei dem Gedanken daran noch.
Er hat sich am nächsten Tag – als er gemerkt hat wie sehr er es verbockt hat – bei mir entschuldigt.
Das hat mich allerdings kaum besänftigen können. Es war einfach absolut nicht in Ordnung.
Wir haben dann den Nachmittag über immer hin und her geschrieben. Und als ich abends mit meiner Freundin auf einer Maiwiesen war und mir fad war, haben wir den ganzen Abend über geschrieben – das hat mich dann besänftigen können. Scheinbar hat er gemerkt, wie sehr mich das verletzt hat und dass er wirklich auf der Kippe stand. Auf jeden Fall hat er sich Mühe gegeben. Das konnte den Fehltritt zumindest ausbügeln, aber nicht ausradieren. Ich bin minimal nachtragend.

Seit dem gestrigen Nachmittag schreiben wir uns relativ hochfrequent. Das freut mich ziemlich, das heißt schließlich dass ich nicht so schlimm sein kann. Und dass er mich auch mag, wenigstens ein bisschen, schließlich schreibt er mir auch von sich aus. Hehe. Da hab ich positive Neuigkeiten für den Doc :)

Meine Tage hier waren sehr entspannt, auch wenn ich mich mit meinem Vater gestritten habe… Aber die Familie meiner besten Freundin ist wie eine richtige Familie für mich – von dem her ist das nicht so schlimm.

Wir gucken jetzt noch einen Film!
Ich wünsche euch noch einen schönen Abend!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Ein steiniger Weg…

… bedeutet noch lange nicht, dass es der falsche ist.

Einen schönen guten Abend allerseits!

Es ist jetzt 21 Uhr und ich resümiere jetzt mal die letzten zwei Tage – ereignisreiche Tage.

Montag fing anders an, als gedacht. Wir hatten am Sonntag zu dritt bis um zwei Uhr nachts den Superbowl angeschaut, bis es uns zu blöd und zu spät wurde. Nach der Halftime-Show war dann endgültig Schluss. Die beiden Mädels gingen schlafen und ich ins Bett. Die Formulierung ist wörtlich zu nehmen und kein Zufall: ich habe nämlich nicht geschlafen.
Die ganze Nacht nicht.
Als es als halb drei war, wollte ich eigentlich schlafen, konnte aber nicht. Und so probierte ich rum, so hinlegen, anders hinlegen. Musik, keine Musik. Licht aus, Lichterkette an. Hat alles nix geholfen, also hab ich angefangen mit dem Handy rumzuspielen… Das hat auch nicht geholfen… Dann war es vier.
Und ich genervt… irgendwie war ich immer noch nicht wirklich fertig genug um zu schlafen – im Nachhinein denke ich mir nur: „Warum hast du dummes Kind keine Tablette genommen?!“
Ich habe Recht. Ich hätte nicht durchmachen müssen, wenn ich einfach eine Tablette genommen hätte. Aber so wurde es langsam aber sicher immer später, um fünf Uhr morgens habe ich mit dem Bruder meiner besten Freundin gechattet, der mir auch das Superbowl-Endergebnis sagen konnte – und um sechs Uhr habe ich beschlossen, dass ich einfach wach bleibe. Der Nebel war so kalt eisblau an diesem Morgen, so einen Blick hatte ich noch nie wenn ich aus dem Fenster geschaut habe. Und er tauchte alles in ein kaltes Licht.
Ich hab mich noch bis acht Uhr beschäftigt, mit Game of Thrones im Internet streamen, bevor ich mich auf den Weg zum Bäcker gemacht habe.
Also so wach war ich Montag morgen um acht schon lange nicht mehr :D

In meinen Augenringen hätte man zwar Drogen schmuggeln können, aber ansonsten ging es mir gut. Der morgendliche Spaziergang war schön, die Luft kalt und klar, es schneite – und auf den Straßen lag Schnee. Ich bin wie ein „retarded Penguin“ die Straße runtergetrippelt, um auf der matschigen Schicht nicht auszurutschen. So habe ich doppelt so lange gebraucht wie sonst, aber ich kam heil und sauber unten an.

Beim Bäcker hab ich Brötchen und Croissants (für meine Mitbewohnerin samt Besuch) geholt. Ein Saft hat sich auch noch in meinen Jutebeutel geschlichen und dann ging es wieder nach Hause – diesmal bergauf und weniger trippelig.

Dann habe ich die Dinger in der Küche in den Brotkorb und so lange in meinem Zimmer, bei offener Tür, weiter meine Serie geschaut, bis gegen halb elf die Damen aufgestanden sind. Zu dem Zeitpunkt war ich bereits 25 Stunden wach. Aber es ging mir gut.
Dann haben sie gefrühstückt (wobei ich darauf hinweisen musste, dass die Croissants für die beiden sind) und sich fertig gemacht – die Freundin musste zum Bahnhof.
Ich hab weiter in meinem Bett gelegen und den Bildschirm betrachtet. Hab beschlossen, dass das arg sinnlos ist und stattdessen die Küche aufgeräumt und geduscht. Ich musste wachbleiben. Mindestens bis 18 Uhr. Und es war erst 13 Uhr. 27 Stunden.
Die ganze Aktion war ziemlich hart, ab 14 Uhr war ich nämlich hundemüde. Aber ich durfte nicht schlafen, also habe ich angefangen zu kochen – Nudeln für einen Nudelsalat. Als der fertig war, kam meine Mitbewohnerin auch vom Einkaufen zurück. 15 Uhr. 30 Stunden.

Die nächsten zwei Stunden lassen sich einfach zusammenfassen: Zombie. Ich war nicht richtig da, aber auch nicht richtig weg. Bis ich einen folgenschweren Fehler machte. Ich sprach meine Mitbewohnerin auf die Sache mit der Miete an.
Die Vorgeschichte: Wir haben am Anfang ausgemacht, dass sie für eineinhalb Monate bleibt – ergo auch für eineinhalb Monate zahlt. Am Donnerstag habe ich sie gefragt, ob ihre Mutter die halbe Miete für die Februar-Hälfte dieses Mal überweisen kann. Sie sagte sie fragt mal. Am Freitag Nachmittag hab ich nachgefragt, ob schon was rauskam, worauf sie nur sagte, dass ihre Mutter nichts mehr zahlen will, weil sie ja nur 30 Tage insgesamt bei mir wohnt. Das finde ich nach wie vor ein völlig unsinniges Argument – ich bin schließlich kein Hotel in dem man die Nächte bezahlt. Ich habe nur gesagt, dass ich gerne mit ihrer Mutter rede, wenn sie sie nicht überzeugen kann.
Am Montag dann, habe ich erneut nachfragen müssen. Da kam folgender Satz: „Ich habe mit den anderen (unsere gemeinsamen „Freundinnen“) drüber geredet und die meinen, ich würde mich zum Deppen der Nation machen, wenn ich das zahle.“ Ich war erstmal baff. Und dann wurde ich wütend. Wieso bitte sagen die anderen das? Was haben die denn damit zutun? „Ich habe sie um Rat gefragt.“ Soso. Alle miteinander? (Ich habe heute erfahren, dass sie alle gemeinsam in einem Restaurant gegessen haben, als ich am Freitag nicht konnte. Finde ich unmöglich da über mich zu reden und mich hinter meinem Rücken auszurichten. – Das sehen meine „Freundinnen“  übrigens anders.) Spätestens dann wurde ich traurig. Ich erkannte, dass sie mit den Mädels seit Tagen hinter meinem Rücken über mich geredet haben muss und niemand hielt es für nötig mir irgendwas ins Gesicht zu sagen. Hätte ich nicht nachgefragt, wer weiß, wann meine Mitbewohnerin das Maul aufgekriegt hätte. Entschuldigt den „verbalen“ Ausrutscher, aber ich bin nach wie vor wütend auf sie und diese Aktion.
Die Damen haben also einstimmig beschlossen, dass ich eine schreckliche Freundin bin und absolut kein Anrecht auf das Geld habe, da meine Mitbewohnerin nur 30 Tage bei mir gewohnt hat. Alles andere soll ich gefälligst als Freundschaftsdienst sehen. Und schämen soll ich mich am Besten auch gleich noch. Sie so über den Tisch ziehen zu wollen. Wo sie doch so viel für mich getan und ausgegeben hat. Die drei Euro Benzin oder was?
Ja genau. Alles was ich will, ist sie über’s Ohr hauen und ihr das Geld aus der Tasche ziehen. Haha.
Dass ich lediglich nach dem Betrag der am Anfang ausgemacht wurde gefragt habe, findet keiner in Ordnung.
Und nur für’s Protokoll: Das Geld, das sie in irgendeiner Weise für mich ausgegeben hat, steht in keiner Relation zu meinen Ausgaben, geschweige denn der Miete. Punkt.

Nunja. Da saß ich also im Wohnzimmer und musste mir das anhören. (Mein Therapeut meinte heute, dass ich mich eigentlich nicht rechtzufertigen habe – weil ich im Recht bin und mein Anspruch legitim ist. Ich tat es trotzdem und tue es immer noch.) Und ich habe mich gerechtfertigt, bevor ich das mit den Anderen gehört habe.
Da bin ich aufgestanden, gegangen, hab die Tür hinter mir zugemacht und hab mich in mein Bett gelegt. Und geweint. Weil ich die Welt nicht mehr verstanden hab. Wie konnten mir meine „Freundinnen“ geschlossen in den Rücken fallen? Was denken die überhaupt von mir? Und wie kommen die zur Hölle auf den Gedanken, dass ich meine Mitbewohnerin um ihr Geld betrügen wollen würde!? Ich bin dann aus der Whatsapp-Gruppe ausgetreten, weil diese Leute für mich durch waren. Freundschaft bedeutet gegenseitiges Vertrauen. Und das kann ich beim besten Willen weder auf ihrer noch auf meiner Seite mehr erkennen.

Da lag ich. Nach einer Viertel Stunde die ich durchgeweint hatte, weil mein Vertrauen in diese Mädchen einfach auf dem Boden zersprungen ist und die Splitter weh taten, begannen die Tabletten – die ich geistesgegenwärtig eingeworfen hatte – zu wirken. Es war ja auch 18 Uhr und ich seit 33 Stunden wach. Ich wurde ruhiger und war schon kurz vor’m einschlafen, als es an der Tür klopfte. Nur ein „Lass es einfach“ und ansonsten keine weitere Reaktion meinerseits. Aber jetzt war ich wieder wach. Nach einer weiteren Viertel Stunde stand sie wieder vor der Tür (wohl weil die anderen sie gefragt haben, warum ich wortlos aus der Gruppe ausgetreten bin) und obwohl als ich sagte, sie solle gehen, machte sie die Tür auf.
Da stand sie im wahrsten Sinne des Wortes zwischen Tür und Angel und begann zu diskutieren. Ich verteidigte mich, meinen Standpunkt, meine Reaktion und musste mir weitere Anschuldigungen und Vorwürfe anhören. Ich wurde wirklich aufgebracht, als sie schließlich anfing auf meiner Krankheit rumzuhacken. Nur weil ich gesagt habe, dass es mir schon schlecht genug geht und ich mir selber schon genug Vorwürfe mache, da brauch ich mir nicht auch noch die von anderen geben. Ich solle mich mal zusammenreißen und überhaupt, wie ich da in Selbstmitleid versinke, das geht so nicht weiter! Dass ich die letzten Tage überaus aktiv am Leben teilgenommen habe, könnt ihr ja selber nachlesen. Ich hatte also absolut keine Ahnung wie ich jetzt auf die haltlosen Vorwürfe reagieren soll. Mehr als ihr genau das zu sagen, konnte ich nicht tun. Und vor allem sagte ich, dass es mir reicht. Ich wollte nicht mehr diskutieren. Ich war müde, auf Tabletten und furchtbar traurig, wie mich mein Umfeld wahrnimmt.

Sie meinte, wir würden morgen nochmal reden. Sie wünschte mir eine gute Nacht und viel Glück bei der Prüfung heute. Ich sagte nichts mehr. Endlich schloss sie die Tür. Ich konnte jetzt natürlich nicht schlafen. Zweite Hälfte der Tablette. Habe meiner besten Freundin geschrieben, dass ich nicht weiß was ich tun soll. Und dann ging es los. Sowas habe ich ja noch nie erlebt.
Ich hatte Halluzinationen, zumindest denke ich, dass die sich so abspielen. Ich kenn mich da ja nicht so aus.
Aber das Valium lies mein Bett schaukeln, als wäre es eine Schiffschaukel auf dem Volksfest (Kirmes, für die Nicht-Bayern). Das Handy-Display änderte ständig seine Form, Farbe und Beschaffenheit. Ich fühlte meine Finger eine Nachricht tippen, ich sah nach einem Blinzeln aber, dass sie sich keinen Zentimeter bewegt hatten. Lauter solche Scherze. Die Kombination aus den Tabletten, dem Schlafmangel und meinem Versuch meine Augen offen zu halten war eindeutig nicht optimal :D
Kurz, das Zeug ist heftig und ich sollte nie wieder versuchen wachzubleiben, wenn es anfängt zu wirken. Die Nachrichten an meine Freundin waren überraschenderweise gar nicht so konfus. Was für eine Nacht.

Heute morgen bin ich aufgestanden und hab gefrühstückt und bin zum Bus und damit zur Prüfung – wie ein normaler Mensch.
Bin ganz stolz auf mich.
Die Prüfung habe ich übrigens grandios in den Sand gesetzt (über diese Formulierung musste sogar mein Psychiater lachen). Damit meine ich, dass ich erstens nicht viel wusste und zweitens auch meinen letzen Anspruch auf Punkte verspielt habe, weil – bitte einmal festhalten – ich die Prüfung auf Englisch geschrieben habe und nicht auf Deutsch. Ich Depp. Mehr fällt mir dazu wirklich nicht ein. Aber ich bin stolz auf mich. Ich hab die Textanalyse komplett in Englisch geschrieben, ohne Wörterbuch und trotzdem ist sie gut geworden. Ich habe mich schon gefragt, warum wir keins benutzen dürfen – klar, weil wir für eine Antwort auf Deutsch auch keins brauchen.
Also, Prüfung versemmelt, aber mit Stil :D
Hab übrigens noch einen Kommentar à la „Entschuldigen Sie bitte, dass es nicht das ist was Sie wahrscheinlich lesen wollten. Danke, dass Sie es trotzdem gelesen haben! Einen schönen Tag noch!
PS: Hätte ich das hier etwa auf Deutsch schreiben sollen??“ darunter gesetzt. Typisch ich.

Auf dem Weg nach Hause habe ich vor mich hingesungen. Ein Zeichen dafür, dass es mir gut ging. Warum? Das hab ich mich auch gefragt. Nach gestern Abend… Aber das war auch die Antwort: ich bin eine Kämpfernatur. Hab mich seit jeher gegen meine Mutter und gefühlt den halben Rest der Welt behaupten müssen. Und ich habe gelernt, dass aus Wut große Stärke hervorgeht. Und jetzt kann ich wieder kämpfen. Dafür, dass ich verdammt nochmal bekommen, was ausgemacht war. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. 
Ich habe im Übrigen nicht vor zu versuchen meinen Ruf bei den Anderen zu rehabilitieren. Das Thema ist für mich solange gegessen, bis sich irgendwas Neues ergibt. Und sollten wir nicht irgendwie wieder zusammen kommen, dann ist es eben so. Ich bin ohnehin ein Einzelkämpfer. Schon immer.

Den Nachmittag habe ich in meinem Zimmer verbracht, nachdem ich zu Fuß einkaufen war. Die Sonne draußen hat gut getan. Abends bin ich zur Therapie gegangen. Ich habe meinem Doc mein Herz ausgeschüttet und er meinte, dass ich im Recht sei. Und dass ich mir nicht so viele Gedanken über meine „Freundinnen“ machen soll. Und das er das Verhalten meiner Mitbewohnerin schäbig findet. (Schäbig ist mein Wort des Tages, das werde ich ab jetzt öfter benutzen!)
Jetzt weiß ich zumindest, dass ein rationaler Erwachsener genauso denkt wie ich. Also liegt es nicht an meinem abgedrehten Gehirn. Puh ;)

So, zwei Stunden an einen Eintrag hingeschrieben. Ich frage mich, ob den jemand ganz liest? 2000 Wörter. Ohje.
Falls nicht, dann liest derjenige auch nicht, dass ich heute Abend Mister Flanellhemd geschrieben habe, weil mir langweilig war. Mal schauen, vielleicht ist er nicht ganz so doof, wie ich zuerst geschlussfolgert habe. Hat übrigens zurückgeschrieben, also so dumm kann er nicht sein ;)))

Liebe Grüße, euer kämpferisches Fräulein

It’s gettin‘ harder

Guten Abend!

Momentan habe ich eine nicht enden wollende Phase der schwarzen Wolken…

Gerade ist alles halbwegs in Ordnung, die Miete bezahlt, schon wieder ’n Jahr.
Doch die Decke der Wohnung bewegt sich, ist’s schon wieder so nah.
Die Schatten kommen aus den Ecken, schwarze Gedanken fluten den Raum.
Momente von Glück ertrinken, die Lichter verschwinden, in dumpfem, pochendem Grau,
Wege heraus versprechen Tabletten, verschrieben von Männern mit schütterem Haar.
Trips wie das Leben sie schrieb, zitternd und nah, bitter und wahr.
Manchmal sind mir die Menschen zu viel, ich will nicht mehr reden.
Sie fragen wie’s geht, ich denke „zu Ende“ doch sage „ok“.

Das ist ein Ausschnitt aus „Schwarze Wolken“ von meinem neu entdeckten Liebling Prinz Pi. Der kann das mit den depressiven Texten auch gut, wobei ich mich einfach in die kaputte Stimme Caspers ‚verguckt‘ habe.

Heute morgen hat mich meine beste Freundin angeschrieben. Sie meinte, so könne das doch nicht weitergehen – es geht bergab und ich ergebe mich meinem Schicksal. Sie war besorgt, dass ich den Abwärtstrend nicht wie sonst aufhalten konnte.
Ich war leicht gereizt, weil es bei ihr so klang, als würde ich es einfach nicht genug wollen. Und ich weiß, dass sie sich nur Sorgen macht… aber sie weiß einfach nicht, wie schwer es manchmal ist.
Ich habe lange mit meiner Mitbewohnerin darüber geredet. Sie hat mich gebeten, mich doch mal in die Lage meiner Freundin zu versetzen. Sie weiß schließlich nicht, wie es ist, wenn bereits das anziehen und zum Bus gehen ein Erfolg ist, ein Sieg gegen die Depression.
Ich verstehe dass es schwer ist. Aber das ist es für mich leider auch… ich weiß ja auch nicht, wie ich es den anderen begreiflich machen soll… Ich kann ihnen doch auch nicht sagen, wieso es momentan schlecht ist.
Ich weiß doch auch nicht, wieso ich mich da grade nicht rausholen kann…

Auf jeden Fall hatten wir uns ziemlich in den Haaren. Ich war verärgert, weil ich mir selber schon genug Vorwürfe mache – und nicht von ihr auch noch welche hören wollte. Sie war genervt und enttäuscht, weil ich mich verschlossen habe und sie sich vernachlässigt vorkam.
Und am Ende haben wir uns beide darauf besonnen, dass es Bullshit ist, sich deswegen zu streiten. Davon wird die Situation für keinen von uns leichter.
Und schließlich haben wir uns lieb. Da sollte man sich nicht gegenseitig reizen, nur weil man angepisst ist. Two hearts – one Soul, Süße.

Aber durch das Gespräch mit meiner Mitbewohnerin, die selber Erfahrungen mit den Medikamenten hat, hat mich zu der Einsicht gebracht, dass es vielleicht gar keine schlechte Idee ist, wenn ich die Dosis der Tabletten doch erhöhe… Ich meine ich bin momentan wieder fast so depressiv wie am Anfang… und das sollte nicht mehr so sein, wenn ich mich nicht irre.

Jetzt muss ich bei dem heutigen Therapiegespräch mal meinen Therapeuten fragen, was er davon hält. Der ist dafür zwar nicht zuständig, aber der kennt sich damit ja auch aus.
Ich mache Fortschritte, ja. Aber ich habe das Gefühl, dass ich auch wieder Rückschritte mache… Viel zu viele in der kurzen Zeit… It’s gettin‘ harder…

Sie fragen wie’s geht, ich denke „zu Ende“ doch sage „ok“.

Einen schönen Abend und Tag euch!
Liebe Grüße, euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl