Eine Sekunde

Guten Abend meine Lieben!

Es ist einiges passiert die letzten Tage.

Der Auslöser einer Kettenreaktion ungeahnten Ausmaßes war eine Sekunde des Sonntag Abends. Eine Sekunde der Unachtsamkeit, der Unbewusstheit und der Unvernunft.

Long story short: Mein Chef und ich standen im strömenden Regen, er hat mich in den Arm genommen und wenig später hat er mich geküsst. Und ich ihn vielleicht auch zurück, keine Ahnung. War auf jeden Fall eine Sekunde, die ich bitter bereue.
Ich bin danach panisch zur Haustüre geflüchtet und habe mich in meiner Wohnung verkrochen.

Als wäre die Situation so nicht schon beschissen genug, haben wir am Montag darüber geredet, während er mich in die Arbeit gefahren hat – und da wurde es erst richtig mies… ich habe ihm gesagt, dass es für mich nicht das selbe bedeutet hat wie für ihn. Und ich konnte literally den Moment sehen, in dem ich sein Herz gebrochen habe. Ich konnte die Enttäuschung und den Schmerz fühlen und ich habe mich dafür sofort gehasst. Ich habe mich unfassbar mies gefühlt.

Ich fühle mich immer noch mies. Und schuldig. Ich habe zugelassen, dass es soweit kommt. Das sieht mein Therapeut zwar anders, aber dazu später mehr.

Ich bin direkt nach der Arbeit in den Rewe gefahren und habe mich mit Fastfood, Wein und Zigaretten eingedeckt. Der Inbegriff von Verzweiflung.
Dann habe ich mich Abends auch noch mit Freundinnen betrunken. Zu allem Überfluss habe ich auch wieder angefangen zu Rauchen. Meine erste Schachtel seit Dezember.
Ich komme nicht damit klar, immer wieder den Schmerz in seinem Gesicht vor mir zu sehen. Wie seine Gesichtszüge hart werden. Wie er unkontrolliert Gas gibt um irgendwie seine Gefühle zu kanalisieren.
Immer wieder und wieder spiele ich diesen Moment ab. Wie ich ihm sage, dass es mir nichts bedeutet. Was nicht heißt, dass er mir nichts bedeutet. Aber eben nicht auf diese Weise.

Zum Glück hatte ich heute eine Sitzung. Mein Therapeut hat eine Behandlungsmethode ausprobiert, die sich „EMDR“ nennt. Durch eine Simulation der REM-Schlafphase kommt man an das limbische System im Gehirn und kann die Verarbeitung von blockierten Emotionen einleiten und beschleunigen. Wut – Schuld – Trauer.
Das war irgendwie anfangs komisch, allerdings wurde ich schnell ruhig und konnte mich auf die Behandlung einlassen. Es war interessant. Und danach hatte ich zwar mords Kopfschmerzen (der Doc meinte, das wäre normal weil die Behandlung sehr anstrengend ist) aber ich fühle mich seitdem auch besser.

Morgen muss ich wieder arbeiten. Hoffentlich bekomme ich unsere „Beziehung“ wieder auf die Reihe. Ich mag ihn wirklich gerne und ich liebe meine Arbeit…
Meine Leidenschaft alles tot zu denken, erschwert mir allerdings einfach abzuwarten. Heureka.

Ich hab mir heute die zwei nächsten Staffeln House gekauft, damit ich mich ablenken kann. Funktioniert auch ganz gut.
Ich wünsche euch noch einen schönen und produktiveren Abend und morgigen Tag!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

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Therapie² – oder: mein Therapeut, die coole Socke

Guten Abend allerseits!

Heute habe ich meinen Therapeuten um Rat gefragt. Ich finde meine Situation unerträglich.
Er nicht. Er sagt er wird mir da wieder raus helfen. Will mich sogar in die Klinik einweisen, sobald ich nicht mehr klar komme.
Ich war am Boden zerstört als ich mich auf den alten Ledersessel gesetzt habe. Eine Stunde später hatte ich wieder etwas Hoffnung und ein paar Lösungsansätze für meinen Selbsthass und meine selbstzerstörerischen Tendenzen. Außerdem hat er mich darauf hingewiesen, dass ich in jeder schönen Situation eine Katastrophe finde. Und dass ich das wirklich abstellen sollte, weil es einfach nicht die Wahrheit ist, die ich dann sehe. Und ich habe einen Rat bekommen.

Den Rat nicht aufzugeben. Nichts einfach hinzuschmeißen. Nicht mal die Sache mit meinem Kerlchen.
Er sagt dass meine Reaktion absolut verständlich für meinen Zustand ist und dass sie richtig war. Und er sagt, dass er denkt er würde mir gut tun. Ich sollte es als Lernprozess sehen, ich lerne langsam wieder wie ich mich fremden Menschen gegenüber verhalten soll. Menschen, die ich nicht kenne und deren Motive ich nur erahnen kann.

Er hat mich außerdem darüber aufgeklärt, dass wir jetzt (wo ich auf jeden Fall aus der Anfangseuphorie raus bin) eine andere Form der Therapie anfangen können. Eine, die viel tiefer geht, als die der letzte vier Monate. Ich bin schon gespannt.

Naja, auf jeden Fall versuche ich das mit dem Nachbar wieder gerade zu biegen. Er ist der Erste seit einem Jahr gewesen, den ich wirklich ein Stück weit an mich heranlassen konnte und wollte. Da hat der Doc schon Recht, ich sollte nicht einfach aufgeben. Drückt mir die Daumen und wünscht mir Glück.

Euch noch einen schönen Abend! (Trotz dem enttäuschenden Spiel der Bayern…)
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Diagnosen

Guten Abend meine Lieben :)

Es geht bergauf! Glaube ich zumindest.

Ich war heute bei der Therapie – und es hat meinen Zustand heute schneller auf ein erträgliches Niveau gebracht, als ich es gehofft hatte. Heute Abend ging es mir viel besser – ich war sogar so draufgängerisch mir ein Radler und einen Becher Sorbet zu kaufen. Um mich damit auf den Balkon zu setzen :)

Zumindest so lange bis es kühl wurde und zu gewittern angefangen hat. Mein Therapeut hat diagnostiziert, dass es keine schwere depressive Episode ist – das wusste ich zwar schon, aber beruhigend, dass er das auch so sieht. Sein Rat war wieder der selbe. Ich soll es akzeptieren. Es gehört dazu. Und es wird wieder. 

Und er hat mir empfohlen mir ein Hobby zu suchen. Einen Sport, oder eine Hochschulgruppe.
Versuchen könnte ich ja mal Tanzen oder Yoga. Vielleicht ist das ja wirklich was für mich…. wer weiß?

Jetzt beobachte ich noch ein bisschen Dr House beim Diagnostizieren ;)

Ich wünsche euch noch einen schönen Abend!
Liebe Grüße, euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Chancen ergreifen

Guten Abend meine Lieben!

Der heutige Tag war geradezu außergewöhnlich. Nicht spektakulär, aber auch nicht gewöhnlich.

Ich hab mich bis zum Nachmittag in der Wohnung beschäftigt, in dem ich das an Hausarbeit und Pflege der Pflanzen und Tiere nachgeholt habe, was vor dem Wochenende liegen geblieben oder mittlerweile wieder nötig ist.
Dann bin ich in die Stadt gefahren – ziemlich gewagt mit Nägeln und Lippenstift in Dunkelrot – um meine wöchentliche Unterredung mit dem Therapeuten meines Vertrauens zu haben. Wie zu erwarten war, hatte der Bus im Feierabendverkehr Verspätung und ich bin zu spät gekommen.
War aber nicht so tragisch, es hat mich mehr genervt als es nötig gewesen wäre.
In letzter Zeit weiß ich am Anfang der Stunde nicht, worüber ich reden soll. Ich habe das Gefühl, dass mich nichts wirklich relevantes mehr beschäftigt. Also bin ich am Anfang immer ziemlich still – sitze da und lächle den Doc schief an.
Doch irgendwie kommt der Stein dann immer ins Rollen. (Fun-Fact am Rande: Mein Psychotherapeut hat einen Freund, der mit Mister Udo Pollmer befreundet ist :D)
Heute war das Spannendste die Analyse und Deutung eines Traumes, der mich das ganze Wochenende über beschäftigt hat. Es war ein Albtraum, der mich mit pochendem Herzen, stocksteif und komplett fertig mit den Nerven aufwachen lies.
Kurzfassung? Ich war gefangen in einem Haus mit drei anderen Frauen, zwei älter als ich und eine noch eher ein junges Mädchen. Wir wurden festgehalten von einem humanoiden Wesen, gewissermaßen einer Verkörperung des Bösens. Die zwei älteren Frauen haben sich unterwürfig dem Wesen gegenüber verhalten – das Mädchen und ich haben nur so getan und wollten fliehen. Sie wusste einen Weg, wofür wir allerdings einen Code und eine unbeobachtete Minute brauchten. Als wir bei dem Versuch erwischt wurden, hat sie mir den Code gegeben und das Wesen davon abgehalten, mich aufzuhalten. Sie hat sich für mich geopfert.
Ich bin aufgewacht, in dem festen Glauben dass das Mädchen tatsächlich gestorben ist, dass sie sich wirklich für mich geopfert hat. Dass sie nicht mehr aufwachen würde.
Natürlich glaube ich das jetzt nicht mehr, aber in dem Moment des Aufwachens war dieser Gedanke so plausibel wie jeder andere.

Nun also zur Deutung. Ich komme immer nur in dem kleinen Behandlungszimmer im Dachgeschoss auf die Erleuchtungen, Epiphanien und Ideen, die plötzlich soviel Sinn ergeben. Es ist mystisch. Sobald ich in dem Raum sitze, kann ich Dinge, die mir vorher schleierhaft erschienen sind, plötzlich wie von selbst in den Gesamtzusammenhang einfügen.
Die vier Frauen, stehen für Teile meiner Persönlichkeit. Das Wesen ist die Depression, verbildlicht durch meinen Kryptonit-Menschen. Und das kleine Mädchen steht für mein inneres Kind (das kam übrigens vom Doc, das hätte ich nicht angenommen – ich wusste auch gar nicht, dass das Vorhandensein von solch einem Teil der Persönlichkeit so wissenschaftlich anerkannt ist).
Ich habe mich im Traum freiwillig in den Raum begeben, und dann kam ich nicht mehr heraus. So war es ja bei ihm auch. Und Teile von mir waren ihm gegenüber auch unterwürfig und hörig. Und die anderen wollten ausbrechen, sich befreien. Um irgendwie wieder da rauszukommen, habe ich mein inneres Kind – den emotionalen, unschuldigen, verletzlichen Teil – geopfert. Und wurde zum Fräulein Mit-Ohne-Gefühl.
Ich hab meine Emotionen aufgegeben, um das irgendwie durchzustehen. Ich hab meinen Glauben an das Gute in der Welt verloren, die Unschuld mit der ich früher durch die Welt spaziert bin. Und ich hab mich verschlossen, mit einem Schutz umgeben, eine sehr harte Schale aufgebaut – um die Verletzlichkeit ein für alle Mal aus meinem Leben zu verbannen. Ohne meine kindliche Seite war ich in der Lage die psychischen Misshandlungen zu ertragen, denen ich mich anfangs freiwillig ausgesetzt hatte…
Nachdem mir mein Therapeut das erläutert hatte, fühlte ich mich geläutert. Auf einmal machte alles Sinn. War alles so klar…

Jetzt haben wir einen neuen Ansatzpunkt für die Therapie. Mein Kind zurückholen. Mir meine emotionale Seite zurückgeben. Die Chance, die sich bietet, zu ergreifen.

Noch zwei weitere kleine, verrückte Chancen habe ich heute ergriffen.
Eines meiner grenzgenialen Kuchenrezepte bei einem Wettbewerb eingereicht und mich spontan für eine Komparsenrolle beworben, weil zufällig am Wochenende eine Produktion für’s Fernsehen in der Gegend stattfindet. Und das wäre mal was ganz anderes als mein unspektakulärer Alltag :D

Es geht doch im Leben immer nur darum, sich die Chancen, die sich einem bieten, zu ergreifen und zu nutzen.

Einen schönen Tag wünsche ich euch! Und viele Chancen ;)
Liebe Grüße, euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

3 Monate Therapie

Guten Tag allerseits!

Lasst uns feiern :)

Heute bin ich seit genau drei Monaten in Therapie. Ich denke es ist Zeit für ein kleines Resümee.


Ganz am Anfang, nach meinem ersten Gespräch, habe ich im Blog folgendes geschrieben:

Er hat mich auch gefragt, wie ich mir die Therapie vorgestellt habe und was ich denke, dass sie bewirkt. Naja, darauf wusste ich keine Antwort. Ich habe zwar immer daran gedacht, dass sie mir helfen kann – aber nie drüber nachgedacht, wie. Das wunderte mich schon etwas, weil ich ja normalerweise dazu tendiere, alles tot zu denken.

Ja, heute habe ich darauf zumindest eine vage Antwort. Ich denke, dass sie so einiges bewirkt: Ich fühle mich nicht alleine mit meinen Problemen, was dazu führt dass ich leichter wieder runterkomme, bei dem Gedanken dass ich nächsten Mittwoch mit dem Doc drüber reden kann. Ich fange an Dinge zu erkennen und aufzuarbeiten, die ich in meiner Kindheit verdrängt habe, zum Beispiel die Scheidung meiner Eltern. Ich ändere meine Sichtweise auf so manche Dinge, die mir im Leben sehr zusetzen, zum Beispiel meine Mutter. Ich lerne nicht mehr so streng mit mir zu sein, auch wenn ich unzufrieden mit der Art wie ich handle/denke/fühle bin. Ich lerne verdammt viele Dinge über mich selbst, die mir dabei helfen, zu verstehen wieso ich momentan so bin, wie ich bin. Ich merke, dass mir das mich-öffnen und reden sehr dabei hilft, die Ereignisse meines Lebens, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin, im Gesamtzusammenhang zu sehen. Ich lerne auch, dass ich momentan einfach krank bin und es nichts ist, wofür ich mich schämen oder schlecht fühlen müsste – und dass es in Ordnung ist Menschen von meinen Problemen zu erzählen. Und was ich bisher auch gelernt habe ist, dass es in Ordnung ist wenn es mir nicht gut geht, weil ich mir die Zeit der „Genesung“ zugestehen muss.

Entschuldigt die Schachtelsätze, aber ich will die Sätze nicht durch Umformulierungen noch verworrener machen…

Wie viel besser es mir schon geht, kann ich nicht objektiv messen – aber subjektiv sind es Welten zwischen meinem Ich von vor drei Monaten und mir heute.
Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll… aber ich weiß ich ob ich heute noch am Leben wäre, hätte ich mich nicht vor knapp vier Monaten in Behandlung begeben. Das klingt vielleicht drastisch, aber in den Tagen vor meinem Besuch beim Arzt, war der Tiefpunkt meiner Depression erreicht. Und wer weiß was passiert wäre, wenn es noch tiefer gegangen wäre – und wir wissen alle, dass es immer noch tiefer geht.

Ich bin dankbar für diese drei Monate. Ohne sie stünde ich jetzt nicht an dem Punkt, an dem ich heute stehe – an einem Punkt, an dem ich einen Silberstreif am Horizont sehen kann. An dem ich Hoffnung habe, und Zuversicht dass meine Zukunft besser wird als meine Vergangenheit.


Genug Poesie, meine Lieben. Ich wollte einfach nur ein bisschen resümieren, was ich die letzten drei Monate so lernen und erfahren durfte.
Auf die nächsten drei! Mögen sie eben so lehrreich und heilsam sein wie die vorherigen.
Liebe Grüße und danke, dass ihr mich auf meinem Weg begleitet!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl