Fortschritte

Guten Abend!

Heute in der Kulturwissenschafts-Vorlesung war mir etwas langweilig, deshalb habe ich euch den ‚Morning has broken‘ Eintrag geschrieben.
Danach habe ich mit einer Freundin in meinem Lieblingscafé, hoch über den Dächern der Stadt, einen Tee getrunken und geredet. Lange über meine kleine Spinne und noch länger über die Krankheit und die Nebenwirkungen. Sie hat mir gesagt, dass sie auf mich aufpassen wird. Alle werden auf mich aufpassen. Sie wollen mir helfen. Und das wundert mich jedes Mal auf’s Neue. Sie werden momentan verstärkt darauf achten, dass und ob ich genug esse.

Denn ich darf nicht aufhören zu Essen, egal wie verlockend es ist, Gewicht zu verlieren. Ich habe und hatte viele Freundinnen, an denen ich sehen kann, wozu so etwas im schlimmsten Falle führen kann. Ich möchte lediglich wieder halbwegs normal essen, damit ich mir keine Sorgen um mich machen muss. Hab’s heute wirklich versucht.
Und lediglich eine Handvoll Nudeln und eine kleine Pizza gegessen, die Pizza auch nur deshalb, weil die Mädels Essen gehen wollten. Aber ich versuche es weiter. Das heute war schon ein Fortschritt zu gestern.

Und ich werde weiter Fortschritte machen, schließlich lasse ich mich von den paar Nebenwirkungen nicht aufhalten. Außerdem habe ich wunderbare Freundinnen und meine beste Freundin würde mich bei jedem noch so tiefen Fall auffangen. Ich frage mich, woher sie diese Stärke nimmt, aber ich bin ihr sehr dankbar dafür, dass sie versucht mir beizustehen.

Das hier lesen zwar die Menschen nicht, an die ich es richte, aber ich will mich einfach bei allen meinen Freunden dafür bedanken, dass wir gemeinsam Fortschritte machen. Danke.

Das war’s von mir, einen schönen Abend noch :)
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Nebenwirkungen…

Guten Abend!

Na ihr, wie war euer neues Jahr bisher? Meins war eigentlich prima. Also nachdem ich so ein Grinch an Silvester war, ging’s langsam aber stetig bergauf.
Aber die letzten Tage habe ich mehr denn je unter den Nebenwirkungen der Medikamente „gelitten“.
Also die Anorexie, bedingt durch die Antidepressiva, bin ich ja mittlerweile schon gewohnt. Aber wenn man unter Leuten ist, mit der Familie kocht und isst, dann ist es schon störend. Wie erkläre ich meinen Verwandten zum Beispiel, dass ich nach einem halben Teller Nudeln einfach keinen Appetit mehr habe? Oder wie erkläre ich ihnen, dass ich morgens gar nichts essen will und erst gegen drei Uhr nachmittags das erste mal etwas Hunger kriege?
Und zwar ohne ihnen die Wahrheit zu sagen, weil sie ja nichts von den Medikamenten wissen?

Das hat mir klar gemacht, dass die ganze Chose mein Leben mehr beeinflusst, als mir bewusst war. Ich muss mich daran gewöhnen, dass es nun neue Situationen für mich gibt, mit denen ich klarkommen muss.
Zum Beispiel meine Schlafstörungen. Ich kann phasenweise einfach nicht mehr richtig schlafen. Okay, das ist nunmal so. Ich bin heute erst um 06:00 Uhr eingeschlafen… es ist wirklich lästig :(
Und jetzt beginnt die Uni wieder. Da sollte ich eigentlich morgens fit sein. Also muss ich mir was einfallen lassen, um so etwas zu vermeiden. Irgendwelche Tipps?

Aber es gibt nicht nur negative Nebenwirkungen ;) und ich soll ja laut dem „weißen Hund“ meine Erfolge hervorheben. Und das werde ich systematisch in mein Leben integrieren. Denn wenn ich das Gute stärker wahrnehme, dann bleibt nicht mehr so viel Raum für die negativen Aspekte. Logisch.
Und ich hab ja einiges schon erreicht, worauf ich stolz sein kann. Das meiste davon sogar ohne Tabletten.
Ich habe mit dem Rauchen aufgehört. Ich trinke gar keinen Alkohol mehr. Ich ernähre mich seit über zwei Jahren vegan. Ich habe mit dem Nägelkauen aufgehört. Ich habe mittlerweile schon fünf Kilo abgenommen. Ich habe eine eigene Wohnung und einen Studienplatz. Ich habe aufgrund meiner eigenen Entscheidung eine Therapie begonnen.
Ich kann stolz auf mich sein. Mein Leben ist nicht nur schlecht. Ich muss mir das nur immer wieder in Erinnerung rufen.

Eine Bitte hätte ich noch, kann mir irgendjemand da draußen erklären, wie ich einen Blog in meinen Beitrag einbinde? Aber so, dass nicht die URL erscheint, sondern der Name. Ich scheitere seit Tagen daran :D
Danke!

Liebe Grüße und einen schönen Abend noch!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Ärzte-Marathon

Guten Abend!

Wenn man eine psychische Krankheit hat, wird man ja meistens so behandelt, als wäre man nicht krank. Heute kam ich mir aber tatsächlich krank vor, ich habe gute zweieinhalb Stunden in Arztpraxen verbracht und wurde nach allen Regeln der Kunst untersucht.
Angefangen bei meinem neuen Psychotherapeuten. Also er wird mein neuer Psychotherapeut wenn ich die erste Sitzung gut finde und ihn danach immer noch mag ^^
Ich hab ihm ein bisschen von mir erzählt und er hat immer wieder nachgefragt, um mich besser einschätzen zu können. Ich kam mir schon so vor, als läge mein Innenleben auf dem Seziertisch. Aber muss ja so sein. Ich weiß zwar nicht, was er von mir denkt, aber er hat mit mir auf Augenhöhe gesprochen. Das fand ich gut. Sehr amüsant für mich war die Frage: „Sind Sie immer so aufgeweckt? Oder ist das jetzt nur eine Masche weil Sie sich vorstellen?“ – Ich bin wirklich so, wenn mich die Depression nicht runterzieht!
Der nette Herr Doktor war überrascht von der Vielzahl an Medikamenten, die ich nehme und war etwas besorgt wegen den Nebenwirkungen, die ich merke. Er hat mir geraten, das am 22. meiner Ärztin zu erzählen und mit ihr abzuklären, ob wir das nicht irgendwie abstellen können.

Außerdem hat er meinen dicken Hals bemerkt und mir erzählt, dass eine Schilddrüsenunterfunktion die Symptome der Depression durchaus hervorrufen/verschlimmern kann. Vor allem die Müdigkeit und die Lethargie und das Problem morgen aufzustehen. Ich hab schon seit ich denken kann, eine vergrößerte Schilddrüse. Ich hab auch schonmal Jodtabletten deswegen genommen, aber die haben meiner Meinung nach nichts gebracht. Getestet wurde damals auch nichts, weshalb ich ihm nicht sagen konnte, wie schlimm es ist. Also hab ich den Vorschlag meines Therapeuten, zum Arzt zu gehen und das überprüfen zu lassen, gleich in die Tat umgesetzt.

Nach einer halben Stunde Gespräch bin ich (mit einem Umweg über den Rewe um was zu trinken zu kaufen, weil mir schon ganz schwummrig war vor lauter Dehydration…) also zum nächsten Arzt gelaufen. Die Frau an der Rezeption war zwar leicht verwirrt, hat mich dann aber ins Wartezimmer gesetzt. Und da saß ich dann. Und saß. Und saß.
Ich habe wirklich eine Stunde gewartet, bis ich dann mal zum Blutdruckmessen durfte. 122/79.

Der Arzt hat kurz mit mir abgeklärt, wie das in der Vergangenheit war mit meiner Schilddrüse und wie das mit der Depression ist. Dann hat er mir gleich noch Vitamin D verschrieben, weil ich ja vegan lebe und das im deutschen Winter ohnehin schwer zu bekommen ist.
Der Arzt meint, dass es keine Unterfunktion ist, sondern lediglich eine Vergrößerung ausgelöst durch Jodmangel. Was zu beweisen wäre. Natürlich waren dazu wiedermal Tests nötig. :P
Ich bin also ab ins Labor, wo mir (schon wieder!) Blut abgenommen wurde. Dafür dass ich eine wirklich ausgeprägte Nadel-Phobie habe, bin ich wirklich jedes Mal sehr tapfer :)
Das wird jetzt auf die Schilddrüsen-Dinger überprüft und auf meinen Wunsch hin auch noch auf Defizite, die meine Ernährung auslösen könnte.
Nachdem ich noch fünf Minuten rumgelegen bin – mir war nämlich schon den ganzen Tag schlecht und die Nadel in meine Ader gestochen zu bekommen hat’s nicht besser gemacht – hat man mich in den Raum für den Ultraschall gebracht.
Da musste ich mich dann obenrum freimachen – für einen Scan am Hals?! – und der Arzt hat meine Schilddrüse vermessen, die Struktur analysiert und nach Knoten gesucht.
Sie ist zu groß, die Struktur ist okay aber unregelmäßig und Knoten sind zum Glück keine da. Ich hatte ein bisschen Angst, dass er vielleicht einen Tumor oder sowas findet… aber alles gut.
Ich nehme jetzt Thyroxin ein. Das entlastet meine Schilddrüse. Dann bildet sie sich vielleicht zurück. Außerdem hilft mir das, weil dadurch meine Antriebslosigkeit und die ewige Lethargie gemildert werden (sollen).

Ja, das war heute ein ziemlich anstrengender Tag. Nach den Arztbesuchen habe ich noch meine Freundin besucht und ihr von den neuesten Entwicklungen berichtet.
Danach bin ich nach Hause und war plötzlich ziemlich motiviert, meine Wohnung aufzuräumen. Das ist mir noch nie passiert! :D
Also habe ich das, was schon lange mal nötig war endlich erledigt – die letzten Umzugskartons ausgeräumt zum Beispiel (ich wohne schon seit drei Monaten hier) und endlich den schönen, alten Vintage-Spiegel aufgehängt – den ich neu lackiert hatte – und die ganzen Dinge in den Keller getragen, die schon seit Wochen drauf warten.
Ich bin stolz, also ein bisschen. Ich hab endlich mal was geschafft, ohne mich selbst dazu zu zwingen. Fühlt sich normal an. Und normal ist gut.

Jetzt muss ich morgen nur noch die Küche etwas aufräumen und dann ist meine Wohnung auch endlich mal wieder vorzeigbar. Und das ist auch gut so, weil ich nämlich ab nächstem Monat eine Mitbewohnerin haben werde. Eine Freundin von mir zieht für sechs Wochen auf meine Couch. Sie hatte nur einen befristeten Mietvertrag und der läuft jetzt aus. Da sie noch keine neue Wohnung gefunden hat, überbrückt sie die Zeit bis zu den Semesterferien jetzt bei mir. Und mir soll es recht sein, ich helfe gerne – meiner Meinung nach ist sowas nämlich selbstverständlich.
Außerdem zahlt sie auch Miete und ich hab ja eh ständig Geldprobleme :D

Januar wird sicher ein guter Monat. Und somit fängt 2015 gut an. Ich bekomme auch eine Bafög-Nachzahlung :)
Jetzt hoffe ich einfach nur, dass das Zusammenleben funktioniert und mir vielleicht gut tut.

Es ist natürlich ein Wagnis, jemanden gerade in so einer Situation in meine privaten Bereich zu lassen… Aber ich werde meine Freundin sensibilisieren, damit sie mir meine Rückzugsmöglichkeiten lässt. So wird das schon funktionieren… hoffe ich.

Gute Nacht meine Lieben.
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Hauptsache es ist nicht still.

Guten Abend meine lieben Leser,

ich freue mich sehr darüber, dass mein Blog mittlerweile schon ein paar regelmäßige Besucher hat :) das ist schön.

Leider habe ich momentan keine erheiternden Geschichten parat. Zur Zeit ist es wieder schwierig. Sehr schwierig.
Es fing gestern an, als der Abend so ein bisschen arg schiefging. Danach wollte ich ins Bett gehen. Wie gesagt, ich habe es versucht zu schlafen. Hat leider wiedermal nicht funktioniert…
Ich versuche so oft wie möglich ohne Tabletten einzuschlafen, wenn ich nicht unbedingt früh aufstehen muss. Ich will nicht jeden Abend eine weitere Tablette schlucken müssen, es ist wie mich selbst ständig ruhig zu stellen. Dummerweise sind die Nebenwirkungen meines Antidepressivums unter anderem Schlafstörungen. Und die quälen mich schon ziemlich. Denn wenn man so da liegt, hat man nichts besseres zu tun als nachdenken.

Grübeln. Nachdenken. Traurig werden. Szenen ausmalen. Weinen.

Es ist die Stille, die es schlimm macht. Wenn du nur dein Schluchzen hörst. Es absolut nichts gibt, was dich von dir und deinen Gedanken ablenken könnte. Einfach nur diese Fokussierung auf sich selbst. Ohne die Tabletten würde ich ewig in dieser Stille liegen. Wach. Schlafen kann ich ohnehin nicht. Ich spüre nichts außer den abkühlenden Tränen in meinen Augen und der alles erstickenden Stille in mir.

Stille.

Ich ertrage es einfach nicht. Diese Gedanken. An ihn.
Ich habe euch noch gar nicht von ihm erzählt. Er ist mein Kryptonit-Mensch. Meine Schwachstelle. Die Person, welche ich am meisten geliebt und welche mich am tiefsten verletzt hat. Er war mein Reisebegleiter in Neuseeland. Ich lernte ihn dort kennen, wir verliebten uns auf den ersten Blick ineinander und reisten das ganze halbe Jahr gemeinsam in unserem eigenen, geliebten Auto durch’s Land. Ich habe ihn wirklich geliebt, er war der erste und bisher einzige, für den ich jemals in dieser Intensität Gefühle hatte. Ach was rede ich, wahrscheinlich sogar habe.
Das ganze ging nicht gut für mich aus. Überraschung. Und wie das immer so schön läuft, lässt man das erste Mal in seinem Leben jemanden wirklich an sich ran, zeigt ihm seine Schwächen und lässt ihn an seinen Ängsten teilhaben. Und obwohl dieser Jemand weiß, wie zerbrechlich du bist, zögert er nicht – und zerbricht dich. Dein Herz. Deine Seele. Deine Welt. Alles was du jemals wolltest, alles was dich je glücklich gemacht hat, bringt dich jetzt um. Und jeden Tag bin ich ein kleines bisschen mehr gestorben.
Immer wieder haben sich unsere Wege gekreuzt, auch in Deutschland. Nie habe ich aufgehört an ihn zu denken. Er übrigens auch nicht. Aber das hilft mir auch nicht weiter.
Er hat mich damals wegen seiner Freundin verlassen, die zuhause in Deutschland auf ihn gewartet hat. Und er hat uns beide geliebt, hat er mir immer gesagt. Und mich scheinbar nie genug, um sich für mich und nicht für sie zu entscheiden.
Stattdessen hat er mich fallen lassen, obwohl er wusste, was es mit mir machen würde. Ohja, er wusste es verdammt gut. Und ich fiel verdammt tief. Jedes einzelne Mal wieder. Er hat genau gewusst, was er mir angetan hat. Was er mir antut. Und er hat es trotzdem getan.
Und jetzt bin ich kaputt. Innerlich. Ich bin seinetwegen noch viel tiefer in die Depression gerutscht. Ich war kurzzeitig so unglaublich glücklich.
Und der Tausch von einem Monat absolutem und bedingungslosem Glück gegen Qualen und Depressionen für den Rest meines Lebens… so schlecht war der gar nicht. Schließlich habe ich etwas erleben dürfen, das den meisten nicht vergönnt ist. Ich hatte das Paradies auf Erden, auch wenn ich darin nicht bleiben konnte.

Und nun bin ich hier. In der Hölle. Ohne ihn. Ohne mich. Ich habe nicht nur ihn verloren, sondern auch mich.

Gute Nacht. Glaubt mir, über ihn werdet ihr noch einiges hören… 
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl (das mittlerweile Trauer fühlen kann. Heureka…)

Bad News…

Guten Abend meine Lieben!

Heute habe ich drei schlechte Nachrichten für euch… wie man(n)’s nimmt sogar vier.

Die erste macht mir am meisten Sorgen… Ich hab schon seit etwa einem Jahr eine „leichte, ungefährliche Form“ (hat zumindest der Arzt gesagt) von Angina Pectoris. Das sind Durchblutungsstörungen des Herzmuskels. Diese äußern sich in stechenden Schmerzen, die sich teilweise durch den ganzen Brustkorb ziehen… ich hab die ‚Anfälle‘ immer nur wenige Sekunden bis zu zwei Minuten, deshalb ist es ja eigentlich nicht dramatisch. Aber trotzdem kann ich währenddessen kaum Atmen und mich aus Angst noch mehr Schmerz hervorzurufen auch nur eingeschränkt bewegen. Naja, eigentlich kann ich ganz gut damit leben. Man gewöhnt sich ja an so ziemlich alles, vor allem wenn es nur alle zwei-drei Wochen passiert.
Aber seit ein paar Tagen kommen die Anfälle regelmäßiger und vor allem häufiger. Heute saß ich den ganzen Abend auf der Couch und alle zehn Minuten kam einer… Ich saß also da, hatte Angst mich zu bewegen. Und ich frage mich schon den ganzen Abend, ob das an den Medikamenten liegt… in der Packungsbeilage habe ich dazu nichts gefunden… ich werde morgen mal einen Arzt aufsuchen, ich mache mir schon etwas Sorgen.

Die zweite schlechte Nachricht (die ich heute erhalten erst habe) war, dass meine Großtante, die an schweren Depressionen leidet, am Freitag einen Hirnschlag erlitten hat und im Koma liegt. Die Maschinen, die sie am Leben erhalten sollen die nächste Woche abgeschaltet werden… meine Oma, ihre Schwester, ist komplett am Boden zerstört. Und ich kann nicht mal nach Hause…
Das letzte Mal, dass ich meine Großtante gesehen hatte, war als ich wegen einer Verletzung am Sprunggelenk bei meiner Großmutter gewohnt habe. Sie hat sich über die Symptome ihrer Depression beklagt, zum Beispiel, dass sie sich nicht dazu in der Lage fühlt einen Kuchen für ihre Gäste zu backen. Damals habe ich selbst noch verbissen weitergekämpft, und ich habe sie dazu aufgefordert das selbe zu tun. Oder sich Hilfe zu suchen. Aber das wollte sie nicht. Sie wollte sich nicht in Therapie, weil sie Angst vor den Meinungen der Nachbarn hatte… Wie typisch. Ich habe das damals nicht verstanden, und ich tue es auch heute nicht. Wie man die Meinung der anderen vor sein eigenes Wohl stellen kann, ist mir nach wie vor unbegreiflich.
Und nun liegt sie im Koma und wird wahrscheinlich nicht mehr aufwachen. Vielleicht kommt sie zurück – und wenn nicht, dann ist sie zumindest befreit von dieser Krankheit. So wie ich meine Oma kenne, wird sie für meine Großtante beten. Ich habe auch eine Kerze angezündet. Hoffentlich wacht sie wieder auf. Ich will nicht nur nach Hause fahren um zu einer Beerdigung zu gehen. Ich kann den Gedanken an meine weinende Oma jetzt schon nicht ertragen…

Die dritte schlechte Nachricht ist auch eine gute, die Antidepressiva haben eine appetithemmende Wirkung. Ich habe heute Abend kaum mehr als 80 Gramm Nudeln gegessen… Über den ganzen Abend verteilt. Das ist zwar eigentlich gar nicht so schlecht, denn wie jedes weibliche Wesen mit ein zwei drei Kilo zuviel auf den Hüften, wäre ich die ganz gerne los.
Aber trotzdem macht es mir etwas Sorgen. Ich will meinen Körper nicht unterversorgen – grade als Veganer passiert das sehr schnell. Und ich spüre auch, dass mich das matt macht. Noch matter als ich ohnehin schon bin.
Und ich weiß nicht ob sich das wieder gibt, es steht nämlich als häufige Nebenwirkung auf dem Beipackzettel…

Die vierte ist für mich nicht schlecht, aber für den jungen Herrn, den ich mal erwähnt habe. Ich habe gemerkt, dass ich das nicht kann und mich einfach nur schlecht fühlte, weil das ganze einfach nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Und ich habe ihn gebeten zu akzeptieren, dass ich momentan und auch die nächste Zeit einfach nicht in der Lage bin, jemanden näher an mich ranzulassen. Und auch, meine ehrliche Art geht nie verloren, dass ich es mir mit ihm ohnehin nicht vorstellen kann.
Es ist einfach momentan besser für mich, wenn ich mich voll auf mich konzentriere… ich gehe sowieso schon schnell genug in den Strudeln der Depression verloren.

Aber auch ein Tag voll schlechter Nachrichten bringt mich mittlerweile nicht mehr zum verzweifeln, dazu habe ich schon zu viele solche Tage erlebt.

Und ich werde weiter warten, weiter kämpfen, weiter hoffen. Weil ich im Vergleich zu meiner Großtante nämlich noch die Chance dazu habe, mein Leben zu retten.

Eine gute Nacht noch meine Lieben!
Ich wünsche euch einen Tag voller guter Nachrichten!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl