Überschwänglichkeit

Guten Abend meine Lieben!

Heute war ich im Klinikum, zum monatlichen Treffen mit meiner Ärztin.
Kurz bevor ich aus dem Haus gehen wollte, habe ich bemerkt wie unfassbar warm es draußen war. Also schnell umgezogen und los, natürlich etwas zu spät – musste wiedermal zum Bus sprinten :D
Also kam ich völlig am Ende an der Haltestelle an und was war? Der Bus kam zu spät. Ganze zehn Minuten. Ich sag’s euch, mein überhitztes Ich war ziemlich sauer. Und natürlich kam ich dann auch zu spät in die Klinik… meine Ärztin hat schon gewartet, was mir voll leid getan hat.
Als ich dann ihr gegenüber auf dem mit Leder bezogenen Stuhl saß, wusste ich gar nicht, wo ich anfangen sollte. Mir geht es im Vergleich zum letzten Termin so viel besser. Ich hab ihr also glücklich und strahlend von den Fortschritten in der Therapie berichtet. Und von meinem Leben, das langsam aber sicher endlich wieder in Ordnung kommt. Von der emotionalen Stabilität und meinem langsam zurückkehrenden Gefühlsempfinden. Ich war wirklich überschwänglich. Ich glaube ich hab selten so grenzdebil gegrinst, während ich was erzählt habe. Aber es war schön. Meine Ärztin hat sich wirklich für mich gefreut.
Und mit den Medikamenten wird es genauso laufen, wie es mir der Doc prophezeit hat.

Heute hat es leider doch nicht geklappt, dass mich eine Freundin besucht, die ich aus Neuseeland kenne. Sie hatte sich spontan gemeldet, weil sie vielleicht in meine Stadt fahren wollte. Das war schade. Aber obwohl ich mich wirklich drauf gefreut hatte, hat es mich nicht so zurückgeworfen, wie es das noch vor drei Monaten getan hätte.
Schließlich hatte ich auch so einen schönen Tag.
Zum Beispiel aufgrund eines wirklich ungewöhnlichen Kompliments. Ich habe auf dem Bürgersteig eine übergewichtige Frau überholt, als ich auf dem Weg in die Stadt war.
Als ich etwa einen Meter vor ihr war, hörte ich sie zu ihrer Tochter sagen: „So dürre Haxn…“ (Bayerisch für dünne Beine). Ich musste soo lachen, also in mich hinein – aber ich hätte mich gerne umgedreht und ihr gesagt, dass ich stolz auf meine Figur bin. Aber das wäre der armen Frau gegenüber gemein gewesen. Vor allem weil ich in der dünnen schwarzen Strumpfhose wirklich sehr schöne Beine habe :D

Auf dem Weg nach Hause hab ich Spargel gekauft :) und Eistee, weil ich vor Durst fast gestorben bin.
Zuhause hab ich den ganzen Nachmittag bis zum späten Abend auf dem Balkon gewerkelt. Ich musste schließlich meine biologische Schädlingsbekämpfung ausbringen, damit ich am Wochenende die Pflanzen auf den Balkon pflanzen kann – wenn mir das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht.
Und ich will die Meisen an mich gewöhnen, mittlerweile sind sie schon etwas weniger schreckhaft :)

Ich hoffe dass meine Spinne morgen kommt. Ich bin besorgt, weil DHL in der Sendungsverfolgung anzeigt, dass das Päckchen noch nicht mal beim Verteilerzentrum angekommen ist. Das kann doch eigentlich gar nicht sein? Die hatten schließlich einen Tag Zeit? Oh Mann… Ich ahne schon wieder böses…
Ich soll morgen auch zwei andere Päckchen bekommen – wird spannend. (Auf meinen Fire-TV-Stick freue ich mich schon sehr ;))

Ich informiere euch selbstverständlich morgen, ob mir das Glück hold war.
Ich wünsche euch einen schönen Abend und morgen tolles Wetter!
Sonnige Grüße, euer Fräulein Mit-Ganz-Viel-Gefühl

Advertisements

Minimal müde

Guten Abend!

Heute Morgen war ich ziemlich tot… Ich war gestern wirklich zu lange wach :/
Aber wer wird sich denn davon abhalten lassen?

Also ab an die Uni – zumindest war das der Plan. Aber dummerweise war ich zu verplant… Ich hab nämlich nicht bedacht, dass die Busse nach 8 nur noch unregelmäßig fahren – und wie sollte es anders sein, der den ich nehmen wollte fuhr natürlich nicht. Na ganz prima… 
Also die Beinchen in die Hand genommen und zu einer anderen Haltestelle mit anderen Linien gelaufen. Einer, die lediglich in die richtige Richtung fährt. Ich bin drei Haltestellen später wieder ausgestiegen und nochmal fünf-sechshundert Meter gelaufen. Kam natürlich zu spät… Aber naja, besser zu spät als gar nicht. Der junge Dozent fand es nicht schlimm.
Zum nächsten Kurs kam ich zum Glück pünktlich. Mein Prof für Englisch ist übrigens Amerikaner, ziemlich cool ;)
Er hat uns eine halbe Stunde früher nach Hause geschickt – Gott sei Dank. Ich war sooo müde, ich dachte ich kippe gleich vom Stuhl.
Ich bin einfach nur nach Hause gefahren und gelaufen, wie in Trance. Als die Haustüre hinter mir ins Schloss fiel, bin ich ins Bett gefallen. Naja, zeitlich war das Ganze etwas versetzt.
Als ich nach einer knappen Stunde wieder halbwegs auf dem Damm war, habe ich die Blau- und Kohlmeisen auf meinem Balkon beobachtet, die sich an den angebotenen Sonnenblumenkernen bedient haben – die sind so knuffig :)

Abends hatte ich Therapie. Und was soll ich sagen… Heute hat die Krankenkasse meinen Therapeuten eher dafür bezahlt, dass er mit mir geplaudert hat. Aber alles tiefgründige Themen, keine Sorge. Und eine weitere Sorge hat er mir genommen: Solange ich es nicht möchte, werden wir meine Medikamente nicht absetzen. Davor hatte ich wirklich Angst, jetzt, wo ich endlich stabil bin.

Am Donnerstag kommt mein kleiner Schatz zu mir nach Hause ;)
Ich weiß, das verstehen die meisten normalen Menschen nicht, aber ich freu mich so! Endlich endlich endlich!
Oh ich werde so ausflippen, ich weiß es jetzt schon :D

Gegen 20 Uhr habe ich angefangen Falafel zu kochen. Ich habe mir das eingebildet, als ich an den Dönerständen vorbei gelaufen bin. Und als ich das Ergebnis mit knackigem Gemüse und milder Ajvar-Joghurt-Soße in ein warmes Pita gepackt hatte, war ich mehr als nur glücklich und zufrieden mit dem Ergebnis. Das war so hammer lecker. Ich komm immer noch nicht drauf klar ^^

Das war’s erstmal von mir :)
Ich wünsche euch noch einen schönen Abend!
Liebe Grüße, euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Mein Vater & ich

Guten Abend meine Lieben!

Ich muss mich etwas kürzer fassen, weil ich ziemlich müde bin und heute wieder raus muss.

Der gestrige Tag war für Außenstehende betrachtet wahrscheinlich eher ereignisarm. Aber ich fand es so genau richtig :)
Ein großer Fokus lag gestern darauf, Zeit mit meinem Vater zu verbringen. Zuerst sind wir wie geplant zu den Pflanzen gefahren, die unter dem Sturm letzte Woche ziemlich gelitten haben.
Da wurde gegossen und mithilfe von Kerzen die Wärme reguliert und an dem Treibhaus rumgebastelt, weil es durch den Sturm ganz schön in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Auf dem Heimweg sind wir auf meinen Wunsch einkaufen gegangen – weil ich einen Großeinkauf machen wollte. Grundnahrungmittel die schwer sind :D
Mehl, Zucker, Saft etc.
Mein Dad hat darauf bestanden es zu bezahlen und ich hab mich sehr drüber gefreut. Das waren immerhin einige Kartons voll.
Die nehmen wir Montag mit zu mir nach Hause und tragen die in die Wohnung hoch. Dann hab ich erstmal wieder einen großen Vorrat an allem, was ich ansonsten wegen des Gewichts ungern meinen Berg hoch schleppen möchte.

Der Nachmittag stand ganz im Zeichen von Hefegebäck. Osterzöpfe wurden gebacken und anderer Kleinkram, darunter kleine Häschen aus Jogurt-Hefeteig die ich gemacht habe. Vegan natürlich, sonst habe ich heute ja nichts zu Essen.
Einen großen Teil meiner Energie und Zeit habe ich darauf verwendet einem Herrn eine Mail zu schreiben, der meiner Meinung nach nicht mehr alle Tassen im Schrank hat. Er ist ein Ernährungswissenschaftler, der allen ernstes behauptet dass Obst, Gemüse und alles was nicht tierischen Ursprungs ist, schädlich für Menschen ist. Dazu möchte ich hier gar nichts sagen, sonst muss ich mich bloß wieder aufregen.
Aber falls sich jemand ebenfalls so echaufieren will wir ich, Udo Pollmer heißt das arme Schwein. Der glaubt wirklich was er erzählt. Und man sieht es ihm auch an – aber Übergewicht ist ebenfalls absolut nichts bedenkliches, alles nur Panikmache. Ja, genau.
Meine Mail war übrigens genauso unsachlich, wie seine Argumentation. Aber das war okay, weil ich auch unsachlich immer noch kompetenter bin als er… ;)

Nachdem ich meinem Ärger Luft gemacht hatte, war ich ziemlich entspannt :D
Hab bis grade eben mit meinem Papa geredet. Darüber dass es ihn traurig macht, wie schnell mein Bruder und ich erwachsen geworden sind, weil wir so unsere eigenen Geschichten schreiben – in denen er immer seltener vorkommt. Ich kann das schon verstehen… Aber so ist das einfach, wenn die Kinder flügge werden, denke ich…
Und über unsere Pläne, Wünsche und Hoffnungen was die Zukunft angeht. Er würde gerne nach Österreich auswandern, zumindest für eine gewisse Zeit. Und ich möchte nach dem ersten Studienabschnitt ja wieder was von der Welt sehen. Über diesen Drang die Welt zu sehen, haben wir uns auch unterhalten. In seiner Generation haben den nämlich nur die wenigsten.

Ich liebe meinen Dad wirklich sehr. Bei ihm zu sein, gibt mir ein Gefühl von Geborgenheit, dass mir sonst fehlt. Und wir sind uns einfach so ähnlich, dass es schön ist bei jemandem zu sein, der mich versteht.
Und trotzdem kann ich ihm nicht von all dem hier erzählen. Dazu sind unsere Ansichten einfach zu verschieden… Alleine was die Medikation angeht… Er ist ja schon dagegen, dass ich mein Thyroxin nehme. Den Rest soll er lieber nicht wissen, ich denke das ist für alle Beteiligten das Beste.
Was nichts daran ändert, dass ich ihm ansonsten alles erzählen kann. Nur dieses Thema mache ich mit mir selbst aus – und zwar ziemlich erfolgreich.

Ich wünsche euch noch eine gute Osternacht und noch einmal frohe Ostern und eine schöne Zeit mit euren Lieben!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Soviel zum Thema Normalität

Guten Abend allerseits!

Also über das Wetter will ich mich nicht mehr beschweren, meinen Frust habe ich ja heute Nachmittag schon publiziert. Aber ich finde es einfach erstaunlich, wie perfekt momentan das Klischee vom Aprilwetter erfüllt wird. Vier verschiedene meteorologische Phänomene innerhalb von einer Stunde. Fantastisch. Wetterumschwungs-Party!

Die heutige Therapiesitzung war absurd. Wirklich, jenseits von jeder Art von „normal“.
Ich hatte heute nichts, worüber ich reden wollte. Normalerweise lege ich mir immer in den Tagen zwischen den Therapiesitzungen Themen zurecht, über die ich gestolpert bin und über die ich mit dem Doc reden möchte. Diese Woche war nichts außergewöhnliches passiert und auch ansonsten brannte mir nichts auf der Seele.
Also bin ich rein in das Zimmer, hab mich auf meinen Sessel gesetzt und gewartet. Dann haben wir etwas über das Wetter geredet und schließlich sind wir vom hundertsten ins tausendste gekommen. Das sagt man ja immer so.
Über meine Mutter zu meinem Tattoo und darüber zu Büchern und darüber zu starken Charakteren und darüber zu Jeanne d’Arc und meiner Aufmüpfigkeit. Das führte wiederum zu einer Diskussion über Rechthaberei und meine Oma und das wiederum zu Ostern und den Christen allgemein und diesem und jenem und ich kann mich gar nicht mehr an alles erinnern. Es war verrückt.
Er hat selbst am Ende der Stunde angemerkt, dass sie eindeutig nicht wie die anderen war. Zeitweise sehr philosophisch angehaucht.

Auf dem Heimweg habe ich beschlossen mir eine Flasche Wein zu kaufen, weil ich dachte dass ein bisschen Alkohol meine Kreativität vielleicht etwas anregen würde. Die Idee schwirrte schon seit Tagen in meinem Kopf herum. Es ist zwar nur ein leichter Rosé, aber selbst von 100 ml davon hatte ich schon ordentlich einen im Tee -.- das mit dem Trinken lass ich lieber sein. Ich wurde nämlich auch nicht kreativ sondern nur müde.
Vielleicht sollte ich Whiskey trinken, das trinken doch starke Persönlichkeiten immer. Und wenn ich grade dabei bin, dann kaufe ich mir noch eine Pfeife – der Inspiration wegen.
Okay, genug geblödelt. Ich versuch’s morgen mit der Hälfte der Menge nochmal. So schlimm können die Tabletten das doch gar nicht putschen?

Als ich mit dem Wein im Bus nach Hause saß, setzte sich so ein Metaler (kein Plan wie genau man das schreibt) mir gegenüber. Der hatte in etwa so viel Haare auf dem Kopf wie ich. Und hat Musik gehört. Dabei musste ich an meine Metal Eskapaden in letzter Zeit denken und lächelte vor mich hin, weil ein Lied in meinem Kopf anfing zu spielen. Als ich meinen Blick vom Fenster in seine Richtung wendete, schaute er schnell weg. Aha! Erwischt :D
Bis ich aussteigen musste haben wir uns ein paar Mal zugelächelt und als ich ihn ansah, als der Bus an mir vorbei fuhr, mussten wir beide lachen.
Seltsame Kerle habe ich schon immer angezogen. Deshalb fand mein Bruder meine Jungs bisher immer cool. Wenigstens das ist noch normal. :P

Übrigens bin ich heute seit genau vier Monaten in Behandlung. Vor vier Monaten bin ich zum ersten Mal unsicher in’s Klinikum gelaufen um meine Entscheidung, mein Leben wieder auf die Reihe zu kriegen und gesund zu werden, in die Tat umzusetzen.
Das heißt auch dass ich seit vier Monaten mein Leben physisch mit Medikamenten stabilisiere. Eine ziemlich lange Zeit und doch kommt sie mir so kurz vor. Erstaunlich wie schnell die Zeit vergeht…

Ich wünsche euch noch einen schönen Abend, vielleicht ja auch mit Wein? À votre santé!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Im Süd-Osten nichts neues…

Guten Abend!

Heute bin ich zum jetzigen Zeitpunkt schon über 12 Stunden wach, das gab es schon lange nicht mehr. Aber ich bin heute morgen schon vor meinem Wecker aufgewacht und bin dann sogar aufgestanden, schließlich wollte ich die Sonnenfinsternis ja sehen.
Hab mich dann mit meinem Frühstück auf den Balkon in die noch vollständige Sonne gesetzt und ein bisschen Jazz gehört während ich die Blaumeisen beobachtet habe. Ich hoffe ich kann sie durch Futter überzeugen, dass ich ihnen nichts böses will.
Hab dann auch gesehen, weshalb ich draußen saß, diese partielle Finsternis war schon interessant. :)

Am Nachmittag bin ich dann in die Stadt gefahren um meine Medikamente abzuholen. Die neuen Tabletten sind riesig! Dass die bei der doppelten Dosis auch doppelt so groß sind, hätte ich nicht erwartet.
Wieder zuhause habe ich dann einen Antrag der DKMS zur Knochenmarkspende ausgefüllt, in ein paar Tagen kommt dann das Briefchen mit den Wattestäbchen.
Ich konnte mich früher aufgrund meiner Nadel-Phobie nicht dazu durchringen. Aber da ich ja mittlerweile, durch eine stoische Grundhaltung, in der Lage bin mich anpieksen zu lassen, hab ich keinen Grund mehr feige zu sein. Wer weiß, vielleicht kann ich ja jemandem helfen, der größerer Probleme hat als ich.

Das war’s dann auch schon von mir, heute war kein ereignisreicher Tag.
Ich wünsche euch noch einen schönen Abend! :)
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl