Standing at the end of the final masquerade…

Guten Abend meine Lieben…

Den heutigen Titel habe ich aufgrund des wirklich traurigen Freitodes von Chester Bennington gewählt… Ich hab Linkin Park immer gehört wenn es mir nicht so gut ging und das ist noch heute so. Heute ganz besonders, einfach nur im Gedenken an jemanden, der Aufgeben wollte… Der nicht mehr kämpfen konnte…  Wer denkt da nicht manchmal drüber nach…

Ich kämpfe weiter. 

Ich bin jetzt seit zwei Wochen in der Tagesklinik. Mit allen möglichen Therapien: Kunst, Bewegung, Tanz, Yoga, PME, Entspannungstraining, Stressbewältigung, Sozialkompetenz etc..

Es ist anstrengend und manchmal sehr aufwühlend… Viele Dinge kommen zurück an die Oberfläche, die schon lange verborgen waren.

Ich befinde mich im Umbruch… In jeder Beziehung. Auch in der Beziehung.
Und da trifft es „Final Masquerade“ dann gut… 

The light on the horizon
Was brighter yesterday
Shadows floating over
Skies begin to fade
You said it was forever
But then it slipped away…

Entscheidungen stehen an. Leicht wird es sicher nicht. Ich werde mich wieder melden :)

Alles Liebe, euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl 

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Ratet mal, wer wieder da ist

Guten Abend!

Die Stadt ist von einem grauen Schleier aus Nieselregen überzogen, der Blick aus dem Fenster ist höchst deprimierend. Aber macht nichts, ich war trotzdem mit der Vespa einkaufen. Bin ja nicht aus Zucker – zumindest, wenn man meinen Stammkunden im Restaurant nicht glaubt ;)

Ich weiß, dass ich euch vor vier Tagen gesagt habe, dass ich euch noch vom Wochenende erzählen werde – aber ehrlich gesagt kommt es mir jetzt nicht mehr sonderlich spektakulär vor. Da erzähle ich euch lieber ein paar frische Geschichten.

Montag Nachmittag hätte ich eigentlich den Termin bei meinem HNO-Arzt wegen der OP gehabt, der wurde aber verschoben. Also hab ich mich nach dem Anruf nochmal hingelegt und danach ein bisschen Sherlock geguckt. Bis es plötzlich an der Tür geklingelt hat. Ich war ziemlich erstaunt, ich habe schließlich weder ein Päckchen noch Besuch erwartet. Als meine beste Freundin davor stand, war ich kurzzeitig mit der Gesamtsituation überfordert.
Und ein bisschen genervt von mir selbst, weil die Wohnung so ausgesehen hat. (Natürlich hat sie mir zwanzig Mal versichert, dass ihr das nichts ausmacht – aber trotzdem)

Also erstmal angezogen um mit ihr in die Stadt zu fahren, wo wir dann auch den ganzen Tag geblieben sind. Ein kleines bisschen Shoppen und Geburtstagsgeschenke kaufen war angesagt. Abends haben wir und Pizza geholt und nen Film geschaut, bis sie auf der Couch eingeschlafen ist.
Im Bett haben wir dann noch etwas gequatscht, bis mir auch die Augen zugefallen sind – war auch besser so, ich hatte schließlich Dienstag Morgen Uni. Dorthin hat sie mich nach dem Frühstück auch gefahren, bevor sie sich auf den Heimweg gemacht hat. Mittlerweile sieht die Wohnung etwas besser aus :P
Die Sprachkurse liefen beide zufriedenstellend, hab bei den Listenings gut abgeschnitten :)
Abends hab ich noch meinem Therapeuten von meinem WE erzählt, ansonsten war der Dienstag angenehm ruhig.

Weil ich ziemlich müde war, hab ich Mittwoch ziemlich lange geschlafen. Als ich um 14 Uhr auf mein Handy geschaut habe, hab ich mich fast erschreckt: Anrufe, SMS und Nachrichten. Was da los war? Mein Chef hat versucht mich zu erreichen. Ich bin wiedermal für einen Kollegen eingesprungen – aber sehr sehr gerne, ich bin vor Freude gehüpft, als ich die Mailbox abgehört habe.
Le Chef hat mich dann auch zuhause abgeholt und ist mit mir noch in den Großmarkt einkaufen gegangen, bevor wir in der Arbeit reingeschneit sind. Mein Job <3
Ich arbeite wirklich gerne dort und auch gestern war wieder super. Mehr los als sonst – I like.
Das erste Mal habe ich auch Trinkgeld mit nach Hause nehmen dürfen ^^ muss ich mal nochmal nachfragen, wieso ich die letzten zwei Male nichts abbekommen habe, das hat meine Kollegin wohl „vergessen“. Hm.
Mittlerweile hat mein Chef auch erwähnt, dass im Arbeitsvertrag eine Klausel im Kleingedruckten war, durch die ich mit meiner Unterschrift zustimme ihn zu heiraten :D
Der scheint mich ja wirklich sehr zu mögen – aber keine Sorge, er fasst mich nie an oder so. Wir lachen nur immer gemeinsam mit der gesamten Crew über seine/unsere „Zukunftspläne“. Ob ich da wohl wieder rauskomme :P

Ist momentan aber nicht mein größtes Problem, nein, Kryptonit lässt grüßen.
Seit heute Morgen führe ich einen stetigen Kampf gegen ebendieses. Mein herzallerliebster (haha) Kryptonit-Mensch hat mich auf Whatsapp wieder entblockt. Beim routinemäßigen durchscrollen meiner Kontakte bin ich fast vom Bett gefallen. Was’n da los?
Auf diese Frage kann ich euch auch noch keine Antwort geben, ich werde mich auch davor hüten, noch mehr darüber nachzudenken. Der wird schon sagen, wenn er was will. Argh.

My head’s under water, but I’m breathing fine.

Aber ich bin emotional stabilisiert, dieser kleine Schachzug bringt mich nicht zum Straucheln. Pah. Keine Ahnung was er damit bezweckt, aber wir werden sehen. Irgendwie war es ja klar :P
Außerdem ist sein Status bei Whatsapp eine Songzeile aus dem neuen Song von Sarah Connor. Hah, gay! Da musste ich direkt skeptisch die Augenbrauen hochziehen, was ist denn in den letzten sieben Monaten passiert? Der Kryptonit-Mensch, den ich kenne, hätte niemals sowas gehört – was ich sehr gut fand, solche Musik ertrage ich nämlich wirklich nicht…

Sachen gibt’s. Ich werde mir jetzt noch Abendessen machen und ein bisschen Serien schauen, ich habe vor mit House of Cards anzufangen. Sherlock habe ich mit großem Vergnügen durchgesuchtet und nach der finalen Game of Thrones Episode war ich emotional sowieso am Ende. Schwer traumatisiert. Was sollte das? Was ist nur los mit den Leuten…
Ich wünsche euch noch einen schönen Abend!
Euer gegen ihre Schwäche ankämpfendes Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Eine gute Schwester

Guten Tag :)

Ich bin eine gute Schwester :D diese Behauptung stelle ich jetzt einfach mal völlig zurecht auf. Und eine halbwegs gute Enkelin und Tochter übrigens auch, nur für’s Protokoll.

Der gestrige Tag stand ganz im Zeichen der Familie. Mittags Mama, Nachmittags Opa und Oma, Abends und Nachts mein Bruder.
Gegen halb zwölf sind meine Mutter und ich in die Stadt auf einen regelmäßig stattfindenden Flohmarkt gefahren, um mich mit Büchern und etwas Geschirr einzudecken. Meine Mutter selbst hat nur eine Vase gekauft, mir aber dafür meine wenigen Errungenschaften spendiert. Um fünf Bücher, einen Wok und einen Krug reicher traten wir die Heimreise an, wobei wir die ganze Zeit ohne Streitigkeiten verbracht haben.
Am Nachmittag haben mein Opa und ich im Garten Erde abgefüllt, damit ich sie zuhause für meinen Balkon benutzen kann. Dafür geeignete Gefäße alias Balkonkästen und Blumenkübel haben wir auch gleich hergerichtet. Morgen müssen wir das nur alles in die Wohnung hochtragen (und der Weg in den dritten Stock kann ja sooo lang sein), was mich mit einer unglaublichen Vorfreude erfüllt…

Mein Bruder wollte seinen 18ten Geburtstag mit seinen Kumpels in einer Kneipe feiern, weshalb ich von meiner Mutter mit der Aufgabe betraut wurde, ihn dort hinzufahren. Wieder mal machte ich mich als große Schwester nützlich und spielte Chauffeur – wobei ich keine Qualifikation dazu hätte, solange ich Schaltwagen fahren muss, das jahrelange Automatik-Fahren rächt sich hierbei.
Also hab ich ihn und einen Freund dorthin kutschiert, den Wagen an einer am Hang liegenden Ampel fulminant abgewürgt und mich in Grund und Boden geschämt :D
Zum Glück hatte ich via Aux-Anschluss wenigstens gute Musik und konnte mich damit von den Peinlichkeiten ablenken, die mein Versagen an der Kupplung verursacht hatte.

Wieder zuhause kam die nächste schwesterliche Tat, indem ich meinem Brüderchen einen Kuchen gebacken habe. Vielleicht ist es dem ein oder anderen aufgefallen, aber backen ist mein Steckenpferd. Und da meine Mutter seit Jahren immer die selben, langweiligen Kuchen (hauptsache es geht schnell und einfach, da nimmt sie auch schon mal Backmischungen *kopfschüttel²*) backt, hat er sich bei mir einen Apfelkuchen gewünscht, weil ich seit Neuseeland weiß, wie man einen ordentlichen „Apple Pie“ macht.
Der ist selbstverständlich zeitaufwändig und den Teig habe ich schon bevor ich ihn gefahren habe gemacht und kaltgestellt. Als ich (inklusive Auto und Getriebe) wohlbehalten zurück war, habe ich die ebenfalls schon vorbereiteten Äpfel zu einer Füllung verkocht und den Kuchen zusammengebastelt. Der Clou bei der ganzen Sache war die Dekoration des „Deckels“ – Pies haben ja immer einen Deckel, in dem Löcher sind damit der Dampf entweichen kann – die bestand nämlich aus einer „mano cornuta“, dem typischen Handzeichen der Metal-Gemeinde (der mein Bruder ja „angehört“), inmitten von Kreisen. Sieht sehr cool aus und hat ihn auch ziemlich überrascht, Mission complete.

Als der Pie fertig war, habe ich wie jeden Samstag Navy CIS geguckt und mich dann gegen Mitternacht ins Bett gelegt und meine Hörbücher weitergehört. Bis das Telefon klingelte – mein Bruder, der mich bat ihn abzuholen.
Den mehr oder weniger armen Kerl haben seine Freunde mit Tequila abgefüllt und um 01:30 Uhr war’s ihm dann zuviel. Ich und die Gangschaltung des Teufels (wirklich, das Auto ist schlimmer als alle anderen, die ich sonst so fahre) haben uns also wieder auf den Weg gemacht, in Jogginghose versteht sich.
Nachdem ich ihn abgeholt hatte und wir wieder zuhause waren, hat er mir noch ein Youtube-Video vom letztjährigen „America’s Got Talent“-Gewinner gezeigt und ich bin dann ins Bett gefallen. Ich habe seit Tagen nicht mehr als sieben Stunden pro Nacht geschlafen :( (heute Nacht übrigens auch wieder nicht viel mehr…)

Heute also, Sonntag, ist die Familie da. Geburtstag feiern heißt ja im übertragenen Sinne, bei Kaffee und Kuchen Smalltalk bis zum Erbrechen zu betreiben. Ich freu mich schon. Haha. Meine Mutter ist heute wieder unmöglich – hat an jeder meiner Bewegungen was auszusetzen. Ich glaube ich nehme mal prophylaktisch eine kleine Hilfestellung um ruhig bleiben zu können. Ich bin nämlich schon wieder kurz davor, meiner Mutter an den Kopf zu werfen, dass sie ihre Neurosen an jemand anderem auslassen soll. Grade hetzt sie auch wieder meine Tante auf mich, das kann ja heiter werden. Ich rüste mich mal für den Kampf…

Bis später meine Lieben!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Alles kommt anders als man denkt!

Guten Abend meine Lieben :)

Ich bin heute wesentlich entspannter als gestern um diese Zeit. Und warum, fragt ihr euch? Ich will es euch gerne erklären:

Heute Nachmittag kam meine Mitbewohnerin nach Hause, hat sich in den Türrahmen gestellt und mir eröffnet, dass sie auszieht. Und dass sie mir Geld dafür gibt, dass sie ihre Sachen in meinem Keller lagert. Ich habe nur genickt und gemeint, „kein Problem“.
Ich war zwar erstaunt gewesen, aber nicht emotional berührt. Ja, gewissermaßen war ich selber erschrocken über meine Kälte. Ich habe nie verstanden was meine Mutter damit gemeint hat, dass ich genauso kalt wäre wie mein Vater. Bis heute.
Und hätte sie angefangen zu Weinen oder sonstwas, es wäre in meiner Gleichgültigkeit untergegangen. Das ist zwar beängstigend, aber auch beruhigend. Ich kann weitermachen, weil mein Kopf mittlerweile alles rational sieht. Keine Emotionen – keine Gefühle – keine Schmerzen. Mit-Ohne-Gefühl eben.

Also legte sie eine Papiertüte mit Geld auf das Kästchen im Gang und fing an ihre Sachen zusammen zu packen. Ich habe ihr mehrmals angeboten ihr dabei zu helfen, oder beim Tragen – aber sie hat abgelehnt. Ihre Sache. Das war eine Art kindischer Trotz. Ich meine, soll sie doch sauer auf mich sein soviel sie will, ihr gutes Recht. Aber mich ihr helfen lassen hätte sie schon können.

Ich habe während sie ihr Zeug rausgetragen hat die Wohnung aufgeräumt und geputzt, damit ich nicht dumm in der Gegend rumstehe. Und ich habe angefangen für morgen ein bisschen zu lernen, die PDF-Dateien durchgescrollt, Sachen ausgedruckt. Die lese ich nach diesem Eintrag nochmal durch und dann mach ich das morgen schon irgendwie.
Als sie die letzte Kiste durch die Tür trug meinte sie nur „Tschüss!“ und ich ebenfalls nur „Tschüss!“. So ging das also zu Ende.
Anders als ich dachte. Schneller als ich dachte.
Aber gut, es war ihre Entscheidung. Von mir aus hätte sie noch bleiben können, aber so ist es wohl besser. Ist ja auch ein bisschen ein Sieg. Das Leben lehrt einen Kämpfen – und dass der Zweck die Mittel heiligt. Auch wenn dieser Sieg bedeutet, dass ich meine Freundinnen aufgegeben habe. Opfer müssen gebracht werden. Und solange ich stolz in den Spiegel schauen kann, bereue ich keine einzige Entscheidung.

Jetzt bin ich wieder alleine. Endlich. Und ich habe so viel Platz, das ist mir erst jetzt bewusst geworden. Und die Wohnung ist nach wie vor schön – hab sie heute geputzt. In dem Zustand könnte ich sogar meine Mutter reinlassen!
Und nun kann ich wieder laut Musik hören. Die Musik die ich gut finde. Auch depressiven Deutsch-Rap. Lange baden. Lange ausschlafen, lange aufbleiben. Meine amerikanischen Krimi-Serien schauen. Nachts weinen und schreien. Auf dem Balkon rauchen. Vielleicht mal jemanden einladen. Oder gar jemanden mit nach Hause bringen, in ein paar Monaten, wenn es besser ist.

Ich bin gern allein. Ich habe nur mich gebraucht, bevor ich anfing von der Liebe anderer Menschen abhängig zu werden. Und ich brauche jetzt wieder nur mich. Von anderen habe ich mich losgesagt. Es gibt ohnehin nur noch wenige Menschen, deren Liebe mir etwas bedeutet. Ich bin gerne allein.

Ist auch besser, wenn ich weiß dass mich so keiner sieht. Dass mich keiner weinen sieht. Dass keiner meine zitternden Hände sieht, wenn ich eine der kleinen gelben Pillen zwischen meine Lippen schiebe. Dass keiner den leeren Blick sieht, mit dem ich vom Balkon aus durch den Rauch in die Dunkelheit starre.
Es ist besser so, allein. Alleine sein bedeutet schließlich nicht, dass man einsam ist.

Heute in einer Woche bin ich nicht mehr allein. Ich besuche meine beste Freundin und meine Stieffamilie. Dann heißt es wieder „Bühne frei“. Eine Woche Normalität. Alles abschalten, den Reset-Knopf drücken. Wie eine Parallel-Welt. Eine kleine Auszeit. Urlaub von mir selbst.

Bis dahin muss ich nur noch zwei Klausuren schreiben. Einmal Therapie habe ich auch noch. Ansonsten kann ich mir Zeit für das nehmen, was mir wichtig ist, was mir Spaß macht. Freiheit. Freiheit. Zumindest scheint es so… aber es kommt eh alles anders als man denkt, also wer weiß was nächste Woche ist?

Einen schönen Abend noch und liebe Grüße!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Ein steiniger Weg…

… bedeutet noch lange nicht, dass es der falsche ist.

Einen schönen guten Abend allerseits!

Es ist jetzt 21 Uhr und ich resümiere jetzt mal die letzten zwei Tage – ereignisreiche Tage.

Montag fing anders an, als gedacht. Wir hatten am Sonntag zu dritt bis um zwei Uhr nachts den Superbowl angeschaut, bis es uns zu blöd und zu spät wurde. Nach der Halftime-Show war dann endgültig Schluss. Die beiden Mädels gingen schlafen und ich ins Bett. Die Formulierung ist wörtlich zu nehmen und kein Zufall: ich habe nämlich nicht geschlafen.
Die ganze Nacht nicht.
Als es als halb drei war, wollte ich eigentlich schlafen, konnte aber nicht. Und so probierte ich rum, so hinlegen, anders hinlegen. Musik, keine Musik. Licht aus, Lichterkette an. Hat alles nix geholfen, also hab ich angefangen mit dem Handy rumzuspielen… Das hat auch nicht geholfen… Dann war es vier.
Und ich genervt… irgendwie war ich immer noch nicht wirklich fertig genug um zu schlafen – im Nachhinein denke ich mir nur: „Warum hast du dummes Kind keine Tablette genommen?!“
Ich habe Recht. Ich hätte nicht durchmachen müssen, wenn ich einfach eine Tablette genommen hätte. Aber so wurde es langsam aber sicher immer später, um fünf Uhr morgens habe ich mit dem Bruder meiner besten Freundin gechattet, der mir auch das Superbowl-Endergebnis sagen konnte – und um sechs Uhr habe ich beschlossen, dass ich einfach wach bleibe. Der Nebel war so kalt eisblau an diesem Morgen, so einen Blick hatte ich noch nie wenn ich aus dem Fenster geschaut habe. Und er tauchte alles in ein kaltes Licht.
Ich hab mich noch bis acht Uhr beschäftigt, mit Game of Thrones im Internet streamen, bevor ich mich auf den Weg zum Bäcker gemacht habe.
Also so wach war ich Montag morgen um acht schon lange nicht mehr :D

In meinen Augenringen hätte man zwar Drogen schmuggeln können, aber ansonsten ging es mir gut. Der morgendliche Spaziergang war schön, die Luft kalt und klar, es schneite – und auf den Straßen lag Schnee. Ich bin wie ein „retarded Penguin“ die Straße runtergetrippelt, um auf der matschigen Schicht nicht auszurutschen. So habe ich doppelt so lange gebraucht wie sonst, aber ich kam heil und sauber unten an.

Beim Bäcker hab ich Brötchen und Croissants (für meine Mitbewohnerin samt Besuch) geholt. Ein Saft hat sich auch noch in meinen Jutebeutel geschlichen und dann ging es wieder nach Hause – diesmal bergauf und weniger trippelig.

Dann habe ich die Dinger in der Küche in den Brotkorb und so lange in meinem Zimmer, bei offener Tür, weiter meine Serie geschaut, bis gegen halb elf die Damen aufgestanden sind. Zu dem Zeitpunkt war ich bereits 25 Stunden wach. Aber es ging mir gut.
Dann haben sie gefrühstückt (wobei ich darauf hinweisen musste, dass die Croissants für die beiden sind) und sich fertig gemacht – die Freundin musste zum Bahnhof.
Ich hab weiter in meinem Bett gelegen und den Bildschirm betrachtet. Hab beschlossen, dass das arg sinnlos ist und stattdessen die Küche aufgeräumt und geduscht. Ich musste wachbleiben. Mindestens bis 18 Uhr. Und es war erst 13 Uhr. 27 Stunden.
Die ganze Aktion war ziemlich hart, ab 14 Uhr war ich nämlich hundemüde. Aber ich durfte nicht schlafen, also habe ich angefangen zu kochen – Nudeln für einen Nudelsalat. Als der fertig war, kam meine Mitbewohnerin auch vom Einkaufen zurück. 15 Uhr. 30 Stunden.

Die nächsten zwei Stunden lassen sich einfach zusammenfassen: Zombie. Ich war nicht richtig da, aber auch nicht richtig weg. Bis ich einen folgenschweren Fehler machte. Ich sprach meine Mitbewohnerin auf die Sache mit der Miete an.
Die Vorgeschichte: Wir haben am Anfang ausgemacht, dass sie für eineinhalb Monate bleibt – ergo auch für eineinhalb Monate zahlt. Am Donnerstag habe ich sie gefragt, ob ihre Mutter die halbe Miete für die Februar-Hälfte dieses Mal überweisen kann. Sie sagte sie fragt mal. Am Freitag Nachmittag hab ich nachgefragt, ob schon was rauskam, worauf sie nur sagte, dass ihre Mutter nichts mehr zahlen will, weil sie ja nur 30 Tage insgesamt bei mir wohnt. Das finde ich nach wie vor ein völlig unsinniges Argument – ich bin schließlich kein Hotel in dem man die Nächte bezahlt. Ich habe nur gesagt, dass ich gerne mit ihrer Mutter rede, wenn sie sie nicht überzeugen kann.
Am Montag dann, habe ich erneut nachfragen müssen. Da kam folgender Satz: „Ich habe mit den anderen (unsere gemeinsamen „Freundinnen“) drüber geredet und die meinen, ich würde mich zum Deppen der Nation machen, wenn ich das zahle.“ Ich war erstmal baff. Und dann wurde ich wütend. Wieso bitte sagen die anderen das? Was haben die denn damit zutun? „Ich habe sie um Rat gefragt.“ Soso. Alle miteinander? (Ich habe heute erfahren, dass sie alle gemeinsam in einem Restaurant gegessen haben, als ich am Freitag nicht konnte. Finde ich unmöglich da über mich zu reden und mich hinter meinem Rücken auszurichten. – Das sehen meine „Freundinnen“  übrigens anders.) Spätestens dann wurde ich traurig. Ich erkannte, dass sie mit den Mädels seit Tagen hinter meinem Rücken über mich geredet haben muss und niemand hielt es für nötig mir irgendwas ins Gesicht zu sagen. Hätte ich nicht nachgefragt, wer weiß, wann meine Mitbewohnerin das Maul aufgekriegt hätte. Entschuldigt den „verbalen“ Ausrutscher, aber ich bin nach wie vor wütend auf sie und diese Aktion.
Die Damen haben also einstimmig beschlossen, dass ich eine schreckliche Freundin bin und absolut kein Anrecht auf das Geld habe, da meine Mitbewohnerin nur 30 Tage bei mir gewohnt hat. Alles andere soll ich gefälligst als Freundschaftsdienst sehen. Und schämen soll ich mich am Besten auch gleich noch. Sie so über den Tisch ziehen zu wollen. Wo sie doch so viel für mich getan und ausgegeben hat. Die drei Euro Benzin oder was?
Ja genau. Alles was ich will, ist sie über’s Ohr hauen und ihr das Geld aus der Tasche ziehen. Haha.
Dass ich lediglich nach dem Betrag der am Anfang ausgemacht wurde gefragt habe, findet keiner in Ordnung.
Und nur für’s Protokoll: Das Geld, das sie in irgendeiner Weise für mich ausgegeben hat, steht in keiner Relation zu meinen Ausgaben, geschweige denn der Miete. Punkt.

Nunja. Da saß ich also im Wohnzimmer und musste mir das anhören. (Mein Therapeut meinte heute, dass ich mich eigentlich nicht rechtzufertigen habe – weil ich im Recht bin und mein Anspruch legitim ist. Ich tat es trotzdem und tue es immer noch.) Und ich habe mich gerechtfertigt, bevor ich das mit den Anderen gehört habe.
Da bin ich aufgestanden, gegangen, hab die Tür hinter mir zugemacht und hab mich in mein Bett gelegt. Und geweint. Weil ich die Welt nicht mehr verstanden hab. Wie konnten mir meine „Freundinnen“ geschlossen in den Rücken fallen? Was denken die überhaupt von mir? Und wie kommen die zur Hölle auf den Gedanken, dass ich meine Mitbewohnerin um ihr Geld betrügen wollen würde!? Ich bin dann aus der Whatsapp-Gruppe ausgetreten, weil diese Leute für mich durch waren. Freundschaft bedeutet gegenseitiges Vertrauen. Und das kann ich beim besten Willen weder auf ihrer noch auf meiner Seite mehr erkennen.

Da lag ich. Nach einer Viertel Stunde die ich durchgeweint hatte, weil mein Vertrauen in diese Mädchen einfach auf dem Boden zersprungen ist und die Splitter weh taten, begannen die Tabletten – die ich geistesgegenwärtig eingeworfen hatte – zu wirken. Es war ja auch 18 Uhr und ich seit 33 Stunden wach. Ich wurde ruhiger und war schon kurz vor’m einschlafen, als es an der Tür klopfte. Nur ein „Lass es einfach“ und ansonsten keine weitere Reaktion meinerseits. Aber jetzt war ich wieder wach. Nach einer weiteren Viertel Stunde stand sie wieder vor der Tür (wohl weil die anderen sie gefragt haben, warum ich wortlos aus der Gruppe ausgetreten bin) und obwohl als ich sagte, sie solle gehen, machte sie die Tür auf.
Da stand sie im wahrsten Sinne des Wortes zwischen Tür und Angel und begann zu diskutieren. Ich verteidigte mich, meinen Standpunkt, meine Reaktion und musste mir weitere Anschuldigungen und Vorwürfe anhören. Ich wurde wirklich aufgebracht, als sie schließlich anfing auf meiner Krankheit rumzuhacken. Nur weil ich gesagt habe, dass es mir schon schlecht genug geht und ich mir selber schon genug Vorwürfe mache, da brauch ich mir nicht auch noch die von anderen geben. Ich solle mich mal zusammenreißen und überhaupt, wie ich da in Selbstmitleid versinke, das geht so nicht weiter! Dass ich die letzten Tage überaus aktiv am Leben teilgenommen habe, könnt ihr ja selber nachlesen. Ich hatte also absolut keine Ahnung wie ich jetzt auf die haltlosen Vorwürfe reagieren soll. Mehr als ihr genau das zu sagen, konnte ich nicht tun. Und vor allem sagte ich, dass es mir reicht. Ich wollte nicht mehr diskutieren. Ich war müde, auf Tabletten und furchtbar traurig, wie mich mein Umfeld wahrnimmt.

Sie meinte, wir würden morgen nochmal reden. Sie wünschte mir eine gute Nacht und viel Glück bei der Prüfung heute. Ich sagte nichts mehr. Endlich schloss sie die Tür. Ich konnte jetzt natürlich nicht schlafen. Zweite Hälfte der Tablette. Habe meiner besten Freundin geschrieben, dass ich nicht weiß was ich tun soll. Und dann ging es los. Sowas habe ich ja noch nie erlebt.
Ich hatte Halluzinationen, zumindest denke ich, dass die sich so abspielen. Ich kenn mich da ja nicht so aus.
Aber das Valium lies mein Bett schaukeln, als wäre es eine Schiffschaukel auf dem Volksfest (Kirmes, für die Nicht-Bayern). Das Handy-Display änderte ständig seine Form, Farbe und Beschaffenheit. Ich fühlte meine Finger eine Nachricht tippen, ich sah nach einem Blinzeln aber, dass sie sich keinen Zentimeter bewegt hatten. Lauter solche Scherze. Die Kombination aus den Tabletten, dem Schlafmangel und meinem Versuch meine Augen offen zu halten war eindeutig nicht optimal :D
Kurz, das Zeug ist heftig und ich sollte nie wieder versuchen wachzubleiben, wenn es anfängt zu wirken. Die Nachrichten an meine Freundin waren überraschenderweise gar nicht so konfus. Was für eine Nacht.

Heute morgen bin ich aufgestanden und hab gefrühstückt und bin zum Bus und damit zur Prüfung – wie ein normaler Mensch.
Bin ganz stolz auf mich.
Die Prüfung habe ich übrigens grandios in den Sand gesetzt (über diese Formulierung musste sogar mein Psychiater lachen). Damit meine ich, dass ich erstens nicht viel wusste und zweitens auch meinen letzen Anspruch auf Punkte verspielt habe, weil – bitte einmal festhalten – ich die Prüfung auf Englisch geschrieben habe und nicht auf Deutsch. Ich Depp. Mehr fällt mir dazu wirklich nicht ein. Aber ich bin stolz auf mich. Ich hab die Textanalyse komplett in Englisch geschrieben, ohne Wörterbuch und trotzdem ist sie gut geworden. Ich habe mich schon gefragt, warum wir keins benutzen dürfen – klar, weil wir für eine Antwort auf Deutsch auch keins brauchen.
Also, Prüfung versemmelt, aber mit Stil :D
Hab übrigens noch einen Kommentar à la „Entschuldigen Sie bitte, dass es nicht das ist was Sie wahrscheinlich lesen wollten. Danke, dass Sie es trotzdem gelesen haben! Einen schönen Tag noch!
PS: Hätte ich das hier etwa auf Deutsch schreiben sollen??“ darunter gesetzt. Typisch ich.

Auf dem Weg nach Hause habe ich vor mich hingesungen. Ein Zeichen dafür, dass es mir gut ging. Warum? Das hab ich mich auch gefragt. Nach gestern Abend… Aber das war auch die Antwort: ich bin eine Kämpfernatur. Hab mich seit jeher gegen meine Mutter und gefühlt den halben Rest der Welt behaupten müssen. Und ich habe gelernt, dass aus Wut große Stärke hervorgeht. Und jetzt kann ich wieder kämpfen. Dafür, dass ich verdammt nochmal bekommen, was ausgemacht war. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. 
Ich habe im Übrigen nicht vor zu versuchen meinen Ruf bei den Anderen zu rehabilitieren. Das Thema ist für mich solange gegessen, bis sich irgendwas Neues ergibt. Und sollten wir nicht irgendwie wieder zusammen kommen, dann ist es eben so. Ich bin ohnehin ein Einzelkämpfer. Schon immer.

Den Nachmittag habe ich in meinem Zimmer verbracht, nachdem ich zu Fuß einkaufen war. Die Sonne draußen hat gut getan. Abends bin ich zur Therapie gegangen. Ich habe meinem Doc mein Herz ausgeschüttet und er meinte, dass ich im Recht sei. Und dass ich mir nicht so viele Gedanken über meine „Freundinnen“ machen soll. Und das er das Verhalten meiner Mitbewohnerin schäbig findet. (Schäbig ist mein Wort des Tages, das werde ich ab jetzt öfter benutzen!)
Jetzt weiß ich zumindest, dass ein rationaler Erwachsener genauso denkt wie ich. Also liegt es nicht an meinem abgedrehten Gehirn. Puh ;)

So, zwei Stunden an einen Eintrag hingeschrieben. Ich frage mich, ob den jemand ganz liest? 2000 Wörter. Ohje.
Falls nicht, dann liest derjenige auch nicht, dass ich heute Abend Mister Flanellhemd geschrieben habe, weil mir langweilig war. Mal schauen, vielleicht ist er nicht ganz so doof, wie ich zuerst geschlussfolgert habe. Hat übrigens zurückgeschrieben, also so dumm kann er nicht sein ;)))

Liebe Grüße, euer kämpferisches Fräulein