Frieden

Der Moment, wenn du aufhörst zu weinen – nachdem du dem Schmerz Raum gegeben hast, in dem du einfach nur an die Decke starrst, voller Leere. Dieser Moment ist ein kleiner Augenblick voller Frieden.
Kein Gefühl – das sich deiner bemächtigt, einfach nur Ruhe.
Zumindest bis die nächste Welle Schmerz sich über dich ergießt…

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Es sind die kleinen Dinge…

Guten Abend!

4. Therapiestunde: Wiedermal Vergangenheit, Beziehung zu Vater und Mutter, Beziehung von Mutter und Vater, der ganze Mist eben. Ich will mich ja nicht beschweren…
Aber als Scheidungskind finde ich das ganze einfach nur blöd (um es so auszudrücken, wie ich es vor acht Jahren auch getan hätte). Und je länger wir drüber reden, desto tiefer in meinen Erinnerungen grabe ich – und natürlich grabe ich viele traurige Erinnerungen aus.
Ich war heute mehr denn je schockiert darüber, wie viel ich noch ganz genau weiß, es teilweise noch bildlich vor mir sehe. Das müssen schon traumatische Zeiten für mich gewesen sein, wenn ich das heute noch so aus meinem Kopf kramen kann. Das meint der Doc übrigens auch, also dass eine Scheidung für ein Kind ein Trauma ist, das in seinem Leben auf vielfältigste Weise wieder und wieder „Schaden“ anrichten kann. Zum Beispiel bei Trennungen, besonders schlimm – wie in meinem Fall – wenn es aufgrund ähnlicher Themen geschieht. Heureka! Aber gut das wenigstens zu wissen. So habe ich darüber jetzt schon häufiger nachgedacht, und zwar mit anderen Sichtweisen und Blickwinkeln.

Aber auch meine momentane „dunkle Phase“ wurde besprochen und beleuchtet. Und wir kamen übereinstimmend zu dem Schluss, dass die doppelte Dosis (die normale Dosierung, also kein Grund zur Besorgnis) Elontril mir vielleicht helfen kann. Wenn es jetzt schwierig ist, dann muss ich wieder eine Motivation finden um weiter zu machen. Und die Aussicht, dass in zwei drei Wochen die Dosierung mein Hirn wieder richtig funktionieren lässt, ist Motivation genug. Bis dahin, weiterschwimmen. Durch die Flüsse aus Blei, durch die Meere mit Wellen der Verzweiflung, durch die Seen aus den Tränen der Vergangenheit. (Poetisch werde ich auf meine alten Tage auch noch ;))

Aber es sind die kleinen Dinge, die mich am Funktionieren erhalten. Die kleinen Lichtpunkte, die wie Glühwürmchen ab und an in der Dunkelheit auftauchen.
Eines dieser Dinge ist Tassen-Kuchen aus der Mikrowelle. Den habe ich heute (für mich) entdeckt und war restlos begeistert. Der ist vegan, total einfach und geht superschnell. Das hier ist kein Food-Blog, aber ich will euch das Rezept trotzdem ans Herz legen, denn ein warmer Schokokuchen ist ein Seelenstreichler!

Einfach eine Tasse nehmen (also nicht Omas Porzellan mit Goldrand, sondern etwas mikrowellentaugliches) und einen Esslöffel.
2 Löffel Mehl und etwas Backpulver, 2-3 Löffel Zucker, 1 Löffel Kakaopulver, 3 Löffel (Soja-)Milch und 1,5 Löffel Öl in der Tasse verrühren – ich nehme dazu einen kleinen Schneebesen. (Optional mit Schokoladensplittern/Streuseln/Tropfen – oder ohne Kakaopulver und dafür mit Vanille und Blaubeeren – oder oder oder…)

Das ganze soll eine cremig-teigige Konsistenz haben, eventuell etwas mehr Milch oder eben Mehl dazu. Dann für 2 oder 3 Minuten (je nach gewünschter Konsistenz) auf höchster (!) Stufe in die Mikrowelle.
Und danach unbedingt etwas abkühlen lassen!
Guten Appetit :)

Ja, davon habe ich mir heute zwei Tassen gemacht, und ich befürchte dass ich in absehbarer Zeit dick werde :D
Die Kerlchen sind so lecker und einfach… Frischer Kuchen in vier Minuten! Das ist einfach zu fies…

Aber es liegt eben nicht nur der Teufel im Detail, nein, auch kleine Momente der Freude blitzen hier und dann auf, wenn man genau hinsieht. Und ich freue mich immer, wenn ich irgendwo bin und mich etwas zum Lächeln bringt.
Es sind eben die kleinen Dinge, die das/mein Leben erträglich machen.
Zum Beispiel die Musik, momentan höre ich Lorde – eine neuseeländische Sängerin. Das macht mich glücklich. Und ihre Musik ist deutlich fröhlicher als die der beiden Jungs.

Mein Therapeut hat mir heute auch etwas Druck genommen. Er sagt, er kann mir gerne Atteste ausstellen, damit ich das Semester als Krankheitssemester deklarieren kann. Denn die Prüfungen schaffe ich sowieso nicht, das habe ich eingesehen…
Ich muss mal die vom Studierendensekretariat fragen, wie das so ist… Dann wäre das Semester wenigstens nicht als „komplettes Versagen“ vermerkt. Allerdings könnten die vom Bafög stressen und wie das mit der Regelstudienzeit ist weiß ich auch nicht…
Und dann wird die Depression aktenkundig. Das heißt, dass man das später irgendwo nachlesen kann. Ob das schlecht ist, weiß ich nicht… Aber da wohl kaum jemand ein Mädchen, das so vorbelastet ist, ohne Zögern einstellen wird, wäre es besser das zu vermeiden… Die Leute sind da ja leider manchmal etwas intolerant wenn nicht sogar ignorant… Psychische Krankheiten sind ja ein Stigmata. Wir werden sehen…

Jetzt muss ich aber mal schlafen, das wird ja jede Nacht später… aber momentan ist das ja mit dem Schlafen so ne Sache… Doch den Griff zum Valium wage ich nicht…

To start sedating myself would be a step in the wrong direction, wouldn’t it?

Eine schöne Nacht noch!
Eure Nachteule alias das Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Ein weiteres Kreuz…

Guten Abend!

Heute war so ein typischer Tag, an dem nichts nennenswertes passiert ist, an dem das Leben einfach vor sich hin getropft hat…
Ein weiteres Kreuz auf dem Kalender – ein weiterer abgehakter Tag.

Ich fühle mich körperlich schon wieder schlechter… habe heute seit dem frühen Abend Migräne…
Aber ich will nicht rumheulen – wenigstens hab ich heute eine gewisse emotionale Stabilität vorweisen können. Ich hab ein Ganzkörper-Bild von mir gesucht – es gibt übrigens keins – und dafür habe ich die Neuseeland-Bilder durchgeschaut. Und obwohl ich gefühlte zwei Milliarden Bilder von und mit meinem Kryptonit-Menschen gesehen habe, war ich erstaunlich ruhig…
Ich habe mich einfach ermahnt, an die schönen Erinnerungen zu denken, die mit diesen Bildern verbunden sind… Mehr kann ich auch nicht tun…

Ich höre den ganzen Tag traurigen Deutsch-Rap und liege lethargisch im Bett. Läuft bei mir.

Ich wünsche euch trotzdem einen schönen Abend!
Liebe Grüße!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Dunkle Wolken

Guten Abend meine Lieben!

Ich habe mich gestern gar nicht gemeldet, ist mir aufgefallen… das lag daran, dass ich erst spät abends nach Hause gekommen bin und todmüde war.
Richtig viel spannendes passiert ist die letzten zwei Tage aber auch nicht gerade.

Am Sonntag habe ich den Tag mit meiner besten Freundin nebst Freund in der Stadt verbracht. Genaugenommen im Café :)
Dann sind sie nach Hause gefahren und ich hab mich fertig gemacht, damit ich annehmbar aussehe, wenn meine Mitbewohnerin ankommt :D
Die klingelte gegen 17 Uhr an der Tür, wir haben ihr Auto ausgeräumt und sind danach zum Geburtstagsessen einer gemeinsamen Freundin gefahren. Das war echt schön – und ich habe Abends richtig viel gegessen! ;)

Heute war hingegen nicht so ein guter Tag… objektiv gesehen schon, aber ich kann mir selbst die schönsten Tage mühelos versauen.

Meine Mitbewohnerin und ich waren einkaufen, was für mich schon allein deshalb toll war, weil sie ein Auto hat.
So weit, so gut. Die Misere hat aber kurz darauf im Real begonnen… Ich stand in der Feinkostabteilung um mal zu gucken, was die da so schönes haben – schließlich komme ich selten zu Real.
Und da lag er… Tofu. Und zwar nicht irgendein Tofu. Nein, die selbe Marke, die ich auch in Neuseeland gekauft habe. Eine Welle von Erinnerungen und Emotionen schwappte über mich und ich wusste genau, dass der Tag jetzt gelaufen ist.  Ich fühlte mich schlecht, und das Unglück nahm seinen Lauf. Natürlich fielen mir jetzt die polnischen Spezialitäten ins Auge… wäre objektiv gesehen auch nicht tragisch gewesen, wäre nicht mein Kryptonit-Mensch Sohn polnischer Eltern.
Und die Abwärtsspirale nahm kein Ende… je länger wir einkaufen waren, um so schlimmer wurde es. Sei es die Musik, die mich so an ihn/Neuseeland erinnert, oder die Pieroggi im Tiefkühler, oder einfach nur die Tatsache, dass ich Baked Beans gekauft hatte… die hat er gerne gegessen…
Ich wurde von Minute zu Minute depressiver und das gipfelte darin, dass ich mir meinen Handrücken aufgekratzt habe. Ich konnte den Schmerz in mir kaum ertragen und ihn körperlich zu spüren, machte ihn erträglicher.
Ich weiß nur nicht, ob das so ne gute Idee war… Tendenzen zur Selbstverletzung hatte ich nie…
Ist schon etwas besorgniserregend…
Naja… Das ist einfach wieder ein schlechter Tag gewesen. Das wird wieder…

Nach meinem Workout ging es mir etwas besser und ich habe einen ganzen Salat verdrückt :) und einen Vanille-Pudding! Jetzt bin ich satt und leicht müde, liege auf der Couch und schaue mit meiner Mitbewohnerin den Tatort von gestern – der in Dortmund spielt, der Stadt, in der ich ihn besucht habe… Sogar in seiner Wohngegend, der Nordstadt. Wie passend.

Der morgige Tag wird besser. Das verspreche ich mir.

Guten Abend meine Lieben!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl