Von Mut und Mauern…

Guten Abend meine Lieben!

Gestern Abend habe ich meiner Mutter erzählt, dass ich wegen Depressionen in Therapie bin.

Das erforderte viel Mut und es war schon ein ordentlicher Satz nötig, um über diese Mauer zu springen… aber jetzt hab ich es ihr endlich erzählt. Sie hat geweint. Gestern, heute und wahrscheinlich morgen auch.
Damit klar zu kommen, wird für sie schwerer als es meine Situation für mich ist.

Ich bin vom Wochenende unter Menschen und der Familienfeier völlig K.O.
Heute Abend hat mich ein Freund mit nach „Hause“ genommen. Mein bester Freund und gleichzeitig einer der, die ich schon am längsten kenne. Mit jedem Kilometer ging es mir etwas besser, der Gedanke an meine chaotische Wohnung und die wunderbare Einsamkeit fing bereits an, meine angeschlagene Verfassung etwas zu kurieren.
Mein Energiereservoir ist einfach leer, nach den vier Tagen voller Action.
Und jetzt – schaukelnd in meinem Sessel, klassische Musik umgibt die Szenerie, der Balkon ist nur von der Kerze in der Laterne erleuchtet – beginnt es sich langsam wieder zu füllen.

Ich bin trotz neun bis zehn Stunden Schlaf pro Nacht seit zwei Tagen so unfassbar müde… Ich werde jetzt einfach schlafen. Irgendwann wird der Tank schon wieder voll sein. Morgen erzähle ich euch mehr vom Wochenende.

Liebe Grüße und gute Nacht!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

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Läuft bei mir

Guten Abend meine Lieben!

Ich klopfe vorneweg schonmal auf Holz, ich will mir meinen Lauf ja nicht verschreien.

Heute gerieten endlich ein bestimmter Stein ins Rollen: die leidige Sache mit dem Job. Meine Mutter liegt mir ja seit Beginn meines Studium damit in den Ohren. Und, wer hätte das gedacht, – sie sicher nicht – ich habe mich heute darum gekümmert.
Gestern Abend habe ich auf Ebay Kleinanzeigen eine Annonce gesehen: KellnerIn gesucht. Und zwar nicht in einem Café oder einer Gaststätte, sondern in dem Restaurant eines Golfclubs. Ich hab mir gestern die Homepage angeschaut und das Konzept fand ich sehr ansprechend. Es handelt sich übrigens um einen chinesisch gestalteten Golfplatz, das Restaurant hat eine Panorama-Terrasse und auch ansonsten ist das durchaus kein Ort, an dem ich am Wochenende anzutreffen wäre.

Es sei denn, ich würde dort arbeiten. Und weil ich seit ich hier wohne einen Job suche, der mir zusagt (lieber spare ich etwas als mich bei Rewe an die Kasse zu setzen und mein Leben dort zu vergeuden), habe ich gestern Nacht beschlossen, mich einfach mal zu bewerben. Ein paar Vorkenntnisse in der Gastronomie habe ich ja, Sprachkenntnisse für Touristen sind auch vorhanden und meine eloquent-extrovertierte Art ist sicher angemessen für die illustren Gäste.
Gesagt, getan. Ich bin heute hingefahren, weil eine persönliche Bewerbung immer einen ganz anderen Eindruck macht. Der Golfplatz liegt im Nachbarort, mit der Vespa brauche ich maximal zwanzig Minuten, das hält sich also im Rahmen.
Ich hab heute Mittag meinen Lebenslauf aktualisiert, gekocht, mich fertig gemacht und bin nachmittags etwas aufgeregt dort angekommen. Der Platz ist wirklich außergewöhnlich. Und ein Hauch „Yin&Yang“ lag in der Luft, als ich den Helm abnahm. Das Restaurant selbst ist edel und geschmackvoll eingerichtet, die Küche saisonal und regional – natürlich gehoben.

Ich hab mich beim Chef vorgestellt, der gleichzeitig auch der Chefkoch ist. Er lud mich auf ein Getränk (ich entschied mich für Wasser, bestimmt war das auch sündhaft teuer) auf die Terrasse ein und wir plauderten etwas. Ich glaube er fand mich gut, denn er hat mich direkt für morgen zum „Probe-Arbeiten“ eingeladen. *freu*
Um 14 Uhr werde ich mich bei der Chefin des Service einfinden und einen Tag lang „so mitlaufen“. Um mal zu sehen ob es mir dort zusagt und ob die Kollegen nett sind und ich die Gäste ertrage – palim palim. Ich hab damals in der Raststätte unter widrigsten Bedingungen gearbeitet, dagegen wird das dort der Himmel sein. Von dem Trinkgeld mal ganz zu schweigen… Golfer haben es ja meistens.

Nunja. Direkt im Anschluss bin ich in die Stadt um mein restliches Geld in Kleidung zu investieren. Meine Jeans kann ich in dem Laden natürlich nicht anziehen. Also eine Stoffhose gekauft, eine zweite Bluse und neue Schuhe.
Dummerweise schrumpfte so mein Budget für den Monat noch mehr zusammen… und es ist erst der sechste!
Montag kommt meine Mutter zu Besuch, ich werde sie um ein Darlehen bitten, was sie aufgrund der Umstände sicher nicht ablehnen wird. Schließlich habe ich endlich den Job, den ich mir schon sooo lange hätte suchen sollen. Und er ist nicht befristet, ich kann solange mich der Chef leiden kann dort aushelfen. Und der hat mir gleich das ‚Du‘ angeboten, weil er nur vier Jahre älter ist als ich. Bingo.

Ich schaukel jetzt noch ein bisschen auf meinem Balkon vor mich hin, dann gehe ich früh schlafen, weil ich morgen vor der Arbeit noch auf eine Aquaristik-Börse will. Vor der Arbeit… wie das klingt :)
Aber der Job sagt mir echt zu. Gastronomie ist einfach meins. Die Arbeit mit Menschen, die Arbeitszeiten (ich bin ohnehin Nachtmensch), das Trinkgeld und der Umgang mit Essen. Weitere tolle Erfahrungen und Qualifikationen, die ich unbedingt sammeln will. Wird mir bei meinen weiteren Plänen helfen – Zukunft, here we go.

Ich wünsche euch allen ebenfalls einen solchen Lauf und einen schönen Abend!
Euer Fräulein Fast-Mit-Job

Soviel zum Thema Normalität

Guten Abend allerseits!

Also über das Wetter will ich mich nicht mehr beschweren, meinen Frust habe ich ja heute Nachmittag schon publiziert. Aber ich finde es einfach erstaunlich, wie perfekt momentan das Klischee vom Aprilwetter erfüllt wird. Vier verschiedene meteorologische Phänomene innerhalb von einer Stunde. Fantastisch. Wetterumschwungs-Party!

Die heutige Therapiesitzung war absurd. Wirklich, jenseits von jeder Art von „normal“.
Ich hatte heute nichts, worüber ich reden wollte. Normalerweise lege ich mir immer in den Tagen zwischen den Therapiesitzungen Themen zurecht, über die ich gestolpert bin und über die ich mit dem Doc reden möchte. Diese Woche war nichts außergewöhnliches passiert und auch ansonsten brannte mir nichts auf der Seele.
Also bin ich rein in das Zimmer, hab mich auf meinen Sessel gesetzt und gewartet. Dann haben wir etwas über das Wetter geredet und schließlich sind wir vom hundertsten ins tausendste gekommen. Das sagt man ja immer so.
Über meine Mutter zu meinem Tattoo und darüber zu Büchern und darüber zu starken Charakteren und darüber zu Jeanne d’Arc und meiner Aufmüpfigkeit. Das führte wiederum zu einer Diskussion über Rechthaberei und meine Oma und das wiederum zu Ostern und den Christen allgemein und diesem und jenem und ich kann mich gar nicht mehr an alles erinnern. Es war verrückt.
Er hat selbst am Ende der Stunde angemerkt, dass sie eindeutig nicht wie die anderen war. Zeitweise sehr philosophisch angehaucht.

Auf dem Heimweg habe ich beschlossen mir eine Flasche Wein zu kaufen, weil ich dachte dass ein bisschen Alkohol meine Kreativität vielleicht etwas anregen würde. Die Idee schwirrte schon seit Tagen in meinem Kopf herum. Es ist zwar nur ein leichter Rosé, aber selbst von 100 ml davon hatte ich schon ordentlich einen im Tee -.- das mit dem Trinken lass ich lieber sein. Ich wurde nämlich auch nicht kreativ sondern nur müde.
Vielleicht sollte ich Whiskey trinken, das trinken doch starke Persönlichkeiten immer. Und wenn ich grade dabei bin, dann kaufe ich mir noch eine Pfeife – der Inspiration wegen.
Okay, genug geblödelt. Ich versuch’s morgen mit der Hälfte der Menge nochmal. So schlimm können die Tabletten das doch gar nicht putschen?

Als ich mit dem Wein im Bus nach Hause saß, setzte sich so ein Metaler (kein Plan wie genau man das schreibt) mir gegenüber. Der hatte in etwa so viel Haare auf dem Kopf wie ich. Und hat Musik gehört. Dabei musste ich an meine Metal Eskapaden in letzter Zeit denken und lächelte vor mich hin, weil ein Lied in meinem Kopf anfing zu spielen. Als ich meinen Blick vom Fenster in seine Richtung wendete, schaute er schnell weg. Aha! Erwischt :D
Bis ich aussteigen musste haben wir uns ein paar Mal zugelächelt und als ich ihn ansah, als der Bus an mir vorbei fuhr, mussten wir beide lachen.
Seltsame Kerle habe ich schon immer angezogen. Deshalb fand mein Bruder meine Jungs bisher immer cool. Wenigstens das ist noch normal. :P

Übrigens bin ich heute seit genau vier Monaten in Behandlung. Vor vier Monaten bin ich zum ersten Mal unsicher in’s Klinikum gelaufen um meine Entscheidung, mein Leben wieder auf die Reihe zu kriegen und gesund zu werden, in die Tat umzusetzen.
Das heißt auch dass ich seit vier Monaten mein Leben physisch mit Medikamenten stabilisiere. Eine ziemlich lange Zeit und doch kommt sie mir so kurz vor. Erstaunlich wie schnell die Zeit vergeht…

Ich wünsche euch noch einen schönen Abend, vielleicht ja auch mit Wein? À votre santé!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

3 Monate Therapie

Guten Tag allerseits!

Lasst uns feiern :)

Heute bin ich seit genau drei Monaten in Therapie. Ich denke es ist Zeit für ein kleines Resümee.


Ganz am Anfang, nach meinem ersten Gespräch, habe ich im Blog folgendes geschrieben:

Er hat mich auch gefragt, wie ich mir die Therapie vorgestellt habe und was ich denke, dass sie bewirkt. Naja, darauf wusste ich keine Antwort. Ich habe zwar immer daran gedacht, dass sie mir helfen kann – aber nie drüber nachgedacht, wie. Das wunderte mich schon etwas, weil ich ja normalerweise dazu tendiere, alles tot zu denken.

Ja, heute habe ich darauf zumindest eine vage Antwort. Ich denke, dass sie so einiges bewirkt: Ich fühle mich nicht alleine mit meinen Problemen, was dazu führt dass ich leichter wieder runterkomme, bei dem Gedanken dass ich nächsten Mittwoch mit dem Doc drüber reden kann. Ich fange an Dinge zu erkennen und aufzuarbeiten, die ich in meiner Kindheit verdrängt habe, zum Beispiel die Scheidung meiner Eltern. Ich ändere meine Sichtweise auf so manche Dinge, die mir im Leben sehr zusetzen, zum Beispiel meine Mutter. Ich lerne nicht mehr so streng mit mir zu sein, auch wenn ich unzufrieden mit der Art wie ich handle/denke/fühle bin. Ich lerne verdammt viele Dinge über mich selbst, die mir dabei helfen, zu verstehen wieso ich momentan so bin, wie ich bin. Ich merke, dass mir das mich-öffnen und reden sehr dabei hilft, die Ereignisse meines Lebens, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin, im Gesamtzusammenhang zu sehen. Ich lerne auch, dass ich momentan einfach krank bin und es nichts ist, wofür ich mich schämen oder schlecht fühlen müsste – und dass es in Ordnung ist Menschen von meinen Problemen zu erzählen. Und was ich bisher auch gelernt habe ist, dass es in Ordnung ist wenn es mir nicht gut geht, weil ich mir die Zeit der „Genesung“ zugestehen muss.

Entschuldigt die Schachtelsätze, aber ich will die Sätze nicht durch Umformulierungen noch verworrener machen…

Wie viel besser es mir schon geht, kann ich nicht objektiv messen – aber subjektiv sind es Welten zwischen meinem Ich von vor drei Monaten und mir heute.
Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll… aber ich weiß ich ob ich heute noch am Leben wäre, hätte ich mich nicht vor knapp vier Monaten in Behandlung begeben. Das klingt vielleicht drastisch, aber in den Tagen vor meinem Besuch beim Arzt, war der Tiefpunkt meiner Depression erreicht. Und wer weiß was passiert wäre, wenn es noch tiefer gegangen wäre – und wir wissen alle, dass es immer noch tiefer geht.

Ich bin dankbar für diese drei Monate. Ohne sie stünde ich jetzt nicht an dem Punkt, an dem ich heute stehe – an einem Punkt, an dem ich einen Silberstreif am Horizont sehen kann. An dem ich Hoffnung habe, und Zuversicht dass meine Zukunft besser wird als meine Vergangenheit.


Genug Poesie, meine Lieben. Ich wollte einfach nur ein bisschen resümieren, was ich die letzten drei Monate so lernen und erfahren durfte.
Auf die nächsten drei! Mögen sie eben so lehrreich und heilsam sein wie die vorherigen.
Liebe Grüße und danke, dass ihr mich auf meinem Weg begleitet!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl