„Sommer“-Abende

Guten Tag meine Lieben!

Ihr hört erst jetzt wieder was von mir, weil ich die letzten zwei Tage zum Großteil in der Arbeit verbracht habe – und abends immer zu müde war um noch etwas zu schreiben.

Ich bin jetzt auch sehr müde, allerdings ist es heller Tag und ich muss in einer Stunde wieder im Restaurant sein, also Augen auf und durch.
Der Freitag war ein guter Arbeitstag, es war nur moderat viel los und mein Chef wollte die Zeit nutzen um mir mal ein bisschen was über Wein beizubringen. Ich sag’s euch, ich hab mich schon etwas überfordert gefühlt. Riesling, Chardonnay, Sauvignon Blanc, Grauburgunder, Weißburgunder, Grüner Veltliner, Gelber Muskateller… aus den verschiedensten Lagen und jeder von einem anderen Weingut. Und das sind ja nur ein paar der Weißweine. Wir haben nochmal mindestens genausoviele Rotweine. Zu allen muss ich mir ein paar Stichwörter einprägen: Wein, Region, Gut, Aroma.
Zum Beispiel (mein Liebling) der Sauvignon Blanc, aus Malborough, vom Weingut Nautilus Estates mit einem fruchtigen Aroma von gelbem Steinobst und Ananas, dessen angenehm milde Säure sehr gut mit den zitrischen Noten im Abgang harmoniert. Ein etwas speziellerer Wein für Kenner.
Call me ‚Profi‘ :D
Aber ernsthaft, ich habe die Dinger noch nicht auswendig gelernt, das meiste bezüglich Aroma und Co denke ich mir einfach anhand einiger Richtparameter für die jeweilige Sorte Wein aus. Erwischt :P

Gestern hatten wir ein Golftunier. Das war was, das sage ich euch… Es gab Freibier, Sekt für die Damen und ein Übermaß an Weinschorle in der gesamten Mannschaft. Die Frauen haben gekreischt und gesungen, die Männer wurden animalisch und obszön und ich stand hinter der Theke und zweifelte an der Menschheit.
Wenn das die oberen zehn Prozent sind, dann bleibe ich Mittelschicht. Halleluja. 
Die Frauen wurden dann im späteren Verlauf mit Eiswasser und Eiswürfeln übergossen, was zu noch mehr kreischen führte – und zu einem riesen Aufwand für uns, die das wegmachen mussten…
Die Männer haben angefangen alkoholisierte Balzrituale auszuführen, einer hat sich sogar sein Hemd vom Leib gerissen!
Wie sie sich mir gegenüber verhalten haben, will ich nicht weiter ausführen.
Nur so viel, ich hatte das Verlangen nach Alkohol, einer Zigarette und einem Anwalt. Und meine Bluse habe ich bis zum obersten Knopf zugeknöpft. Solche Dinge hätte ich den älteren Herren nun wirklich nicht zugetraut…

Mein Chef ist gestern dann noch mit mir in eine Bar gegangen, wo wir Freunde von ihm getroffen haben. Wir haben Schorle getrunken, geredet, getanzt und ich bin immer wieder erstaunt darüber, dass er mein Chef ist. Welcher normale Arbeitgeber macht denn sowas? :D
Deshalb bin ich heute auch so müde :P

Ich wünsche euch einen schönen Tag, ich muss mich jetzt wirklich fertig machen, sonst komme ich zu spät.
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Advertisements

She works hard for her money

Guten Abend allerseits :)

Nur um es schon mal vorwegzunehmen, die letzten zwei Tage hatte ich kaum Freizeit und habe jede mögliche Minute mit Schlafen verbracht, deshalb hab ich mich nicht gemeldet.

Ja, Donnerstag und Freitag habe ich jeweils von morgens bis abends gearbeitet, teilweise sogar zwei Schichten mit Pause dazwischen, weil eine Kollegin ausgefallen ist.
Es war hart, körperlich bin ich am Ende – kaum geschlafen, kaum gegessen – aber geistig geht es mir sehr gut. Die Arbeit bekommt mir.

Mittlerweile will mein Chef übrigens, dass ich Gastronomie-BWL oder so studiere, damit ich den Laden dann mal schmeißen kann :D
Sachen gibt’s.

Ich hab mich schon sehr gut integriert, komme mit dem System und den Anlagen klar und sogar das Bier einschenken klappt mittlerweile zum größten Teil passabel. Außerdem bin ich bei den Stammgästen sehr beliebt.
Und die geben auch das beste Trinkgeld – laut meinem Chef etwa dreißig bis vierzig Euro pro Person pro Tag!!!
Ich bin soooo glücklich dort arbeiten zu dürfen. Ich kann es gar nicht beschreiben.
Da ich heute nach Hause fahre, konnte ich eigentlich nicht so lange arbeiten – aber, natürlich, war die Aushilfe vor mir heute wieder nicht gewillt zu kommen (gestern musste ich auch schon für sie zusätzlich einspringen) und so bin ich freiwillig bis halb sieben geblieben. Jetzt sitze ich im Zug, komme aber natürlich erst relativ spät zuhause an. Mein Bruder muss mich holen und kann deshalb nicht mit seinen Freunden feiern gehen. Als Entschädigung hat mein Chef ihm ein Schnitzel gemacht. Ohne von mir Geld anzunehmen.
Er ist der Beste.
Hat mich gestern auch abgeholt und wieder heim gefahren, als ich die zweite Schicht übernommen habe. In seinem Cabrio ;)
Mein Leben <3

Jetzt ab nach Hause. Nachdem ich im Eiltempo meine Wohnung für die kommenden Tage hergerichtet und meine Tasche mit Zeug vollgestopft habe. Hoffentlich überleben die Pflanzen das. Soll ja heiß werden.

Also, genug getippt. Musik an, aus dem Fenster gucken und gut.
Ich wünsche euch einen schönen Abend!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Rosige Aussichten

Guten Tag meine Lieben!

Ich bin es wieder. Überraschung :D

Ich. Bin. Glücklich.

Ich habe gestern meinen Probearbeitstag gehabt. Und es war mega entspannt, die Truppe ist total nett, mein Chef ziemlich cool drauf – von der Location mal ganz zu schweigen. Ich bin so ein Glückspilz, diese Stelle gefunden zu haben…
Der Chef und ich sind per du, der zweite Koch ist so alt wie ich und die anderen Kellnerinnen sind so Typ Mama. Alles familiär, das komplette Gegenteil zu meiner letzten Arbeitsstelle.
Ich hab mich schnell zurecht gefunden und mir wurde immer ausgeholfen, falls ich etwas mal nicht wusste. Viele Abläufe waren mir aus meinen früheren Jobs schon bekannt, das hat schon geholfen – aber ich habe von allen Seiten zu hören bekommen, wie gut ich mich geschlagen habe. Also hab ich scheinbar gar nicht mal so dumm angestellt – was auch erklärt, warum ich von Fleck weg eingestellt wurde :)

Es ist ohnehin ein Traum: Der Chef persönlich hat mir was zu Essen gemacht, wir haben uns in einer ruhigen Phase zusammen auf die Terrasse gestellt und geredet und nach der Arbeit spät abends gab’s sogar noch Sekt :D
Sogar meine Mutter ist restlos begeistert. Sie hat mir sogar gesagt, dass sie stolz auf mich ist.
Und den Kredit bekomme ich auch. Prima. Es wird ein schöner Juni!
Ich war gestern von 14 bis 24 Uhr da und bin erstaunlich fit gewesen. Dafür, dass es mein erster Tag war, hielten sich Schmerzen in den Füßen etc in Grenzen.
Donnerstag und Freitag bin ich wieder eingeteilt, dieses Mal etwas früher, weil ich Freitag Abend nach Hause zum Geburtstag meiner Oma fahre. Und die Woche drauf dann Donnerstag bis Sonntag. Mein Chef hat mich ja fast angefleht vier Tage die Woche zu arbeiten. Jetzt bin ich auf seinen Wunsch hin, anstatt auf 450 Euro-Basis, ganz normal Teilzeit eingestellt.
Ich habe es ja auch nicht geglaubt – aber scheinbar haben ein paar seiner Stammgäste angemerkt, dass seine neue Aushilfe „ganz süß“ sei. Oha :D

In Bundfaltenhose, Bluse, Schürze und mit Zopf war ich das wahrscheinlich auch :D
Und die latenten sexuellen Anspielungen kennen ich von früher, das ist eben Gastronomie. Außerdem habe ich meine Stelle sicher, zumindest solange der Chef mich leiden kann – und der hat schon angemerkt, dass es ihm gefällt wie ich Kontra gebe ;)
Hehe. Keine Sorge, ich bleib schon vernünftig – aber ich bin nunmal das jüngste und ansprechenste Wesen in dem Laden :DD
Und alleine dass ich schon wieder so denke, zeigt mir dass das alte Fräulein sich zurückkämpft. Aber ich bin momentan auch ehrlich glücklich.

Sonntag Morgen war ich noch bei dem Aquaristik-Verein und habe direkt Kontakte mit den Locals geknüpft. Und ein Pflänzchen mitgenommen. Und nächsten Monat bekomme ich Garnelen und die Bodenfische direkt von den privaten Züchtern zu einem Bruchteil des Ladenpreises – läuft!

Da ich ja ab jetzt (nicht wenig) Geld verdiene, kann ich mir solche Hobbies auch leisten. Und sowohl mein Tattoo, als auch der geplante Urlaub mit einer Freundin sind jetzt in greifbare Nähe gerückt. Von einer neuen Sommer-Garderobe will ich gar nicht erst anfangen :D
Der zweite Koch hat mich schon gewarnt, dass unser Chef auf Tattoos steht. Da muss ich ja echt aufpassen, dass ich ihn nicht vom Kochen ablenke ;)

Ach meine Lieben, ich kann euch gar nicht sagen, wie gut es sich anfühlt, endlich raus aus dem Schatten zu sein. Und die Sonne wird immer heller…
Der Chef hat mir sogar angeboten bei ihm eine Ausbildung zu machen, falls mein Studium mir zu blöd wäre, nachdem er Bilder meiner Torten gesehen hat. OMG! Gastronomie! Ich muss mich echt zusammenreißen. Eigentlich würde ein Teil von mir sein Angebot nämlich sofort annehmen – aber das wäre jetzt unvernünftig. Und so wie es jetzt ist, ist es gut. Ball flach halten, Fräulein.

Ich habe heute mit meiner Mutter telefoniert und wir haben darüber geredet, dass ich vorhabe kein BAföG mehr zu beantragen. Wenn ich arbeite, brauche ich es eigentlich nicht mehr und muss sonst bloß aufpassen, dass ich nicht über irgendwelche Beträge komme. Außerdem verschulde ich mich so nicht noch weiter. Ein Vorteil. Um meine Mum zu entlasten werde ich auch den Strom selbst zahlen, dann sind wir quitt. Sie soll sehen, dass ich mein Leben auch alleine auf die Reihe kriege – genau das passiert nämlich gerade.

Ich wünsche euch mit meiner ganzen Euphorie einen wunderschönen Tag und hoffe, dass noch viele Beiträge in dieser Stimmungslage folgen werden!
Liebe Grüße, euer Fräulein Mit-Glücksgefühlen

Läuft bei mir

Guten Abend meine Lieben!

Ich klopfe vorneweg schonmal auf Holz, ich will mir meinen Lauf ja nicht verschreien.

Heute gerieten endlich ein bestimmter Stein ins Rollen: die leidige Sache mit dem Job. Meine Mutter liegt mir ja seit Beginn meines Studium damit in den Ohren. Und, wer hätte das gedacht, – sie sicher nicht – ich habe mich heute darum gekümmert.
Gestern Abend habe ich auf Ebay Kleinanzeigen eine Annonce gesehen: KellnerIn gesucht. Und zwar nicht in einem Café oder einer Gaststätte, sondern in dem Restaurant eines Golfclubs. Ich hab mir gestern die Homepage angeschaut und das Konzept fand ich sehr ansprechend. Es handelt sich übrigens um einen chinesisch gestalteten Golfplatz, das Restaurant hat eine Panorama-Terrasse und auch ansonsten ist das durchaus kein Ort, an dem ich am Wochenende anzutreffen wäre.

Es sei denn, ich würde dort arbeiten. Und weil ich seit ich hier wohne einen Job suche, der mir zusagt (lieber spare ich etwas als mich bei Rewe an die Kasse zu setzen und mein Leben dort zu vergeuden), habe ich gestern Nacht beschlossen, mich einfach mal zu bewerben. Ein paar Vorkenntnisse in der Gastronomie habe ich ja, Sprachkenntnisse für Touristen sind auch vorhanden und meine eloquent-extrovertierte Art ist sicher angemessen für die illustren Gäste.
Gesagt, getan. Ich bin heute hingefahren, weil eine persönliche Bewerbung immer einen ganz anderen Eindruck macht. Der Golfplatz liegt im Nachbarort, mit der Vespa brauche ich maximal zwanzig Minuten, das hält sich also im Rahmen.
Ich hab heute Mittag meinen Lebenslauf aktualisiert, gekocht, mich fertig gemacht und bin nachmittags etwas aufgeregt dort angekommen. Der Platz ist wirklich außergewöhnlich. Und ein Hauch „Yin&Yang“ lag in der Luft, als ich den Helm abnahm. Das Restaurant selbst ist edel und geschmackvoll eingerichtet, die Küche saisonal und regional – natürlich gehoben.

Ich hab mich beim Chef vorgestellt, der gleichzeitig auch der Chefkoch ist. Er lud mich auf ein Getränk (ich entschied mich für Wasser, bestimmt war das auch sündhaft teuer) auf die Terrasse ein und wir plauderten etwas. Ich glaube er fand mich gut, denn er hat mich direkt für morgen zum „Probe-Arbeiten“ eingeladen. *freu*
Um 14 Uhr werde ich mich bei der Chefin des Service einfinden und einen Tag lang „so mitlaufen“. Um mal zu sehen ob es mir dort zusagt und ob die Kollegen nett sind und ich die Gäste ertrage – palim palim. Ich hab damals in der Raststätte unter widrigsten Bedingungen gearbeitet, dagegen wird das dort der Himmel sein. Von dem Trinkgeld mal ganz zu schweigen… Golfer haben es ja meistens.

Nunja. Direkt im Anschluss bin ich in die Stadt um mein restliches Geld in Kleidung zu investieren. Meine Jeans kann ich in dem Laden natürlich nicht anziehen. Also eine Stoffhose gekauft, eine zweite Bluse und neue Schuhe.
Dummerweise schrumpfte so mein Budget für den Monat noch mehr zusammen… und es ist erst der sechste!
Montag kommt meine Mutter zu Besuch, ich werde sie um ein Darlehen bitten, was sie aufgrund der Umstände sicher nicht ablehnen wird. Schließlich habe ich endlich den Job, den ich mir schon sooo lange hätte suchen sollen. Und er ist nicht befristet, ich kann solange mich der Chef leiden kann dort aushelfen. Und der hat mir gleich das ‚Du‘ angeboten, weil er nur vier Jahre älter ist als ich. Bingo.

Ich schaukel jetzt noch ein bisschen auf meinem Balkon vor mich hin, dann gehe ich früh schlafen, weil ich morgen vor der Arbeit noch auf eine Aquaristik-Börse will. Vor der Arbeit… wie das klingt :)
Aber der Job sagt mir echt zu. Gastronomie ist einfach meins. Die Arbeit mit Menschen, die Arbeitszeiten (ich bin ohnehin Nachtmensch), das Trinkgeld und der Umgang mit Essen. Weitere tolle Erfahrungen und Qualifikationen, die ich unbedingt sammeln will. Wird mir bei meinen weiteren Plänen helfen – Zukunft, here we go.

Ich wünsche euch allen ebenfalls einen solchen Lauf und einen schönen Abend!
Euer Fräulein Fast-Mit-Job