Trubel fern der Heimat

Guten Abend meine Lieben.

Ich sitze im Nachtzug nach Lissabon. Haha, Nein, nur ein Spaß. Eigentlich sitze ich im Nachtzug nach Hause… Und glaubt mir, bis hierhin war es ein langer und weiter Weg.

Wir haben nämlich an der Grenze ein Ticket gekauft, mit dem man einen Tag lang quer durch ganz Österreich fahren kann. Damit sind wir nach Linz gefahren um dort die „Schlacht der Fakultäten“ anzusehen – also eigentlich nur das dazugehörige Festival, bei dem unter anderem eine Band namens Erwin & Edwin aufgetreten ist. Die war ziemlich cool, obwohl das eine österreichische Band ist, die hier natürlich keiner kennt.
Der Hauptact war Mark Forster, den fand ich allerdings nur so semi. Live diese Liebesschnulzen zu performen ist nicht so gut für die Stimmung. Und ich finde solche Lieder von Haus aus dürftig.
Die Stimmung war trotzdem gut, es gab Radler für die gesamte Truppe und ordentlich Nahrungszufuhr. Zum Beispiel in einer Kette namens Burgerista, deren Burger laut dem Rest empfehlenswert sind. Ich begnügte mich mit Pommes. In Österreich sind die was Veganer angeht scheinbar noch nicht so weit.
Ich hab auf dem Festival auch einen Local etwas näher kennengelernt. Aber es war eigentlich nicht mal erwähnenswert. Das hier ist nur für mein Ego und das Protokoll.

Mit einem riesen Problem sahen wir uns allerdings konfrontiert, als wir den letzten Zug zurück nach Hause nehmen wollten und dieser als „EN“ gekennzeichnet war. Ob der in unserem Ticket enthalten war oder nicht, konnten wir nicht sagen. Also in ein WLAN-Netzwerk eingeklinkt und gegooglet und gesucht – auf einen grünen Zweig sind wir so allerdings nicht gekommen.
Wir hatten zwanzig Minuten Zeit, zu überlegen. Entweder für 40 Euro – pro Person (!) anstatt für alle fünf zusammen – ein Ticket für diesen Zug kaufen oder die Ahnungslosen spielen und es riskieren schwarz zu fahren. Wir waren schon fast so weit einfach bis zum nächsten Morgen zu warten, als wir schließlich im Konzil beschlossen, es einfach zu versuchen. Wir hatten keine Alternative und auch ansonsten war fast alles besser als so viel Geld zu verschleudern.
Eine Schaffnerin wollte am Eingang unser Ticket kontrollieren. Die Pistole auf der Brust entschieden wir uns für die Flucht nach vorn. Einfach fragen, ob wir mit dem Ticket mit dürfen.
Die Schaffnerin war sichtlich verwirrt, aber scheinbar war es ihr egal – denn sie winkte uns mit einem „steigt ein“ durch die Tür. Ich habe Freudensprünge gemacht. So haben wir den rettenden Zug doch noch erreicht. Puh. Danke liebe Schaffnerin. Dir deutschen Beamten wären da sicher nicht so kulant gewesen.

Wenn ich zuhause bin, werde ich mich mittels Hilfsmitteln in den Schlaf schicken. Ich brauche jede Minute nach diesem turbulenten Abend. Morgen wird anstrengend.
Ich habe heute schon mal einen Boden gebacken, aus dem ich dann morgen eine Torte zaubern werde. Eine Raffaello-Torte ohne die Kugeln, weil vegan und so ;)
Dazu muss ich eine Creme herstellen und Sahne aufschlagen und alles zusammenfügen und pipapo. Außerdem muss ich duschen und mich fertig machen und alles für Abends herrichten, weil ich ab zwei dann wieder bei einer Freundin bin. Grillen, Party und nochmal Party. Puh.
Man gönnt sich ja sonst nichts.

Ich grüße euch alle ganz herzlich vom Boden des Zuges aus. Wir lesen uns!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

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