Im Wald

Guten Abend meine Lieben!

Heute hatte ich mir vorgenommen einen Ausflug in den Wald zu machen, weil ich Bärlauch finden und sammeln wollte.

Eigentlich wollte ich kurz nach Mittag los, aber der Plan ging nicht auf.
Zuerst kam völlig überraschend der Postbote. Die Klingel hat mich fast zu Tode erschreckt und ich war nicht passend gekleidet um ihn zu empfangen. Ich hab mich noch nie so schnell umgezogen… Es war ein Päckchen von meiner besten Freundin, die mir Eiben-(Bonsai-)Samen von einem Botanischen Garten geschickt hat. Und sogar ein Buch dazu. Ich habe mich früher schon einmal mit Bonsais beschäftigt und fand das Geschenk wahnsinnig lieb von ihr – sie weiß scheinbar, dass ich für jede Aufgabe und Ablenkung dankbar bin. Die Samen hab ich heute gleich eingeweicht, um sie morgen zu sähen.

Dann wollte ich kurz auf den Balkon um die Temperatur zu checken. Dabei sind mir gelbe Blätter an der Petersilie aufgefallen, dem wollte ich auf den Grund gehen. Also hab ich mir die Pflanzen genauer angeschaut und hatte auf einmal eine gesamte Pflanze in der Hand, inklusive Wurzel. Diese war voller Fraßspuren und von Fäulnis befallen – was war denn hier los? Hab also ein bisschen im Topf herum gegraben und an allen Pflänzchen solche Spuren entdeckt. Den Topf konnte ich wegschmeißen. Aber der Grund dafür war noch interessanter, es waren mir bestens bekannte Nematoden. Das sind Trauermückenlarven, die gehören zur Gruppe der Fadenwürmer. Und die sind für kleine Pflanzen mit empfindlichen Wurzeln das Todesurteil. Einer bösen Vorahnung folgend fing ich an meine Blumenkästen umzugraben – die waren nämlich mit dem selben Kompost versetzt, wie der Petersilien-Topf. Und Bingo. Auch diese Erde war voll davon – bin ich froh, dass ich die Pflanzen noch nicht umgesetzt habe.
Also bin ich mit dem Petersilien-Topf zur Bio-Tonne und weg damit, den Topf brühend heiß ausgewaschen und so allem den Gar ausgemacht, was da noch drin hätte sein können. Dummerweise musste ich natürlich jetzt meinen Wald-Ausflug etwas verschieben, ich musste mich schließlich um dieses Problem kümmern. Die Schädlingsbekämpfungsmittel, die Amazon so hergab, waren größtenteils Chemie pur – die wollte ich jetzt nicht in der Erde haben, in der mein Gemüse wachsen wird. Doch es gibt auch eins aus irgendwelchen Samen, das hilft und Bio und unbedenklich ist. Direkt bestellt, ich will keine Zeit verlieren, das Viechzeug muss raus bevor es Zeit für’s pflanzen wird.

Dann hatte ich Hunger und hab noch schnell was gegessen, bevor ich eeeendlich los konnte.
Es war ziemlich warm und der Weg zu dem Wald, den ich mit Google Maps als geeignet eingestuft hatte, war bergauf. Der Wald umgab einen Fluss, was Flussauen und somit gute Bedingungen für Bärlauch versprach. Der Weg dorthin war schon eine kleine Odyssee, aber irgendwann war ich da. Ich war als Kind ja ständig im Wald unterwegs, das Gelände machte mir keine Schwierigkeiten – bis ich plötzlich nach vorne kippte, weil der Boden unter mir nachgab. Erschrocken macht ich zwei Schritte zurück und hüpfe auf einen morschen, umgestürzten Baum der ebenfalls unter mir nachgab. Ich stand mitten in einem Moor. Na prima… Morast und keine Möglichkeit weiter zu gehen, blieb also nur der Weg zurück. Bin ich dann auch vorsichtig, je schneller ich über die Erde hüpfte, desto weniger tief sank ich ein. Ich blieb oben auf einem Abhang stehen und lies meinen Blick über den Wald schweifen.

Die Flussauen waren bedeckt mit dem frischen Grün des Frühlings, durchzogen von den weißen Blüten der Buschwindröschen und den Ansammlungen von gelben Sumpfdotterblumen. Es war wunderschön… der Geruch von Wald, dieser feuchte, erdige Geruch und der von Moos und verottendem Holz. Die Vögel, deren Gesang den Wald erfüllte, nur übertönt von dem rhythmischen Klopfen eines Spechts. Und der Waldboden, überzogen von Blättern und Blüten zwischen denen Insekten summten, eine Szenerie, die vor Leben fast zu zerbersten schien. Die Knospen der Bäume fingen gerade an sich zu öffnen, das Grau-Braun der Wipfel war gesprenkelt von dem zarten Grün.

Ich durchwanderte den Wald am Fluss entlang etwa zwei Stunden lang, sah Waldmäuse mit schwarzen Knopfaugen und zuckenden Öhrchen, sowie Tümpel voller Kröten und Frösche, die sich dutzendfach zur Paarung dort versammelt hatten. Aber ich sah kein einziges Blättchen Bärlauch. Kein einziges kleines, längliches, grünes Blatt.
Alle anderen Pflanzen, die mit ihm auf dieser Art Boden vorkommen waren zahlreich vorhanden, nur die Gesuchte nicht.
Resigniert ging ich die drei Kilometer zurück nach Hause, kam an einem Kaufland vorbei und fand dort… Bärlauch. Ich hab dann 100g aus Wildsammlung für 1,99€ gekauft. Wenigstens etwas – so konnte ich meinen Plan ihn einzufrieren und aus dem Rest etwas zu kochen trotzdem in die Tat umzusetzen.
Nach den sieben Kilometern Wanderung habe ich mir das Bärlauchcremesüppchen auch verdient gehabt ;)

Der Tag im Wald hat meiner Seele gut getan. Und der ausgedehnte Spaziergang meinem Körper. Von dem heilenden Einfluss auf meinen Geist ganz zu schweigen…

Jetzt sitze ich hier, schaue mir Sherlock Holmes (einen meiner absoluten Lieblingsfilme) auf ORF1 an und bin zufrieden und müde.
Ich hoffe ihr seid es auch :)
Einen schönen Abend noch und ganz liebe Grüße!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

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