Chancen ergreifen

Guten Abend meine Lieben!

Der heutige Tag war geradezu außergewöhnlich. Nicht spektakulär, aber auch nicht gewöhnlich.

Ich hab mich bis zum Nachmittag in der Wohnung beschäftigt, in dem ich das an Hausarbeit und Pflege der Pflanzen und Tiere nachgeholt habe, was vor dem Wochenende liegen geblieben oder mittlerweile wieder nötig ist.
Dann bin ich in die Stadt gefahren – ziemlich gewagt mit Nägeln und Lippenstift in Dunkelrot – um meine wöchentliche Unterredung mit dem Therapeuten meines Vertrauens zu haben. Wie zu erwarten war, hatte der Bus im Feierabendverkehr Verspätung und ich bin zu spät gekommen.
War aber nicht so tragisch, es hat mich mehr genervt als es nötig gewesen wäre.
In letzter Zeit weiß ich am Anfang der Stunde nicht, worüber ich reden soll. Ich habe das Gefühl, dass mich nichts wirklich relevantes mehr beschäftigt. Also bin ich am Anfang immer ziemlich still – sitze da und lächle den Doc schief an.
Doch irgendwie kommt der Stein dann immer ins Rollen. (Fun-Fact am Rande: Mein Psychotherapeut hat einen Freund, der mit Mister Udo Pollmer befreundet ist :D)
Heute war das Spannendste die Analyse und Deutung eines Traumes, der mich das ganze Wochenende über beschäftigt hat. Es war ein Albtraum, der mich mit pochendem Herzen, stocksteif und komplett fertig mit den Nerven aufwachen lies.
Kurzfassung? Ich war gefangen in einem Haus mit drei anderen Frauen, zwei älter als ich und eine noch eher ein junges Mädchen. Wir wurden festgehalten von einem humanoiden Wesen, gewissermaßen einer Verkörperung des Bösens. Die zwei älteren Frauen haben sich unterwürfig dem Wesen gegenüber verhalten – das Mädchen und ich haben nur so getan und wollten fliehen. Sie wusste einen Weg, wofür wir allerdings einen Code und eine unbeobachtete Minute brauchten. Als wir bei dem Versuch erwischt wurden, hat sie mir den Code gegeben und das Wesen davon abgehalten, mich aufzuhalten. Sie hat sich für mich geopfert.
Ich bin aufgewacht, in dem festen Glauben dass das Mädchen tatsächlich gestorben ist, dass sie sich wirklich für mich geopfert hat. Dass sie nicht mehr aufwachen würde.
Natürlich glaube ich das jetzt nicht mehr, aber in dem Moment des Aufwachens war dieser Gedanke so plausibel wie jeder andere.

Nun also zur Deutung. Ich komme immer nur in dem kleinen Behandlungszimmer im Dachgeschoss auf die Erleuchtungen, Epiphanien und Ideen, die plötzlich soviel Sinn ergeben. Es ist mystisch. Sobald ich in dem Raum sitze, kann ich Dinge, die mir vorher schleierhaft erschienen sind, plötzlich wie von selbst in den Gesamtzusammenhang einfügen.
Die vier Frauen, stehen für Teile meiner Persönlichkeit. Das Wesen ist die Depression, verbildlicht durch meinen Kryptonit-Menschen. Und das kleine Mädchen steht für mein inneres Kind (das kam übrigens vom Doc, das hätte ich nicht angenommen – ich wusste auch gar nicht, dass das Vorhandensein von solch einem Teil der Persönlichkeit so wissenschaftlich anerkannt ist).
Ich habe mich im Traum freiwillig in den Raum begeben, und dann kam ich nicht mehr heraus. So war es ja bei ihm auch. Und Teile von mir waren ihm gegenüber auch unterwürfig und hörig. Und die anderen wollten ausbrechen, sich befreien. Um irgendwie wieder da rauszukommen, habe ich mein inneres Kind – den emotionalen, unschuldigen, verletzlichen Teil – geopfert. Und wurde zum Fräulein Mit-Ohne-Gefühl.
Ich hab meine Emotionen aufgegeben, um das irgendwie durchzustehen. Ich hab meinen Glauben an das Gute in der Welt verloren, die Unschuld mit der ich früher durch die Welt spaziert bin. Und ich hab mich verschlossen, mit einem Schutz umgeben, eine sehr harte Schale aufgebaut – um die Verletzlichkeit ein für alle Mal aus meinem Leben zu verbannen. Ohne meine kindliche Seite war ich in der Lage die psychischen Misshandlungen zu ertragen, denen ich mich anfangs freiwillig ausgesetzt hatte…
Nachdem mir mein Therapeut das erläutert hatte, fühlte ich mich geläutert. Auf einmal machte alles Sinn. War alles so klar…

Jetzt haben wir einen neuen Ansatzpunkt für die Therapie. Mein Kind zurückholen. Mir meine emotionale Seite zurückgeben. Die Chance, die sich bietet, zu ergreifen.

Noch zwei weitere kleine, verrückte Chancen habe ich heute ergriffen.
Eines meiner grenzgenialen Kuchenrezepte bei einem Wettbewerb eingereicht und mich spontan für eine Komparsenrolle beworben, weil zufällig am Wochenende eine Produktion für’s Fernsehen in der Gegend stattfindet. Und das wäre mal was ganz anderes als mein unspektakulärer Alltag :D

Es geht doch im Leben immer nur darum, sich die Chancen, die sich einem bieten, zu ergreifen und zu nutzen.

Einen schönen Tag wünsche ich euch! Und viele Chancen ;)
Liebe Grüße, euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

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