These boots were made for walking.

Guten Abend meine Lieben!

Ich schreibe euch von meiner Couch aus, einen Fuß auf einem Kissen, damit er nirgends drankommt.

Heute verlief ganz ganz ganz anders als gedacht. Also wirklich ganz anders.
Heute morgen konnte ich endlich wieder einmal etwas länger schlafen :)
Als ich dann aufgestanden bin wartete eine Nachricht von einem Kommilitonen in meinem Posteingang, der mich gefragt hat, ob ich in der Stadt sei und heute schon was vor habe.
Hatte ich nicht – also hat er mir angeboten die lange bestehende Einladung auf einen Tee einzulösen. Er wollte zu einem Café spazieren gehen, von dem aus man einen Blick auf die ganze Stadt hat. Ich habe zugesagt und eine Stunde später war ich in der Stadt um ihn abzuholen.
Wir sind an der Uferpromenade entlang geschlendert, wo ein kleiner Flohmarkt aufgebaut war. Wir gingen weiter am Ufer entlang und als wir uns auf Google Maps die Route angesehen habe, wurde mir klar, dass es nicht der einstündige Spaziergang werden würde, den ich erwartet hatte.

Der Weg zu dem auf einem Berg gelegenen Lokal war natürlich steil, in Serpentinen. Es gab zwei mögliche Routen und wir entschieden uns die eine hinauf und die andere hinab zu gehen. Die kürzere hinauf versteht sich.
Der Weg nach oben war schon recht anstrengend… Aber die Straße war geteert und zumindest war die Landschaft schön, das Wetter mild und sonnig – und trotz der Anstrengung war es dank einer sanften Brise angenehm kühl.
Das Café an sich war von außen unscheinbar, aber die Aussicht war wirklich sehr schön. Mein Begleiter war hin und weg, für ihn hatte sich der Aufstieg gelohnt – ich bin für solche mehr oder weniger unmenschlichen Wanderungen nicht so leicht zu entschädigen, aber es war schon in Ordnung so.
Drinnen haben wir etwas getrunken und uns unterhalten, bis wir ausgeruht genug für den Heimweg waren.

Ich hatte vom Hinweg eine Blase (die, wegen der ich jetzt gehandicapt auf der Couch liege) und wollte eigentlich den kürzeren Weg zurück gehen. Der werte Herr Kommilitone hat aber darauf bestanden, dass wir den anderen nehmen, weil er für einen geplanten Ausflug wissen wollte wie lange wir dafür brauchen würden. Ich lies mich breit schlagen… ein Fehler.
Denn für den Rückweg hatte er eine Beschreibung bekommen und anstatt sich wie auf dem Hinweg von mir navigieren zu lassen (mit Google Maps als Co-Piloten), bestand er darauf dieser zu folgen. Der nächste Fehler.
Anstatt zurück auf die Straße zu gehen, wie ich es vorgeschlagen hatte, führte diese Straße mitten in den Wald. Auf einem steil abfallenden, mit Tannenzapfen und Steinen bedeckten, rutschigen Weg aus festgefahrener Erde und Betonscherben. Und da der Weg zu einer Kreuzung mit drei Abzweigungen führte, wussten wir nicht wohin wir weiter gehen sollten. Wir sind die erste hinab gestolpert und merkten recht bald, dass sie einem Rundweg gleich wieder nach oben führte. Wir sind also wieder hinauf geklettert und haben uns für die nächste Abzweigung entschieden. Inzwischen war ich ziemlich schlecht gelaunt, schließlich hatte ich gleich gesagt, dass wir die Straße nehmen sollen. Als wir unten angekommen waren, ein noch steilerer Weg übrigens, wies uns ein Schild den Weg nach… oben. Der Weg, den wir gesucht haben, liegt scheinbar oben. (Grade ist mir aufgefallen, wie dumm wir waren. Das Schild weist wahrscheinlich einfach nur nach oben, weil es für Wanderer ist, die von unten kommen. Wir waren einfach so fixiert darauf, dass der Weg dort oben sein musste, dass wir das gar nicht in Betracht gezogen haben… Ohje, jetzt erscheint alles so klar.)
Also sind wir den unglaublich (!) steilen Berg über den unglaublich unwegsamen Pfad wieder nach oben gekrochen – okay, wir sind schon noch gegangen, aber es fühlte sich für mich wie kriechen an – und dumm wie wir waren die dritte und letzte Abzweigung lang gegangen. Die führte nach einer Biegung abermals nach oben, wo wir resigniert eingesehen haben, dass jeder der vermeintlich möglichen Wege am Ende in dem selben mündet. Dem nach oben.
Ich war zu dem Zeitpunkt nur noch am lamentieren. Das alles ging mir wahnsinnig auf den Keks. Meine Blase schmerzte, der Weg war so steil und rutschig wie eh und je und wir hatten keine Ahnung, wohin der Weg nach oben führte. Und wir hatten verdammt viel Kraft bei dem ständigen Auf und Ab vergeudet – ich war erschöpft. Für jemanden der keinen Sport macht ist meine Kondition allerdings echt in Ordnung…

Verkürzen wir die Geschichte… ich lotste uns zurück auf die Straße, übernahm wieder das Kommando und weigerte mich jede Art von „Abkürzung“ oder Wald-Wanderwegen zu nehmen, die mein Begleiter zu finden geglaubt hatte. Ich lief einfach ungerührt über die Straße, durch Ortschaften, Wälder und Felder. Ganze sechs Kilometer ging es (von stetigem Zetern meinerseits begeitet) bergab. Dann wurde es wieder flacher und wir stapften drei weitere durch die Landschaft, bevor ich wieder den asphaltierten Boden der Stadt unter meinen Schuhen spüren konnte. Ich war fertig mit der Welt. Einfach K.O.
Mein Kommilitone entschuldigte sich für die entstandenen Unannehmlichkeiten. Schönes Beamtendeutsch :D
Ich beruhigte ihn, so schlimm fand ich das ganze nun auch wieder nicht. Vielleicht hatte ich mich zuviel beschwert… aber mein Körper macht mich sehr sehr gefährlich und aggressiv, wenn er etwas nicht gut findet.
Und den Schmerzen in meinen Oberschenkeln zufolge fand er das ganz und gar nicht gut.
Ich versicherte ihm, dass wir gerne wieder Tee trinken gehen können  – solange es ein anderes Café ist ;)

Wieder zuhause, Badewanne mit Wasser voll laufen lassen, Pizza im Ofen warm gemacht, ruhige Musik rausgesucht. Und dann nix wie rein ins warme Wasser… in der Hoffnung dass das die Muskeln entspannt und mir das Schlimmste ersparen wird. Als ich lange genug eingeweicht hatte, behandelte ich die Blase mit massig antibakterieller Bepanthen und ich hoffe einfach, dass es hilft. Sie ist so groß wie ein Zwei-Euro-Stück :(

Obwohl ich jetzt wieder wohlbehalten und entspannt auf der Couch liegen kann, bin ich nicht glücklich… Im Gegenteil. Ich bin schon wieder nahezu depressiv… und das alles nur, weil der Vogelspinnen-Züchter immer noch nicht geschrieben hat… ich hab ihm vor drei Stunden eine Nachricht geschickt… Wenn er morgen wieder nicht antwortet, dann kann ich für nichts garantieren. Meine Laune ist wirklich auf dem Tiefpunkt. Vielleicht esse ich gleich noch etwas Kuchen – nur um sicher zu gehen, dass ich alles versucht habe. Ach Mann… wieso?

Ich wünsche wenigstens euch einen schönen Abend!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

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