Emotionale Ermüdung

Guten Abend!

Ich bin sehr müde. Aber nur mein Körper, nicht mein Geist – darum schreibe ich noch ein paar Zeilen.
Der heutige Tag war sehr ermüdend. Ich bin erschöpft… emotional erschöpft.

Ich habe meinen Plan eine Tablette im voraus zu nehmen, dummerweise nicht in die Tat umgesetzt… und es mehr als nur bitter bereut.
Meine Tante hat (unter der Schirmherrschaft meiner Mutter) sehr scharf auf mich geschossen, als ich mit den beiden am Küchentisch saß. Es ging um das leidige Thema meiner Erwerbslosigkeit. Diese Tatsache scheint in meiner Familie mütterlicherseits jedem – mal abgesehen von mir – sauer aufzustoßen. Jedes Mal wieder, wenn ich zuhause bin, kommen sie darauf zu sprechen. Und es ist immer ein unverholener Ausdruck von Herablässigkeit in ihren Stimmen. Von den unterschwelligen Vorwürfen ganz zu schweigen. So natürlich auch dieses Mal. Und obwohl es natürlich gewissermaßen auch nur eine arrogante Annahme meinerseits sein könnte, so hatte ich doch wieder das Gefühl einen latenten Anflug von Neid spüren zu können. Wenn wundert es, bei dem Leben dass ich führe.
Ich „liege anderen auf der Tasche“ und mache mir „eine schöne Zeit, wie ein Hartz 4 Empfänger“. Ich komme mit dem Geld aus, das ich monatlich beziehe und habe mich nie beklagt, so ‚wenig‘ Geld zur Verfügung zu haben. Es sind immer die anderen, die mir einreden wollen, dass ich Geld verdienen müsste um ein schönes Leben führen zu können. Bullshit. Ich beweise ihnen ja täglich das Gegenteil, was nur ein noch größerer Stein des Anstoßes sein muss.

Nunja, als ich mir nun wiederholt die Bedeutungslosigkeit und Aussichtslosigkeit meines Lebens vorführen lassen musste, erhielt ich unter größter Anstrengung die Fassade aufrecht, solange es mir möglich war. Doch irgendwann fing diese unter dem Kreuzfeuer langsam an zu bröckeln und meine Kräfte schwanden kontinuierlich. Als ich bemerkte, dass ich die Tränen bald nicht mehr zurückhalten können würde, beschloss ich mich mit einem finalen Angriff der ganzen Sache zu entziehen. Ich nutzte also meine letzten Kraftreserven um mich aus der ausweglosen Situation zu retten. Und ging dann einfach.
Ich legte mich emotional und körperlich völlig entkräftet in mein Bett und blieb den ganzen weiteren Nachmittag dort. Egal wie oft auch Menschen klopften, um mich dazu zu bewegen an die Kaffeetafel zu kommen, ich wehrte nur ab. Ich konnte mich nicht zu meiner Familie setzen, dazu war ich einfach zu labil.
Meine Tränen machten sich dazu auch zu schnell selbstständig.

Als meine Mutter sich kurz zu mir setzte, erzählte ich ihr kleine Bruchstücke meiner Probleme, ohne dass man sofort auf meine Krankheit schließen hätte können. Ich musste ihr zumindest sagen, dass ich ihr Verhalten nicht ertragen kann damit sie wenigstens eine (erneute) Chance hat, sich mir gegenüber anders zu verhalten.
Und von meinen Schlaf- und Essstörungen konnte ich ihr berichten, ebenso von meiner „momentanen“ emotionalen Unzulänglichkeit. Hoffentlich nimmt sie es sich zu Herzen, dass es mir schlecht geht und ich mit ihren ständigen Vorhaltungen und Vorwürfen nicht klar komme. Sie war betroffen, also hoffe ich, dass sie mich vielleicht etwas versteht…

Aber nach der ganzen Angelegenheit war ich ausgelaugt. Schrecklich ermattet… und ich lag in meinem Bett, mein Körper war vollständig am Ende – aber mein Geist war so ruhelos wie eh und je. Das machte mich verrückt… ich konnte keine Ruhe finden. Ich blieb dennoch bis zum Abend in meinem Zimmer, bevor ich mich dann zu meiner Mutter ins Wohnzimmer legte.

Jetzt bin ich wieder im Zimmer und werde wohl wieder nicht so leicht in den Schlaf finden können… Wird schon werden, morgen früh muss ich meine Sachen packen und mittags geht es zurück in meine Wohnung – da kann ich mich dann wieder dem Müßiggang hingeben so viel ich will, ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen. Zuhause bin ich sicher wieder in der Lage mich aufzupäppeln :)

Gute Nacht meine Lieben!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

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Ein Gedanke zu “Emotionale Ermüdung

  1. Ich kann verstehen, dass dir die Situation emotional so zugesetzt hat. Niemand hat ein recht, dich so zu behandeln und dir Vorhaltungen zu machen. Jeder profitiert von den Sozialsystemen, manche sind sich dessen nur nicht bewusst. Zum Beispiel ist jeder mal zur Schule gegangen, aber die meisten versuchen Steuern zu „sparen“, aus denen eben diese Schulen finanziert werden. Das finde ich vom Prinzip her viel schlimmer, vor allem weil Absicht dahinter steckt.

    Du hast das Recht auf einen Lebensunterhalt – nicht nur in juristischer Hinsicht, sondern vor allem in ethischer/gesellschaftlicher Hinsicht. :)

    Ich finde es gut, wie du dich verhalten hast. Wegzugehen finde ich eine gute Idee. Ich muss gestehen, ich finde es ohnehin mutig, dass du dich der Situation ausgesetzt hast. :)

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