Alles kommt anders als man denkt!

Guten Abend meine Lieben :)

Ich bin heute wesentlich entspannter als gestern um diese Zeit. Und warum, fragt ihr euch? Ich will es euch gerne erklären:

Heute Nachmittag kam meine Mitbewohnerin nach Hause, hat sich in den Türrahmen gestellt und mir eröffnet, dass sie auszieht. Und dass sie mir Geld dafür gibt, dass sie ihre Sachen in meinem Keller lagert. Ich habe nur genickt und gemeint, „kein Problem“.
Ich war zwar erstaunt gewesen, aber nicht emotional berührt. Ja, gewissermaßen war ich selber erschrocken über meine Kälte. Ich habe nie verstanden was meine Mutter damit gemeint hat, dass ich genauso kalt wäre wie mein Vater. Bis heute.
Und hätte sie angefangen zu Weinen oder sonstwas, es wäre in meiner Gleichgültigkeit untergegangen. Das ist zwar beängstigend, aber auch beruhigend. Ich kann weitermachen, weil mein Kopf mittlerweile alles rational sieht. Keine Emotionen – keine Gefühle – keine Schmerzen. Mit-Ohne-Gefühl eben.

Also legte sie eine Papiertüte mit Geld auf das Kästchen im Gang und fing an ihre Sachen zusammen zu packen. Ich habe ihr mehrmals angeboten ihr dabei zu helfen, oder beim Tragen – aber sie hat abgelehnt. Ihre Sache. Das war eine Art kindischer Trotz. Ich meine, soll sie doch sauer auf mich sein soviel sie will, ihr gutes Recht. Aber mich ihr helfen lassen hätte sie schon können.

Ich habe während sie ihr Zeug rausgetragen hat die Wohnung aufgeräumt und geputzt, damit ich nicht dumm in der Gegend rumstehe. Und ich habe angefangen für morgen ein bisschen zu lernen, die PDF-Dateien durchgescrollt, Sachen ausgedruckt. Die lese ich nach diesem Eintrag nochmal durch und dann mach ich das morgen schon irgendwie.
Als sie die letzte Kiste durch die Tür trug meinte sie nur „Tschüss!“ und ich ebenfalls nur „Tschüss!“. So ging das also zu Ende.
Anders als ich dachte. Schneller als ich dachte.
Aber gut, es war ihre Entscheidung. Von mir aus hätte sie noch bleiben können, aber so ist es wohl besser. Ist ja auch ein bisschen ein Sieg. Das Leben lehrt einen Kämpfen – und dass der Zweck die Mittel heiligt. Auch wenn dieser Sieg bedeutet, dass ich meine Freundinnen aufgegeben habe. Opfer müssen gebracht werden. Und solange ich stolz in den Spiegel schauen kann, bereue ich keine einzige Entscheidung.

Jetzt bin ich wieder alleine. Endlich. Und ich habe so viel Platz, das ist mir erst jetzt bewusst geworden. Und die Wohnung ist nach wie vor schön – hab sie heute geputzt. In dem Zustand könnte ich sogar meine Mutter reinlassen!
Und nun kann ich wieder laut Musik hören. Die Musik die ich gut finde. Auch depressiven Deutsch-Rap. Lange baden. Lange ausschlafen, lange aufbleiben. Meine amerikanischen Krimi-Serien schauen. Nachts weinen und schreien. Auf dem Balkon rauchen. Vielleicht mal jemanden einladen. Oder gar jemanden mit nach Hause bringen, in ein paar Monaten, wenn es besser ist.

Ich bin gern allein. Ich habe nur mich gebraucht, bevor ich anfing von der Liebe anderer Menschen abhängig zu werden. Und ich brauche jetzt wieder nur mich. Von anderen habe ich mich losgesagt. Es gibt ohnehin nur noch wenige Menschen, deren Liebe mir etwas bedeutet. Ich bin gerne allein.

Ist auch besser, wenn ich weiß dass mich so keiner sieht. Dass mich keiner weinen sieht. Dass keiner meine zitternden Hände sieht, wenn ich eine der kleinen gelben Pillen zwischen meine Lippen schiebe. Dass keiner den leeren Blick sieht, mit dem ich vom Balkon aus durch den Rauch in die Dunkelheit starre.
Es ist besser so, allein. Alleine sein bedeutet schließlich nicht, dass man einsam ist.

Heute in einer Woche bin ich nicht mehr allein. Ich besuche meine beste Freundin und meine Stieffamilie. Dann heißt es wieder „Bühne frei“. Eine Woche Normalität. Alles abschalten, den Reset-Knopf drücken. Wie eine Parallel-Welt. Eine kleine Auszeit. Urlaub von mir selbst.

Bis dahin muss ich nur noch zwei Klausuren schreiben. Einmal Therapie habe ich auch noch. Ansonsten kann ich mir Zeit für das nehmen, was mir wichtig ist, was mir Spaß macht. Freiheit. Freiheit. Zumindest scheint es so… aber es kommt eh alles anders als man denkt, also wer weiß was nächste Woche ist?

Einen schönen Abend noch und liebe Grüße!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

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