Ein steiniger Weg…

… bedeutet noch lange nicht, dass es der falsche ist.

Einen schönen guten Abend allerseits!

Es ist jetzt 21 Uhr und ich resümiere jetzt mal die letzten zwei Tage – ereignisreiche Tage.

Montag fing anders an, als gedacht. Wir hatten am Sonntag zu dritt bis um zwei Uhr nachts den Superbowl angeschaut, bis es uns zu blöd und zu spät wurde. Nach der Halftime-Show war dann endgültig Schluss. Die beiden Mädels gingen schlafen und ich ins Bett. Die Formulierung ist wörtlich zu nehmen und kein Zufall: ich habe nämlich nicht geschlafen.
Die ganze Nacht nicht.
Als es als halb drei war, wollte ich eigentlich schlafen, konnte aber nicht. Und so probierte ich rum, so hinlegen, anders hinlegen. Musik, keine Musik. Licht aus, Lichterkette an. Hat alles nix geholfen, also hab ich angefangen mit dem Handy rumzuspielen… Das hat auch nicht geholfen… Dann war es vier.
Und ich genervt… irgendwie war ich immer noch nicht wirklich fertig genug um zu schlafen – im Nachhinein denke ich mir nur: „Warum hast du dummes Kind keine Tablette genommen?!“
Ich habe Recht. Ich hätte nicht durchmachen müssen, wenn ich einfach eine Tablette genommen hätte. Aber so wurde es langsam aber sicher immer später, um fünf Uhr morgens habe ich mit dem Bruder meiner besten Freundin gechattet, der mir auch das Superbowl-Endergebnis sagen konnte – und um sechs Uhr habe ich beschlossen, dass ich einfach wach bleibe. Der Nebel war so kalt eisblau an diesem Morgen, so einen Blick hatte ich noch nie wenn ich aus dem Fenster geschaut habe. Und er tauchte alles in ein kaltes Licht.
Ich hab mich noch bis acht Uhr beschäftigt, mit Game of Thrones im Internet streamen, bevor ich mich auf den Weg zum Bäcker gemacht habe.
Also so wach war ich Montag morgen um acht schon lange nicht mehr :D

In meinen Augenringen hätte man zwar Drogen schmuggeln können, aber ansonsten ging es mir gut. Der morgendliche Spaziergang war schön, die Luft kalt und klar, es schneite – und auf den Straßen lag Schnee. Ich bin wie ein „retarded Penguin“ die Straße runtergetrippelt, um auf der matschigen Schicht nicht auszurutschen. So habe ich doppelt so lange gebraucht wie sonst, aber ich kam heil und sauber unten an.

Beim Bäcker hab ich Brötchen und Croissants (für meine Mitbewohnerin samt Besuch) geholt. Ein Saft hat sich auch noch in meinen Jutebeutel geschlichen und dann ging es wieder nach Hause – diesmal bergauf und weniger trippelig.

Dann habe ich die Dinger in der Küche in den Brotkorb und so lange in meinem Zimmer, bei offener Tür, weiter meine Serie geschaut, bis gegen halb elf die Damen aufgestanden sind. Zu dem Zeitpunkt war ich bereits 25 Stunden wach. Aber es ging mir gut.
Dann haben sie gefrühstückt (wobei ich darauf hinweisen musste, dass die Croissants für die beiden sind) und sich fertig gemacht – die Freundin musste zum Bahnhof.
Ich hab weiter in meinem Bett gelegen und den Bildschirm betrachtet. Hab beschlossen, dass das arg sinnlos ist und stattdessen die Küche aufgeräumt und geduscht. Ich musste wachbleiben. Mindestens bis 18 Uhr. Und es war erst 13 Uhr. 27 Stunden.
Die ganze Aktion war ziemlich hart, ab 14 Uhr war ich nämlich hundemüde. Aber ich durfte nicht schlafen, also habe ich angefangen zu kochen – Nudeln für einen Nudelsalat. Als der fertig war, kam meine Mitbewohnerin auch vom Einkaufen zurück. 15 Uhr. 30 Stunden.

Die nächsten zwei Stunden lassen sich einfach zusammenfassen: Zombie. Ich war nicht richtig da, aber auch nicht richtig weg. Bis ich einen folgenschweren Fehler machte. Ich sprach meine Mitbewohnerin auf die Sache mit der Miete an.
Die Vorgeschichte: Wir haben am Anfang ausgemacht, dass sie für eineinhalb Monate bleibt – ergo auch für eineinhalb Monate zahlt. Am Donnerstag habe ich sie gefragt, ob ihre Mutter die halbe Miete für die Februar-Hälfte dieses Mal überweisen kann. Sie sagte sie fragt mal. Am Freitag Nachmittag hab ich nachgefragt, ob schon was rauskam, worauf sie nur sagte, dass ihre Mutter nichts mehr zahlen will, weil sie ja nur 30 Tage insgesamt bei mir wohnt. Das finde ich nach wie vor ein völlig unsinniges Argument – ich bin schließlich kein Hotel in dem man die Nächte bezahlt. Ich habe nur gesagt, dass ich gerne mit ihrer Mutter rede, wenn sie sie nicht überzeugen kann.
Am Montag dann, habe ich erneut nachfragen müssen. Da kam folgender Satz: „Ich habe mit den anderen (unsere gemeinsamen „Freundinnen“) drüber geredet und die meinen, ich würde mich zum Deppen der Nation machen, wenn ich das zahle.“ Ich war erstmal baff. Und dann wurde ich wütend. Wieso bitte sagen die anderen das? Was haben die denn damit zutun? „Ich habe sie um Rat gefragt.“ Soso. Alle miteinander? (Ich habe heute erfahren, dass sie alle gemeinsam in einem Restaurant gegessen haben, als ich am Freitag nicht konnte. Finde ich unmöglich da über mich zu reden und mich hinter meinem Rücken auszurichten. – Das sehen meine „Freundinnen“  übrigens anders.) Spätestens dann wurde ich traurig. Ich erkannte, dass sie mit den Mädels seit Tagen hinter meinem Rücken über mich geredet haben muss und niemand hielt es für nötig mir irgendwas ins Gesicht zu sagen. Hätte ich nicht nachgefragt, wer weiß, wann meine Mitbewohnerin das Maul aufgekriegt hätte. Entschuldigt den „verbalen“ Ausrutscher, aber ich bin nach wie vor wütend auf sie und diese Aktion.
Die Damen haben also einstimmig beschlossen, dass ich eine schreckliche Freundin bin und absolut kein Anrecht auf das Geld habe, da meine Mitbewohnerin nur 30 Tage bei mir gewohnt hat. Alles andere soll ich gefälligst als Freundschaftsdienst sehen. Und schämen soll ich mich am Besten auch gleich noch. Sie so über den Tisch ziehen zu wollen. Wo sie doch so viel für mich getan und ausgegeben hat. Die drei Euro Benzin oder was?
Ja genau. Alles was ich will, ist sie über’s Ohr hauen und ihr das Geld aus der Tasche ziehen. Haha.
Dass ich lediglich nach dem Betrag der am Anfang ausgemacht wurde gefragt habe, findet keiner in Ordnung.
Und nur für’s Protokoll: Das Geld, das sie in irgendeiner Weise für mich ausgegeben hat, steht in keiner Relation zu meinen Ausgaben, geschweige denn der Miete. Punkt.

Nunja. Da saß ich also im Wohnzimmer und musste mir das anhören. (Mein Therapeut meinte heute, dass ich mich eigentlich nicht rechtzufertigen habe – weil ich im Recht bin und mein Anspruch legitim ist. Ich tat es trotzdem und tue es immer noch.) Und ich habe mich gerechtfertigt, bevor ich das mit den Anderen gehört habe.
Da bin ich aufgestanden, gegangen, hab die Tür hinter mir zugemacht und hab mich in mein Bett gelegt. Und geweint. Weil ich die Welt nicht mehr verstanden hab. Wie konnten mir meine „Freundinnen“ geschlossen in den Rücken fallen? Was denken die überhaupt von mir? Und wie kommen die zur Hölle auf den Gedanken, dass ich meine Mitbewohnerin um ihr Geld betrügen wollen würde!? Ich bin dann aus der Whatsapp-Gruppe ausgetreten, weil diese Leute für mich durch waren. Freundschaft bedeutet gegenseitiges Vertrauen. Und das kann ich beim besten Willen weder auf ihrer noch auf meiner Seite mehr erkennen.

Da lag ich. Nach einer Viertel Stunde die ich durchgeweint hatte, weil mein Vertrauen in diese Mädchen einfach auf dem Boden zersprungen ist und die Splitter weh taten, begannen die Tabletten – die ich geistesgegenwärtig eingeworfen hatte – zu wirken. Es war ja auch 18 Uhr und ich seit 33 Stunden wach. Ich wurde ruhiger und war schon kurz vor’m einschlafen, als es an der Tür klopfte. Nur ein „Lass es einfach“ und ansonsten keine weitere Reaktion meinerseits. Aber jetzt war ich wieder wach. Nach einer weiteren Viertel Stunde stand sie wieder vor der Tür (wohl weil die anderen sie gefragt haben, warum ich wortlos aus der Gruppe ausgetreten bin) und obwohl als ich sagte, sie solle gehen, machte sie die Tür auf.
Da stand sie im wahrsten Sinne des Wortes zwischen Tür und Angel und begann zu diskutieren. Ich verteidigte mich, meinen Standpunkt, meine Reaktion und musste mir weitere Anschuldigungen und Vorwürfe anhören. Ich wurde wirklich aufgebracht, als sie schließlich anfing auf meiner Krankheit rumzuhacken. Nur weil ich gesagt habe, dass es mir schon schlecht genug geht und ich mir selber schon genug Vorwürfe mache, da brauch ich mir nicht auch noch die von anderen geben. Ich solle mich mal zusammenreißen und überhaupt, wie ich da in Selbstmitleid versinke, das geht so nicht weiter! Dass ich die letzten Tage überaus aktiv am Leben teilgenommen habe, könnt ihr ja selber nachlesen. Ich hatte also absolut keine Ahnung wie ich jetzt auf die haltlosen Vorwürfe reagieren soll. Mehr als ihr genau das zu sagen, konnte ich nicht tun. Und vor allem sagte ich, dass es mir reicht. Ich wollte nicht mehr diskutieren. Ich war müde, auf Tabletten und furchtbar traurig, wie mich mein Umfeld wahrnimmt.

Sie meinte, wir würden morgen nochmal reden. Sie wünschte mir eine gute Nacht und viel Glück bei der Prüfung heute. Ich sagte nichts mehr. Endlich schloss sie die Tür. Ich konnte jetzt natürlich nicht schlafen. Zweite Hälfte der Tablette. Habe meiner besten Freundin geschrieben, dass ich nicht weiß was ich tun soll. Und dann ging es los. Sowas habe ich ja noch nie erlebt.
Ich hatte Halluzinationen, zumindest denke ich, dass die sich so abspielen. Ich kenn mich da ja nicht so aus.
Aber das Valium lies mein Bett schaukeln, als wäre es eine Schiffschaukel auf dem Volksfest (Kirmes, für die Nicht-Bayern). Das Handy-Display änderte ständig seine Form, Farbe und Beschaffenheit. Ich fühlte meine Finger eine Nachricht tippen, ich sah nach einem Blinzeln aber, dass sie sich keinen Zentimeter bewegt hatten. Lauter solche Scherze. Die Kombination aus den Tabletten, dem Schlafmangel und meinem Versuch meine Augen offen zu halten war eindeutig nicht optimal :D
Kurz, das Zeug ist heftig und ich sollte nie wieder versuchen wachzubleiben, wenn es anfängt zu wirken. Die Nachrichten an meine Freundin waren überraschenderweise gar nicht so konfus. Was für eine Nacht.

Heute morgen bin ich aufgestanden und hab gefrühstückt und bin zum Bus und damit zur Prüfung – wie ein normaler Mensch.
Bin ganz stolz auf mich.
Die Prüfung habe ich übrigens grandios in den Sand gesetzt (über diese Formulierung musste sogar mein Psychiater lachen). Damit meine ich, dass ich erstens nicht viel wusste und zweitens auch meinen letzen Anspruch auf Punkte verspielt habe, weil – bitte einmal festhalten – ich die Prüfung auf Englisch geschrieben habe und nicht auf Deutsch. Ich Depp. Mehr fällt mir dazu wirklich nicht ein. Aber ich bin stolz auf mich. Ich hab die Textanalyse komplett in Englisch geschrieben, ohne Wörterbuch und trotzdem ist sie gut geworden. Ich habe mich schon gefragt, warum wir keins benutzen dürfen – klar, weil wir für eine Antwort auf Deutsch auch keins brauchen.
Also, Prüfung versemmelt, aber mit Stil :D
Hab übrigens noch einen Kommentar à la „Entschuldigen Sie bitte, dass es nicht das ist was Sie wahrscheinlich lesen wollten. Danke, dass Sie es trotzdem gelesen haben! Einen schönen Tag noch!
PS: Hätte ich das hier etwa auf Deutsch schreiben sollen??“ darunter gesetzt. Typisch ich.

Auf dem Weg nach Hause habe ich vor mich hingesungen. Ein Zeichen dafür, dass es mir gut ging. Warum? Das hab ich mich auch gefragt. Nach gestern Abend… Aber das war auch die Antwort: ich bin eine Kämpfernatur. Hab mich seit jeher gegen meine Mutter und gefühlt den halben Rest der Welt behaupten müssen. Und ich habe gelernt, dass aus Wut große Stärke hervorgeht. Und jetzt kann ich wieder kämpfen. Dafür, dass ich verdammt nochmal bekommen, was ausgemacht war. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. 
Ich habe im Übrigen nicht vor zu versuchen meinen Ruf bei den Anderen zu rehabilitieren. Das Thema ist für mich solange gegessen, bis sich irgendwas Neues ergibt. Und sollten wir nicht irgendwie wieder zusammen kommen, dann ist es eben so. Ich bin ohnehin ein Einzelkämpfer. Schon immer.

Den Nachmittag habe ich in meinem Zimmer verbracht, nachdem ich zu Fuß einkaufen war. Die Sonne draußen hat gut getan. Abends bin ich zur Therapie gegangen. Ich habe meinem Doc mein Herz ausgeschüttet und er meinte, dass ich im Recht sei. Und dass ich mir nicht so viele Gedanken über meine „Freundinnen“ machen soll. Und das er das Verhalten meiner Mitbewohnerin schäbig findet. (Schäbig ist mein Wort des Tages, das werde ich ab jetzt öfter benutzen!)
Jetzt weiß ich zumindest, dass ein rationaler Erwachsener genauso denkt wie ich. Also liegt es nicht an meinem abgedrehten Gehirn. Puh ;)

So, zwei Stunden an einen Eintrag hingeschrieben. Ich frage mich, ob den jemand ganz liest? 2000 Wörter. Ohje.
Falls nicht, dann liest derjenige auch nicht, dass ich heute Abend Mister Flanellhemd geschrieben habe, weil mir langweilig war. Mal schauen, vielleicht ist er nicht ganz so doof, wie ich zuerst geschlussfolgert habe. Hat übrigens zurückgeschrieben, also so dumm kann er nicht sein ;)))

Liebe Grüße, euer kämpferisches Fräulein

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2 Gedanken zu “Ein steiniger Weg…

  1. Ganz ehrlich, mein erster Impuls war dir zu Raten, deine Mitbewohnerin augenblicklich vor die Tür zu setzen, wenn sie ja nicht den vereinbarten Mietbetrag zahlen will. Warum solltest du dich an die vereinbarte Mietdauer halten, wenn sie sich auch nicht dran hält was ihr besprochen habt und sogar noch hinter deinem Rücken über dich redet? Aber das wäre wohl kindisch und unfair… ich denke aber auch, dass dir definitiv der vereinbarte Mietbetrag zusteht. Wer weiß allerdings, was sie den anderen Freundinnen in dieser Sache erzählt hat – auf deren Meinung würde ich darum überhaupt nichts geben. Sie waren nicht bei eurer Absprache dabei, sie kennen nur eine Seite der Geschichte und haben sich nicht die Mühe gemacht, dich zu fragen. Wenn sie unbedingt eine Meinung haben müssen – klar, ihr gutes Recht. Aber es ist halt auch dein Recht, dich nicht dafür zu interessieren was dritte sagen.

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