Öffentlicher Nahverkehr…

Guten Abend!

Jedes Mal wenn ich im Bus sitze und irgendwelche Leute sich nicht benehmen können, Kinder rumschreien oder schlichtweg die Asozialen der Stadt ebenfalls mitfahren, dann werdet ihr von mir den Satz hören: „Gott, ich liiiiebe den öffentlichen Nahverkehr!“

Heute war mein absolutes Down-Light (wenn man das so ausdrücken kann).
Im Bus stieg, eine Station nachdem ich eingestiegen bin, ein Mann zu. Dieser trug zwei Penny-Tüten und eine alte Sporttasche, die er über beide Schultern gehängt hatte, weshalb sie auf seiner fleckig-braunen Stoffjacke etwa auf seiner Hüfte baumelte.
Sein Gesicht war aufgedunsen und schlecht rasiert, das spärliche, braune Haar hing im strähnig ins Gesicht. Über seinem deutlichen Bierbauch wölbte sich seine Jacke und auch weiter unten wurde es nicht besser.
Er roch nach kaltem Rauch und Alkohol. Als er den Gang entlang stolperte, fiel ihm eine Dose Bier aus der Hand. Auf dem Boden aufgekommen, begann sie sogleich ihren Inhalt spritzend und sprühend durch den ganzen Bus zu verteilen. Der Mann fluchte lallend – machte aber keinerlei Anstalten etwas zu unternehmen. Als der Bus anfuhr, taumelte er gefährlich direkt vor meinem Platz herum. Zwei Stationen später, kickte er die Dose aus dem Bus, worauf die spritzend auf dem Gehweg „explodierte“.
Der ganze Bus stank nach Bier und ich war wahnsinnig angewidert von dieser Person. Ich verstehe einfach nicht, wie man sich so gehen lassen kann. Er sprach die ganze Zeit mit sich selbst und ich war wirklich froh, als er endlich ausgestiegen ist.

Ich war übrigens auf dem Weg zu meinem Erst-Gespräch bei einer weiteren Psychologin. Das war sehr gut. Ich finde die Frau wirklich sehr nett! Jetzt habe ich nur ein Problem – ich muss mich zwischen ihr und meinem anderen Therapeuten in spe entscheiden. Das kann ja was werden… Ernsthaft, andere warten monatelang auf einen Therapieplatz und ich habe gleich zwei an der Hand und kann mich nicht entscheiden.
Luxus-Probleme…

Auf dem Weg nach Hause habe ich einen Stopp bei einer kranken Freundin eingelegt und sie ein bisschen unterhalten :)

Der Bus nach Hause war wieder ein Erlebnis für sich… Erneut ist eine Station nach mir ein Mann zugestiegen. Er hatte ein großes Bild dabei, auf dem vier halbnackte Frauen mit Surfboards vor einem Sonnenuntergang am Meer zu sehen waren. Er war so stockbesoffen, dass er nicht mal den Stempelautomat für die Karte gefunden hat. Der Busfahrer musste ihm helfen und ihn danach mehrmals darauf hinweisen, dass er nicht losfahren kann, wenn der Mann sich nicht hinsetzt. Er ist allerdings kaum dazu im Stande gewesen, sich überhaupt zu bewegen. Als er an mir vorbeischwankte, konnte ich seinen faulig-alkoholisierten Atem riechen und musste ein Würgen unterdrücken. Er war stark überwichtig und sein geschundener Körper passte kaum auf einen Sitz. Das Mädchen neben ihm tat mir unfassbar leid…

Als ich an ihm vorbei musste, mit den Einkäufen des Tages, konnte ich den Anblick der ins Leere starrenden Augen kaum ertragen. Dieser Mann hatte sich und sein Leben aufgegeben. Seine/n Sorgen/Kummer in Alkohol etränkt. Und das um 18 Uhr. So betrunken, dass er mich kaum noch wahr nimmt. Das verzerrte Grinsen auf seinem Gesicht gilt nicht mir.

Soviel zu den Abgründen der Menschheit. Wenn ich so die Menschen in meiner Umgebung betrachte, während ich im Bus sitze, dann wird mir schmerzlich bewusst, wie tief man sinken kann. Sehr sehr tief.

Ich will so nicht enden. Mich nicht in Alkohol ertränken. Mich nicht selbst aufgeben.
Tage wie heute lassen mich erkennen, dass es richtig war, mir Hilfe zu suchen.

Einen schönen Abend noch!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

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2 Gedanken zu “Öffentlicher Nahverkehr…

  1. Ist doch schön, dass du die Möglichkeit hast, zwischen zwei Therapeuten zu wählen! :) Das ist zwar schon irgendwie ein Luxusproblem, aber Hauptsache ist doch, dass es so gut läuft.

    Zumindest in diesem Punkt. Öffentliche Verkehrsmittel mag ich auch nicht sehr gerne.

    Gefällt 1 Person

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