Ich bin des Kämpfens müde

Guten Abend allerseits!

Ich stand heute Abend in der Küche meiner Tante als ich diesen Beitrag angefangen habe. Warum ich nicht bei den anderen saß? Weil ich es nicht mehr ausgehalten habe.
Die Familie hat sich zum Beispiel über die Macht des Verbrauchers im Bezug auf die Massentierhaltung gestritten. Und ich ertrage es einfach nicht. Früher hätte ich mich an der Diskussion beteiligt, sie wahrscheinlich sogar geleitet. Einfach weil ich mich auskenne und als Veganerin meinen Standpunkt gut vertreten kann.
Aber jetzt nicht mehr. Ich bin des Kämpfens müde.

Es ging mir die letzten Tage richtig schlecht. Ich fühlt mich im Haus meiner Familie richtig niedergeschlagen und müde – die ganze Zeit. Und das an Weihnachten.

Ich möchte nicht mehr kämpfen. Nicht gegen meine Mutter. Nicht gegen meine Familie. Nicht gegen ihn. Nicht gegen die Depression. Nicht gegen die Leere. Nicht gegen mich.

Ich könnte euch so viel berichten von den letzten Tagen… so viel deprimierendes. Aber ich will euch wirklich nicht mit meinen beschissenen Feiertagen nerven. Die Depression hat mich momentan so fest im Griff. Ich konnte mich keinen einzigen Tag normal verhalten – im Gegenteil. Ich war immer niedergeschlagen, habe kaum gelächelt und war für meine Familie eher eine Belastung als eine Freude.
Aber es ist so, dieses Haus und alles darin erstickt mich. Ich konnte mir ja selbst nicht erklären, was da los war. Aber ich war noch weniger ich selbst, als sonst. Ein Zombie. Ich lebte und agierte roboterhaft. Ich fühlte mich wie eine leere Hülle – es war noch schlimmer als sonst.

Jetzt bin ich wieder zuhause. In meiner Wohnung. Alleine. Frei. Frei von dem Druck, der mich die Tage über quälte. Frei von all den negativen Emotionen.

Ich brauche wohl einfach mehr Zeit, bis ich all das wieder ertragen kann. Aber es deprimiert mich, dass ich so bin. Ich will so nicht sein. Nie mehr wieder. Nicht einen Tag länger.

Und trotzdem muss ich mich in Geduld üben und abwarten. Sowas braucht Zeit. Nur wie lange noch…?

Ich wünsche euch ein paar schöne letzte Dezembertage. Ich habe am 30. mein erstes richtiges Therapie-Gespräch. Das Jahr klingt hoffentlich gut aus. Auch wenn es nicht so schön anfangen wird wie das letzte, hoffe ich auf 2015…
Einen schönen Abend noch!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

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„Frohes“ Fest

Guten Abend allerseits!

Ich wünschte Weihnachten wäre schon wieder vorbei. Ganz im Ernst, ich habe jetzt schon wieder keinen Bock mehr.
Das Warten, dass irgendetwas passiert… Diese erzwungene Zeit, die ich mit meiner Familie verbringen muss. Der selbe Mist im Fernsehen wie jedes Jahr. Und meine Stimmung ist im Keller.

Ich könnte eigentlich echt fröhlich sein. Meine Familie ist da, es gibt nachher Essen. Ich bekomme Geschenke und Geld. Ich muss den ganzen lieben langen Tag absolut nichts machen. Und ich habe meinem Kryptonit-Menschen „Frohe Weihnachten“ gewünscht und er hat geantwortet. Das hat mich ehrlich gefreut, schließlich haben wir noch letztes Jahr zusammen gefeiert.

Ich liege hier auf meinem Gästebett und weiß absolut nichts mit mir anzufangen – und das schlimmste ist, ich bleibe noch zwei weitere Tage hier…

Ich kann meine schlechte Laune mittlerweile nicht mal mehr verbergen… Und ich trau mich natürlich nicht, eine Tablette zu nehmen, weil ich Angst habe, dass die mich auffällig müde macht… Also liege ich hier und in mir tobt ein Blizzard. Es ist schneidende Kälte. An solchen Tagen wird mir schmerzlich bewusst, dass ich keinerlei emotionale Bindung zu den Menschen hier habe. Dass ich das Haus in dem ich aufgewachsen bin, als Gefängnis empfinde.
Am liebsten würde ich ausbrechen und wäre auf und davon, noch bevor sie bemerken würde, dass ich weg bin.

Achja, mein Bruder will die ganze Zeit was mit mir machen und ich bin einfach nur mega genervt von ihm. Das würde mir ja leid tun, wäre es mir nicht vollkommen egal.

Wirklich ein „frohes“ Fest dieses Jahr. Ich kann meine Freude kaum bremsen…

Zynische Weihnachtsgrüße an euch alle!
Ich hoffe, dass es euch anders ergeht als mir.
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Es hat sich nichts verändert – mal abgesehen von mir

Guten Abend!

Ich bin jetzt zuhause. Also naja, mein Zuhause ist meine Wohnung. Aber ich bin jetzt da, wo ich herkomme, in meiner Heimat.
Heimat bedeutet Familie, das Haus in dem ich aufgewachsen bin. Heimat ist bayrisches Essen meiner Oma. Heimat sind die Berge und Wiesen und Wälder – die schönen Orte, die ich alleine mit meiner Vespa besucht habe um mein Leben zu pausieren. Heimat ist die Siedlung, die sich seit Ewigkeiten nicht verändert hat.

Ich habe eigentlich nichts  zu berichten, weil hier für mich die Zeit still steht. Es passiert de facto nichts, was mein Leben beeinflussen könnte – denn mein Leben ist nicht hier. Meine Mutter hat keinen Einfluss mehr auf mich. Alles was mich als Kind hier geprägt hat, hat radikal an Bedeutung verloren. Glückliche Erinnerungen verblassen sehr viel schneller als die anderen. Es ist nicht mehr mein Zuhause. Home is where the heart is. Und mein Herz schlägt für nichts mehr. Und schon gar nicht für diesen goldenen Käfig.

Meine Großmutter ist so niedergeschlagen wie erwartet. Sie nimmt zwar auch Antidepressiva, aber ich habe sie seit ich hier bin nicht ohne rote, verweinte Augen gesehen… Sie tut mir wahnsinnig leid…

Meine Mutter geht mir jetzt schon wieder auf die Nerven. Sie war keine zwei Minuten zuhause, da hat sie schon einen Grund gefunden, mich anzuschreien. Natürlich mache ich wieder mal alles falsch. Aber es ist mir gleichgültig. Ich weiß, dass ich mich in zwei Tagen wieder aus dem Staub mache und in mein wirkliches Leben zurückkehre. Wo sie keine Macht über mich hat.

Heute habe ich meine alten Freundinnen wiedergetroffen. Es war schön. Es war so, als hätte sich nichts verändert. Natürlich haben wir uns alle verändert, aber in den Grundzügen sind wir noch die selben Mädels, die gemeinsam ihr Abitur geschrieben haben. Wir sind immer noch in Freundschaft verbunden – und dass die so tief ist, fühlt sich gut an.

Jetzt gehe ich gleich mit meiner besten Freundin aus der Schulzeit ein bisschen feiern, als zumindest ist das der Plan, wahrscheinlich enden wir einfach redend auf irgendwelchen Barhockern :D

Ich bin hier das alte Fräulein. Die Tabletten verstecke ich ebenso, wie mein Inneres. Hier hat die Depression keinen Platz, es würde niemandem helfen, wenn meine Familie es wüsste. Also Maske auf und durch. Gefühle aus und durch. Lieber ein starkes Fräulein Mit-Ohne-Gefühl, als mich verletzlich zu präsentieren. Denn man zeigt sich nur Menschen gegenüber verletzlich, denen man auch vertraut. Von denen man weiß, dass sie die Verletzlichkeit nicht ausnutzen – und bei meiner Mutter bin ich mir da leider nicht sicher. Und wüsste es irgendjemand aus der Familie, würde sie es erfahren.

Also bleibt es dabei, wie früher: Maske auf und Bühne frei.

Einen schönen Abend euch und schöne Feiertage! Wir lesen uns!
Liebe Grüße, euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

Unbeschwert sein

Guten Abend!

Heute war ein schöner Tag :)
Ich bin leider hundemüde, drum werden es heute nicht ganz so viele Buchstaben wie sonst ;)

Heute morgen bin ich relativ früh aufgestanden, weil ich in die Stadt wollte. Ich hab mich dann doch erstmal gemütlich hingesetzt und gefrühstückt. Aber ich bin dann mittags in die Stadt gefahren und habe alles erledigt was auf meiner Liste stand, unter anderem den Erwerb von Geschenkpapier und Nougat.
Das Geschenkpapier hab ich im Depot gefunden, es sind Lebkuchenmännchen drauf! Es ist sooo cool und ich freue mich wahnsinnig drüber.
Außerdem habe ich meinem kleinen Hamster das ersetzt, was ich wegwerfen musste. In der Zoohandlung stand ich glückseelig vor den Glaskästen und habe die Tierchen beobachtet. Je länger ich da stand umso friedvoller erschien mir alles. Die Degus und Hamster und Kaninchen kamen ans Gitter und schnupperten an meiner Hand, was toll war. Ich fühlte, dass die kleinen Wesen gespürt haben dass ich ihnen nichts böses will. Das hat in meinem Inneren einen Schalter umgelegt, es hat mich einen Spalt geöffnet. Die Wärme hat ein kleines bisschen den Eispanzer angeschmolzen. Wer weiß, vielleicht geht es ja tatsächlich bergauf. Ich hoffe es jedenfalls. Naja, back to business.

Neben Nougat hab ich noch Mandeln und Margarine gekauft und als ich nachmittags wieder zuhause war, hab ich angefangen Plätzchen zu backen. Nougatplätzchen, Rumplätzchen und Lebkuchenplätzchen. Dazu habe ich Weihnachtsmusik gehört und mich wie ein kleines Kind über die Stimmung, die das auslöst, gefreut.
Als die drei Teige im Kühlschrank ruhen mussten, bin ich nochmal zurück in den Supermarkt, weil ich keinen Puderzucker mehr hatte.
Auf dem Heimweg ist mir aufgefallen, wie beschwingt ich war. Ich war glücklich – lag vielleicht daran, dass mich ein Typ in einem Maserati angelächelt hatte. :D
Aber wirklich. Als ich den Berg zu meiner Wohnung hochging fühlte ich mich unbeschwert. Es ist verrückt. Ich dachte nicht, dass ich mich so schnell wieder gut fühlen kann. Aber ich tue es. Ich fühle mich leicht. Und gar nicht mehr leer. Das Mit-Ohne-Gefühl ist verschwunden. Zumindest im Moment. Vielleicht lag es an der Zoohandlung. Vielleicht aber auch einfach daran, dass ich den heutigen Tag so – und nur so – verbracht habe, wie ich es wollte. Der Tag war einfach gut.
Zum Beispiel war der Bus früh dran. Und ich dachte mir, dass er mir schon wieder davon fährt. Aber der Busfahrer hat gewartet. Ich bin in den Bus gesprungen und habe ihn angelächelt. Und mich bedankt. Er antwortete nur: „Bitte. Weil Weihnachten ist.“

Weil Weihnachten ist. Vielleicht liegt es ja wirklich daran. Weihnachten macht ein kleines bisschen glücklich. Und das ist gut so. Ich kann jede Unterstützung brauchen, am Montag hab ich wieder zwei Termine bei meinen Ärzten…

Gute Nacht!
Euer Fräulein Mit-Gefühl :)

Ablenkung

Guten Abend!

Heute Morgen stand ich grade im Bad, als eine Whatsapp-Nachricht reinkam. Es war mein Kommilitone, der mir (zum Glück) geschrieben hat dass mein Englisch-Kurs ausfällt. Also stand ich da, meine Zahnbürste in der Hand und warf einen Blick auf die digitale Uhr auf meinem Display. 11:09 Uhr. Bis zur Geburtstagsfeier einer Freundin, zu der ich eingeladen wurde, waren es fünf volle Stunden, die ich nutzen konnte.
Eigentlich wollte ich nach der Uni schnell nach Hause fahren, den Käfig machen und dann auf die Party. Jetzt konnte ich sofort damit anfangen und Merry somit schneller von seiner ‚Verbannung‘ erlösen.

Ich habe eine Stunde lang an dem Käfig rumgeputzt, ihn kochend heiß abgeduscht, ihn desinfiziert und die Einrichtung entweder im Ofen erhitzt oder eingefroren oder abgekocht. Danach war alles sauber, steril und hoffentlich frei von allem, was dem Kleinen an die Wäsche will.
Da ich auch den Schrank saubergemacht habe und auch sämtliche Spuren von Hobelspänen weggesaugt hatte, bin ich zuversichtlich, dass ich die Dinger eliminieren konnte. Hoffentlich habe ich es geschafft, ich will mir nie wieder Vorwürfe machen müssen, nicht genug getan zu haben.

Mein Hamsterchen ist natürlich sofort wieder umgezogen und ich bin in die Küche gegangen um für meine Freundin einen Kuchen zu backen. Zitronenkuchen :)
Backen ist für mich eine Therapie. Es entspannt und beruhigt mich. Wenn ich und mein Kopf gemeinsam Rezepte aushecken, dann fühle ich mich besser. Ich liebe die Kreativität, das Erschaffen von Kunst. Essen ist für mich Kunst :)
Ich habe also ein kleines Kunstwerk kreiert. Einen Zitronenkuchen, glasiert mit einer Joghurt-Glasur und verziert mit weißen und blauen Schneeflocken und der Zahl 20 aus weißen Zuckerperlen – bedeckt mit Goldstaub.
Meine Freundin hat sich sehr darüber gefreut und ich war eine Stunde lang beschäftigt. Und abgelenkt.

Ablenkung ist momentan enorm wichtig für mich. Wenn ich ich nichts zutun hätte, würde ich durchdrehen. Es gibt so vieles, was mich traurig/wütend/deprimiert macht. Aber ich kann mich ablenken, zumindest meistens. Heute hat es gut funktioniert. Vielleicht tut es das morgen auch nochmal. Das wäre gut, denn ich will morgen wieder Plätzchen backen und wenn ich traurig bin, dann erstickt das meine Kreativität und die brauche ich.

Und jetzt sitze ich mit Bauchschmerzen auf der Couch, trinke Kamillentee und schaue mit einem Auge auf den Fernseher und mit dem anderen schiele ich zu dem Hamsterkäfig.

Ich hoffe einfach nur, dass ich den kleinen Merry morgen wieder durch den Käfig tollen sehe. Meine Kaninchen sind im Abstand von zwei Tagen gestorben. Ich hoffe ich erlebe das nicht nochmal.

Ich wünsche euch noch einen schönen Abend!
Gute Nacht!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl