Es hat sich nichts verändert – mal abgesehen von mir

Guten Abend!

Ich bin jetzt zuhause. Also naja, mein Zuhause ist meine Wohnung. Aber ich bin jetzt da, wo ich herkomme, in meiner Heimat.
Heimat bedeutet Familie, das Haus in dem ich aufgewachsen bin. Heimat ist bayrisches Essen meiner Oma. Heimat sind die Berge und Wiesen und Wälder – die schönen Orte, die ich alleine mit meiner Vespa besucht habe um mein Leben zu pausieren. Heimat ist die Siedlung, die sich seit Ewigkeiten nicht verändert hat.

Ich habe eigentlich nichts  zu berichten, weil hier für mich die Zeit still steht. Es passiert de facto nichts, was mein Leben beeinflussen könnte – denn mein Leben ist nicht hier. Meine Mutter hat keinen Einfluss mehr auf mich. Alles was mich als Kind hier geprägt hat, hat radikal an Bedeutung verloren. Glückliche Erinnerungen verblassen sehr viel schneller als die anderen. Es ist nicht mehr mein Zuhause. Home is where the heart is. Und mein Herz schlägt für nichts mehr. Und schon gar nicht für diesen goldenen Käfig.

Meine Großmutter ist so niedergeschlagen wie erwartet. Sie nimmt zwar auch Antidepressiva, aber ich habe sie seit ich hier bin nicht ohne rote, verweinte Augen gesehen… Sie tut mir wahnsinnig leid…

Meine Mutter geht mir jetzt schon wieder auf die Nerven. Sie war keine zwei Minuten zuhause, da hat sie schon einen Grund gefunden, mich anzuschreien. Natürlich mache ich wieder mal alles falsch. Aber es ist mir gleichgültig. Ich weiß, dass ich mich in zwei Tagen wieder aus dem Staub mache und in mein wirkliches Leben zurückkehre. Wo sie keine Macht über mich hat.

Heute habe ich meine alten Freundinnen wiedergetroffen. Es war schön. Es war so, als hätte sich nichts verändert. Natürlich haben wir uns alle verändert, aber in den Grundzügen sind wir noch die selben Mädels, die gemeinsam ihr Abitur geschrieben haben. Wir sind immer noch in Freundschaft verbunden – und dass die so tief ist, fühlt sich gut an.

Jetzt gehe ich gleich mit meiner besten Freundin aus der Schulzeit ein bisschen feiern, als zumindest ist das der Plan, wahrscheinlich enden wir einfach redend auf irgendwelchen Barhockern :D

Ich bin hier das alte Fräulein. Die Tabletten verstecke ich ebenso, wie mein Inneres. Hier hat die Depression keinen Platz, es würde niemandem helfen, wenn meine Familie es wüsste. Also Maske auf und durch. Gefühle aus und durch. Lieber ein starkes Fräulein Mit-Ohne-Gefühl, als mich verletzlich zu präsentieren. Denn man zeigt sich nur Menschen gegenüber verletzlich, denen man auch vertraut. Von denen man weiß, dass sie die Verletzlichkeit nicht ausnutzen – und bei meiner Mutter bin ich mir da leider nicht sicher. Und wüsste es irgendjemand aus der Familie, würde sie es erfahren.

Also bleibt es dabei, wie früher: Maske auf und Bühne frei.

Einen schönen Abend euch und schöne Feiertage! Wir lesen uns!
Liebe Grüße, euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

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