Ärzte-Marathon

Guten Abend!

Wenn man eine psychische Krankheit hat, wird man ja meistens so behandelt, als wäre man nicht krank. Heute kam ich mir aber tatsächlich krank vor, ich habe gute zweieinhalb Stunden in Arztpraxen verbracht und wurde nach allen Regeln der Kunst untersucht.
Angefangen bei meinem neuen Psychotherapeuten. Also er wird mein neuer Psychotherapeut wenn ich die erste Sitzung gut finde und ihn danach immer noch mag ^^
Ich hab ihm ein bisschen von mir erzählt und er hat immer wieder nachgefragt, um mich besser einschätzen zu können. Ich kam mir schon so vor, als läge mein Innenleben auf dem Seziertisch. Aber muss ja so sein. Ich weiß zwar nicht, was er von mir denkt, aber er hat mit mir auf Augenhöhe gesprochen. Das fand ich gut. Sehr amüsant für mich war die Frage: „Sind Sie immer so aufgeweckt? Oder ist das jetzt nur eine Masche weil Sie sich vorstellen?“ – Ich bin wirklich so, wenn mich die Depression nicht runterzieht!
Der nette Herr Doktor war überrascht von der Vielzahl an Medikamenten, die ich nehme und war etwas besorgt wegen den Nebenwirkungen, die ich merke. Er hat mir geraten, das am 22. meiner Ärztin zu erzählen und mit ihr abzuklären, ob wir das nicht irgendwie abstellen können.

Außerdem hat er meinen dicken Hals bemerkt und mir erzählt, dass eine Schilddrüsenunterfunktion die Symptome der Depression durchaus hervorrufen/verschlimmern kann. Vor allem die Müdigkeit und die Lethargie und das Problem morgen aufzustehen. Ich hab schon seit ich denken kann, eine vergrößerte Schilddrüse. Ich hab auch schonmal Jodtabletten deswegen genommen, aber die haben meiner Meinung nach nichts gebracht. Getestet wurde damals auch nichts, weshalb ich ihm nicht sagen konnte, wie schlimm es ist. Also hab ich den Vorschlag meines Therapeuten, zum Arzt zu gehen und das überprüfen zu lassen, gleich in die Tat umgesetzt.

Nach einer halben Stunde Gespräch bin ich (mit einem Umweg über den Rewe um was zu trinken zu kaufen, weil mir schon ganz schwummrig war vor lauter Dehydration…) also zum nächsten Arzt gelaufen. Die Frau an der Rezeption war zwar leicht verwirrt, hat mich dann aber ins Wartezimmer gesetzt. Und da saß ich dann. Und saß. Und saß.
Ich habe wirklich eine Stunde gewartet, bis ich dann mal zum Blutdruckmessen durfte. 122/79.

Der Arzt hat kurz mit mir abgeklärt, wie das in der Vergangenheit war mit meiner Schilddrüse und wie das mit der Depression ist. Dann hat er mir gleich noch Vitamin D verschrieben, weil ich ja vegan lebe und das im deutschen Winter ohnehin schwer zu bekommen ist.
Der Arzt meint, dass es keine Unterfunktion ist, sondern lediglich eine Vergrößerung ausgelöst durch Jodmangel. Was zu beweisen wäre. Natürlich waren dazu wiedermal Tests nötig. :P
Ich bin also ab ins Labor, wo mir (schon wieder!) Blut abgenommen wurde. Dafür dass ich eine wirklich ausgeprägte Nadel-Phobie habe, bin ich wirklich jedes Mal sehr tapfer :)
Das wird jetzt auf die Schilddrüsen-Dinger überprüft und auf meinen Wunsch hin auch noch auf Defizite, die meine Ernährung auslösen könnte.
Nachdem ich noch fünf Minuten rumgelegen bin – mir war nämlich schon den ganzen Tag schlecht und die Nadel in meine Ader gestochen zu bekommen hat’s nicht besser gemacht – hat man mich in den Raum für den Ultraschall gebracht.
Da musste ich mich dann obenrum freimachen – für einen Scan am Hals?! – und der Arzt hat meine Schilddrüse vermessen, die Struktur analysiert und nach Knoten gesucht.
Sie ist zu groß, die Struktur ist okay aber unregelmäßig und Knoten sind zum Glück keine da. Ich hatte ein bisschen Angst, dass er vielleicht einen Tumor oder sowas findet… aber alles gut.
Ich nehme jetzt Thyroxin ein. Das entlastet meine Schilddrüse. Dann bildet sie sich vielleicht zurück. Außerdem hilft mir das, weil dadurch meine Antriebslosigkeit und die ewige Lethargie gemildert werden (sollen).

Ja, das war heute ein ziemlich anstrengender Tag. Nach den Arztbesuchen habe ich noch meine Freundin besucht und ihr von den neuesten Entwicklungen berichtet.
Danach bin ich nach Hause und war plötzlich ziemlich motiviert, meine Wohnung aufzuräumen. Das ist mir noch nie passiert! :D
Also habe ich das, was schon lange mal nötig war endlich erledigt – die letzten Umzugskartons ausgeräumt zum Beispiel (ich wohne schon seit drei Monaten hier) und endlich den schönen, alten Vintage-Spiegel aufgehängt – den ich neu lackiert hatte – und die ganzen Dinge in den Keller getragen, die schon seit Wochen drauf warten.
Ich bin stolz, also ein bisschen. Ich hab endlich mal was geschafft, ohne mich selbst dazu zu zwingen. Fühlt sich normal an. Und normal ist gut.

Jetzt muss ich morgen nur noch die Küche etwas aufräumen und dann ist meine Wohnung auch endlich mal wieder vorzeigbar. Und das ist auch gut so, weil ich nämlich ab nächstem Monat eine Mitbewohnerin haben werde. Eine Freundin von mir zieht für sechs Wochen auf meine Couch. Sie hatte nur einen befristeten Mietvertrag und der läuft jetzt aus. Da sie noch keine neue Wohnung gefunden hat, überbrückt sie die Zeit bis zu den Semesterferien jetzt bei mir. Und mir soll es recht sein, ich helfe gerne – meiner Meinung nach ist sowas nämlich selbstverständlich.
Außerdem zahlt sie auch Miete und ich hab ja eh ständig Geldprobleme :D

Januar wird sicher ein guter Monat. Und somit fängt 2015 gut an. Ich bekomme auch eine Bafög-Nachzahlung :)
Jetzt hoffe ich einfach nur, dass das Zusammenleben funktioniert und mir vielleicht gut tut.

Es ist natürlich ein Wagnis, jemanden gerade in so einer Situation in meine privaten Bereich zu lassen… Aber ich werde meine Freundin sensibilisieren, damit sie mir meine Rückzugsmöglichkeiten lässt. So wird das schon funktionieren… hoffe ich.

Gute Nacht meine Lieben.
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

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