Kein Glühwein für mich…

Guten Abend allerseits!

Die letzten zwei Tage waren zwar gemischt, aber überwiegend gut.
Meine beste Freundin hat mich besucht und mit ihr zu reden hat wirklich gut getan. Außerdem hab ich, bevor sie kam, endlich ein bisschen meinen Arsch hochbekommen und die Wohnung aufgeräumt. War auch mal nötig.

Als sie dann da war, sind wir auf den Weihnachtsmarkt gegangen. Ihre Mum hat uns Glühwein spendiert, eine warme Tasse Heidelbeerglühwein war angenehm wärmend. Während wir also da standen und uns unterhalten haben, habe ich irgendwie langsam ein Schwindelgefühl gespürt. Ich fühlte mich merkwürdig betrunken. Ich konnte nicht mehr so richtig sprechen, ich hatte ernsthafte Probleme mich zu artikulieren. Ich wankte auch etwas, was mir normalerweise nie passiert – und schon gar nicht von einer Tasse Glühwein!

Als ich drüber nachdachte, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Klar. Die Antidepressiva. Ich nehme sie seit fünf Tagen.
Ich erklärte meiner Freundin, dass sie mich sicher nach Hause bringen soll. Hat sie natürlich auch gemacht – und ich war froh drüber. Zuhause angekommen, habe ich als erstes die Packungsbeilage der Tabletten rausgeholt. Ich zitiere:

Einnahme von Elontril zusammen mit Alkohol

Alkohol kann die Wirkungsweise von Elontril beeinflussen und bei gleichzeitiger Einnahme in seltenen Fällen Ihre Nerven oder Ihren geistigen Zustand beeinflussen. Einige Personen haben den Eindruck, dass sie stärker auf Alkohol reagieren, wenn sie Elontril einnehmen. Ihr Arzt wird Ihnen möglicherweise empfehlen, während der Einnahme von Elontril keinen Alkohol (Bier, Wein oder Spirituosen) zu sich zu nehmen oder zu versuchen, möglichst wenig zu trinken. […]

Tja, dummerweise habe ich das vergessen. Ich habe einfach nicht dran gedacht. Und da stand ich nun, betrunken :D
Meine beste Freundin fand das mega lustig. Ich habe beschlossen, bis ich die Antidepressiva wieder absetzen kann, nichts mehr zu trinken, ich bin lieber abstinent als stockbesoffen von einem Glas Wein! :D

So kam es auch heute Abend dazu, dass ich zu einem Vorglühen bei Freunden eine Flasche Cola mitgenommen habe. Das erntete zwar ein paar skeptische Blicke, aber ich habe es auf meine „Erkältungsmedikamente“ geschoben. Ich wollte nicht in geselliger Runde so ein Wort wie ‚Depression‘ fallen lassen. Schließlich weiß ja keiner von meiner Krankheit – und so soll es auch bleiben. Viele meiner Freunden kennen mich schon länger als ich depressiv bin und die sollen das Bild von mir behalten, das sie haben.

Die Wirkung der Tabletten hat leider noch immer nicht eingesetzt und es geht mir zeitweise immer noch schlecht. Aber ich hoffe. Ich hoffe weiter, schließlich haben die Tabletten ja noch neun Tage Zeit.
Und ich bin durchaus bereit, all diese Einschränkungen (die Packungsbeilage ist einen halben Meter lang und beidseitig bedruckt) in Kauf zu nehmen, solange die Tabletten wirken und mich mir selbst zurückgeben.

Ich hab gestern mal wieder Casper gehört. Wiedermal haben mich einige Zeilen aus ‚Alaska‘ besonders berührt, weil sie meinen momentanen Zustand so gut beschreiben…

Und jetzt genau da wo du fliehst, vor’m eigenen kleinen Alaska, so weit, so weiß und leer…
Die Welt voll mit steinernen Blicken und eisigen Winden, die das Atmen im Keim schon ersticken.
Inmitten von Werden und Warten, und Entfernungen raten – bleibt die Lüge vom ‚Frei sein‘, ein Sterben auf Raten.
Der Tanz von Echolot und Puls, wenn er bebt, malt ein Herz in den Spuren im Schnee.

Ich glaube, dass Casper die Depression kennt. So wie er seine Lieder schreibt (wenn er sie denn selbst schreibt, weiß man bei Musikern ja nie genau…) kann man doch nur schreiben, wenn man weiß wovon man spricht.

Er spricht mir jedenfalls aus der Seele. Und genau deshalb höre ich seine Musik so gerne. Er spricht aus, was ich selbst nicht in Worte fassen kann.

Ach, ich würde so gerne noch mehr schreiben, aber für heute reicht’s. Ich melde mich aber bald wieder :)
Schönen Abend noch!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

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2 Gedanken zu “Kein Glühwein für mich…

  1. „…und mich mir selbst zurückgeben.“
    Dieser Satz ist so wahnsinnig tiefgründig… Ich mag Deine Art zu schreiben, da man manchmal solche Sätze findet, die einem zeigen, dass die Depression viel vielschichtiger ist, als einfach nur traurig sein.
    Ich habe das Gefühl, als könnte ich diese Krankheit nicht einmal nachvolziehen, vielleicht bekomme ich durch solche Sätze auch nur eine Idee davon, was es ist oder wie Du dich fühlen musst…
    Schöner Artikel !
    LG vegane Tomate

    Gefällt 1 Person

    • Danke :)
      Ich finde es schön, dass Du dir darüber Gedanken machst – das zeigt mir, dass mein kleiner Blog seinen Zweck erfüllt :)
      Vielen Dank zurück, auch für die Rezepte, die mich manchmal dazu bringen zu kochen, obwohl ich eigentlich gar nicht wirklich möchte :D
      Liebe Grüße, dein Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

      Gefällt 1 Person

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