Wut

Guten Abend!

Ich entschuldige mich gleich schon mal für meine lange Abwesenheit. Ich konnte die letzten Tage einfach nicht schreiben :(
Wenn ich abends Zeit hatte, dann war ich zu niedergeschlagen oder zu müde… und bis vor zwanzig Minuten hatte ich auch eine ausgewachsene Schreibblockade. -.-

Aber jetzt kann ich es. Und zwar weil ich weiß, worüber. Über meine Wut.

Ich bin wütend. Auf mich selbst. Auf mich selbst. Auf mich selbst.

Ich habe jemanden kennengelernt, einen wirklich sehr netten jungen Mann. Und ich habe ihm von Anfang an gesagt, dass ich emotional nicht dazu in der Lage bin mich auf jemanden einzulassen. Die Depression habe ich nicht erwähnt. Lustigerweise wohnt er direkt neben der Psychiatrie – ich kann von seinem Fenster aus in die Behandlungsräume sehen.
Und obwohl ich zurzeit so emotional wie ein Stein bin, scheint er irgendwas an mir zu finden. Ich bin wirklich ein Glückskind – er hat mir versichert, dass selbstlose Liebe, das Geben ohne eine Gegenleistung zu fordern, für ihn die einzig wahre Art von Liebe ist. So weit, so gut. Ich sollte mich glücklich schätzen und mich freuen, dass mich endlich mal jemand gut behandelt. Aber ich bin unglücklich. Ich sehe ihn an und ich empfinde nichts. Ich fühle rein gar nichts. Mit ohne Gefühl eben.
Ich habe keinerlei Emotionen momentan, außer ab und an ein paar negative. Und das macht mich wütend. Es macht mich so verdammt wütend auf mich, dass ich es nicht mal hinkriege mich zu freuen, wenn mich meine beste Freundin besucht. So verdammt wütend auf mich, dass ich einfach nicht mehr fühlen kann! Wieso nicht… wieso nur kann ich nichts mehr fühlen :(

Ich habe vor drei Tagen mit den Antidepressiva angefangen. Bisher hat sich nichts verändert, die Depressionen haben sich wohl sogar ein bisschen verschlimmert. Aber darauf hat die Ärztin mich ja auch hingewiesen, dazu kann es durchaus kommen. Die ersten zwei Wochen ist laut Packungsbeilage unter Umständen sowieso nicht mit einer Besserung zu rechnen. Ich hoffe einfach, dass es schnell wirkt. Aber ich bin auch frustriert.
Sehr frustriert. Heute habe ich es wiedermal nicht an die Uni geschafft. Trotz Antidepressiva. Und vielleicht ist es wirklich die Erstverschlimmerung, die jetzt eintritt. Vielleicht ist auch einfach die Dosis zu niedrig. Vielleicht sollte ich mehr Geduld mit mir selbst haben. Vielleicht, vielleicht, vielleicht. Aber ich bin so wütend!

Da passiert mir das erste mal seit Wochen mal wieder etwas gutes, und ich bin nicht in der Lage mich drüber zu freuen. Ich sitze da und empfinde einfach gar nichts. Keine Freude, keine Dankbarkeit, kein Glück. Nur diese Taubheit. Dieses Mit-Ohne-Gefühl. Da kann man schon mal wütend werden…

Einen schönen Abend noch!
Wünscht euch euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

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8 Gedanken zu “Wut

  1. Hallo Liebes Fräulein,
    wie schon erwähnt – das kenne ich. Irgendwann war es so schlimm, dass in der Klinik alle um mich herum heulten und sich furchtbar fühlten – und ich war tatsächlich nur neidisch. So irre das klingt: Ich habe mich das erste Mal wieder riesig gefreut nachdem ich eine halbe Stunde durchgeheult (!) hatte.
    Genieße also deine Wut. Du darfst wütend sein. Die meisten sind zu erst wütend, wenn das Gefühl wieder kommt.Es ist das stärkste der vier Grundgefühle Wut, Angst, Trauer und Freude. Es ist da. Sieh es positiv, so schwer das scheint. Nimm es als Gefühl an.

    Gib den Medikamenten die zwei Wochen. Wenn du keine Nebenwirkungen wie Tinnitus, Zittern oder Herzrasen merkst ist das in den zwei Wochen tatsächlich das beste, was dir passieren kann. Halte durch! Es wird besser!

    Was den jungen Mann betrifft: Vll. ist er eben einfach nur nicht der Richtige? Vll. weiß dein Körper auch nur, dass du deine Kraft gerade für dich brauchst. Und Wut setzt Kraft frei…

    Gib dir Zeit.Du selbst bist das wertvollste, das du hast.
    Viel Kraft, deine Füchsin

    Gefällt 2 Personen

    • Vielen Dank für die lieben Worte. Es macht das alles ein bisschen einfacher, zu wissen dass es dir genauso ging und du es auch geschafft hast.
      Ich werde durchhalten.

      Vor den Nebenwirkungen habe ich ehrlich gesagt ziemlich Angst…
      Liebe Grüße und vielen Dank,
      Dein Fräulein – mit scheinbar doch ein bisschen Gefühl

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      • Liebes Fräulein mit ein bisschen Gefühl,

        wenn du von den Medikamenten noch keine Nebenwirkungen merkst, dann werden wohl auch keine mehr kommen. Ich habe bisher immer erlebt, dass sie gleich in den ersten Tagen nach der Einnahme aufgetreten sind. Du musst also wohl keine Angst haben.

        Für dein bisschen Gefühl: Ich würde dir gerne helfen, deine Gefühle weiter zu kultivieren. Daher darfst du dir das nächste Thema meines Blogs aussuchen: Buchtipps oder Entspannung und den Körper spüren. Was meinst du, was dir gerade besser hilft?

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      • Och wie lieb von dir!
        Ich würde mich über Buchtipps freuen. Lesen ist etwas, dass mich wunderbar ablenkt. Ich kann mein Leben für eine Weile vergessen und ich empfinde mit den Charakteren sogar ein bisschen mit, weil sie ja in der Lage sind zu Fühlen.
        Ich finde es sehr interessant, was andere Leute so lesen :)
        Vielen Dank, ich freu mich schon drauf!

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      • Liebes Fräulein,
        meine Buchtipps fallen sicher etwas anders aus, als du das gerade gedacht hast. Denn ich möchte Menschen in einer Depression Mut machen und nicht meine persönlichen Präferenzen vorstellen. Vll. ist dennoch das rechte für dich dabei. Wenn nicht – Teil 2 wird folgen ;)
        Deine Füchsin

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