Selffulfilling Prophecy

Guten Morgen allerseits!

Entschuldigt bitte, dass ich gestern Abend nicht gebloggt habe. Aber ich habe geschlafen! GESCHLAFEN! Das erste Mal seit einer Woche vor 12 Uhr.

Ich bin ziemlich glücklich deshalb. Aber vor allem, weil ich im letzten Beitrag ja prophezeit habe, dass es vielleicht besser wird. Und es ist besser geworden.
Ich bin gestern aus dem Haus gegangen, sogar halbwegs freiwillig. Aber als ich erstmal draußen war, wie immer leicht verspätet auf dem Weg zum Bus, ist mir aufgefallen, dass ich nach dem Duschen vergessen hatte, mich zu schminken. Ich war also komplett ungeschminkt. Schutzlos. Die Barriere, die Maske, die meine Regungen und Gefühle sonst ein bisschen vor der Welt verborgen hat, fehlte. Ich war verwundbarer als sonst.
Klar fragt Ihr euch, wovon zum Teufel ich da rede. Ich erklär’s euch.
Wenn ihr euch oft so schlecht fühlt wie ich, dann lernt ihr sehr schnell, das vor euren Mitmenschen glaubhaft zu verbergen. Ich war schließlich nicht immer depressiv. Und selbst seit ich depressiv bin, gibt es immer wieder Phasen, in denen es mir besser geht, in denen es leichter ist.
Die Menschen kennen mich eigentlich nur in der lebensfrohen-glücklichen-humorvollen-Edition. (Außer meinen besten Freunden, aber selbst wenn sie in der Nähe sind weine ich nur heimlich. Ich will nicht, dass mich jemand so sieht…) Dafür sorge ich eigentlich jeden Tag. Man lernt zu lächeln, man lernt in den richtigen Momenten einen Witz zu machen oder zu lachen. Ich sage nicht, dass ich alles spiele. Meine Freunde werden von mir nicht getäuscht. Wenn ich jemanden nicht besonders mag, oder etwas nicht lustig finde, dann sage ich das auch. Ich lüge nicht. Ich verstecke nur.
Verstecke, wenn ich plötzlich am liebsten weinen würde.
Zurück zu meiner Maske.
Das Make-Up hilft ein bisschen. Es verdeckt, wenn mir das Blut in die Wangen schießt, wenn mir meine Ungeschicktheit peinlich ist. Oder wenn ich im Bus von einem jungen Mann angelächelt werde, als er mich vorlässt. Es verdeckt die Augenringe, die von den schlaflosen Nächten kommen, ebenso wie die Tränensäcke, die vom Weinen manchmal auch Stunden danach noch etwas geschwollen sind.
Es beruhigt mich zu wissen, dass alle meine offensichtlichen Makel sich damit verbergen lassen. Ich hab innen drin schon genug, es müssen die außen nicht auch noch sichtbar sein.

Das dumme war gestern eben nur, dass ich es schlichtweg vergessen hatte.
Und obwohl ich mich im Bus mehr als nur unwohl gefühlt hatte, versuchte ich einfach, das durchzustehen. Ich hatte in der Stadt etwas zu erledigen und ich konnte nicht mehr zurück. Also biss ich mich durch. Ich erledigte pflichtbewusst alles, was auf meiner Liste (ohne die ich mich wirklich vor allem drücken würde) stand. Als Belohnung erlaubte ich mir, trotz akutem Geldmangel ein bisschen im Depot zu stöbern. Und wie es der Zufall so wollte, traf ich eine Freundin. Es war die liebe Freundin, die mich zum Arzt begleitet hatte.
Wir verbrachten den Nachmittag zusammen und als ich mit dem Bus nach Hause fuhr, war ich ein bisschen glücklich. Der Spaziergang nach Hause tat ebenfalls gut. Als ich Abends das erste Mal seit Tagen halbwegs normal aß, wusste ich, dass es jetzt bergauf geht.
Und während ich ‚Bones‘ schaute, wurde ich langsam müde. Ich war erstaunt und erfreut zugleich. Die frische Luft hatte mich müde gemacht und es war schön, dass ich halbwegs zeitig einschlafen konnte :)

Heute Morgen fiel es mir nicht so schwer wie sonst aufzustehen. Ich bin sogar an die Universität gegangen!
Tage wie diese geben mir etwas Hoffnung. Hoffnung, dass noch nicht alles verloren ist und ich eines Tages wieder gesund werde.

Liebe Grüße an meine Leser!
Euer Fräulein Mit-Ohne-Gefühl

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